“Wissen Sie!” oder “Wissen Sie?”

Die Wissensgesellschaft ist in aller Munde. Der “Wissenschaftsstandort Deutschland” wird gern politisch gepriesen. Als rohstoffarmes Land brauchen wir den Rohstoff “Wissen”. Das Internet ist ein neuer Wissensfaktor. Nicht zuletzt wollen auch die Bibliotheken Wissen vermitteln.

Doch was ist “Wissen” überhaupt? Wann weiß man wirklich etwas? Und was ist mit dem Nichtwissen? Gibt es das überhaupt? Und wie kann man Nichtwissen deklarieren?

Die Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich diesem Thema angenommen. Nicht zum ersten Mal empfehle ich daher die Lektüre dieser kostenlosen Zeitung.

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Wer die Zeitung nicht auf Papier ausgedruckt bei uns leihen möchte, kann das Heft auch als pdf oder für E-Book Reader als Epub kostenfrei herunterladen: http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/158518/wissen

Die oft nur wenigen Seiten langen Artikel regen zum Nachdenken an. Robert Unterstells Artikel “Science Center: Wissen als Erlebnis” könnte auch Argumente für das in Salzgitter geplante “Industrium” liefern. Nachdenklich stimmt mich aber auch der Artikel von Laura Kajetzke und Anina Engelhardt, die der Frage nachgehen ob wir denn in einer Wissensgesellschaft leben. Folgender Abschnitt ist es auf jeden Fall noch einmal Wert zitiert zu werden:

Die „dystopischen“ Seiten der Wissensgesellschaft offenbaren sich vor allem für jene, die den neuen Anforderungen nicht genügen, den – so Willke – „Dummen“ der Wissensgesellschaft. Dies sind einerseits die „regulären Dummen“ mit geringen Intelligenzquotienten oder nicht ausreichender Qualifizierung, andererseits aber auch das „kognitive Proletariat“ beziehungsweise die „neuen Dummen“. Hierbei handele es sich um Menschen mit hoher formaler Bildung, deren Wissensbestände jedoch für die gesellschaftliche Praxis irrelevant seien: „Einige der neuen Heroen der Wissensgesellschaft sind (…) ziemlich seltsame Figuren und in jedem Fall Emporkömmlinge. Hacker, Modeschöpfer, Popmusiker, Schönheitschirurgen (…), TV-Moderatoren, Models, (…) oder Tennisspieler fallen die Treppen der Wissensgesellschaft hinauf, weil sie über relevante Erfahrungen in Feldern von großem allgemeinen Interesse verfügen, während zur gleichen Zeit die meisten Schriftsteller, Gelehrten oder sogar Nobelpreisträger völlig unbekannt und einflusslos bleiben.“

Spätestens hier fiel mir der Youtubeschnipsel “Völksverblödung” von Georg Schramm wieder ein. Doch was rege ich mich auf. Als Bibliothekar ist man bescheiden, auch wenn man dem letzten Artikel vom Nichtwissen einige Hinweise hinzufügen möchte. Unsere Berufgsruppe ist prädestiniert dafür umgeben von Wissen eben selbiges nicht zu wissen. Wenigstens wissen wir wo es steht (wenn es nicht geklaut, verstellt oder gelöscht wurde).

Wenigstens wissen Sie nun von dieser Lektüremöglichkeit – Sie müssen sie ja nicht lesen… (ScG – Gerald Schleiwies)

Gegen den Strom

Dass Graphic Novels nicht unbedingt nur etwas für Jüngere sind, beweisen unter anderem die Illustratoren Thomas Henseler, Susanne Buddenberg und Simon Schwarz.

druebenWährend Schwarz, selbst noch in der DDR geboren, sich in „drüben!“ autobiographisch mit seiner eigenen Familiengeschichte in Ost und West auseinandersetzt, illustrieren Henseler und Buddenberg in „Grenzfall“ den Weg des Widerstandes, den der Jugendliche Peter Grimm mit einigen anderen nach dem Tod des bekannten Regimekritikers Robert Havemann ging und dabei ähnlich wie Schwarz‘ Familie, recht schnell an die Grenzen der Freiheit stößt.

 grenzfallIn beiden Bänden wird ein Stück DDR-Geschichte aufgearbeitet ohne pathetisch zu werden oder Anklagen zu schreiben. Durch die Form des Comicromans wird ein komplexes Thema greifbar und leichter verständlich – für Jugendliche wie Erwachsene.

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Michael Bublé – To Be Loved

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Neues Album des kanadischen Superstars. Der Sänger zwischen Pop, Entertainment und Crossover-Klassik interpretiert hier neben den 4 eigenen Stücken wieder bekannte Klassiker wie “To love somebody”, “Something stupid” (mit Reese Witherspoon), “Have I told you lately”, “You’ve got a friend in me”, “Young at heart” u.a..

Sein weicher Ton, die klare und doch einschmeichelnde Stimme und die mal mehr, mal weniger opulenten Arrangements ergeben ein großes Ganzes, das Menschen weltweit anspricht.

Wf

Musikvideo der Woche – Brad Paisley: Beat this summer

Attribution: Keith Hinkle.  This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Attribution: Keith Hinkle.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Der Sommer steht vor der Tür und die ersten Sommer-Musikvideos sind auch schon da, z.B. “Beat this summer” von Brad Paisley. Entnommen aus seinem 9. Album “Wheelhouse” ist der Song in den US-Billboardcharts zu finden. Die Regie des Musikvideos übernahm Roman White, der schon Videos für u.a. Justin Bieber, Carrie Underwood und Alan Jackson gedreht hat.

Dieses Video zeigt einen Sommertag in einem amerikanischen Seebad, in dem zwei Kinder erstmals mit der Liebe konfrontiert werden. Brad Paisley ist in den USA ein sehr erfolgreicher Sänger, der hier in Deutschland noch nicht sehr bekannt ist.

Hier ist das Video “Beat this summer”.

R.I.B.

Über Holzbuchläden mit Totholz

Was ist denn bitte ein Holzbuchladen? Und warum haben die Totholz?

In Zeiten von digitalen Medien und E-Books, also elektronischen Büchern, braucht es eine Bezeichnung für das “klassische” Buch. Papier wird aus Holz gewonnen. Da Bücher in der Regel nicht mehr wachsen, gehören sie zur Gattung “Totholz”. So wird der klassische Buchhändler zum Holzbuchladen.

Nein, ich denke mir das nicht aus. Tobias Schmid vom süddeutschen Filialbuchhändler Osiander redet so: http://quote.fm/www.buchreport.de/84222
Ein Blick auf die Seite der Kaufleute der Buchbranche zeigt das deutlich. Der “Buchreport” meint “Buchhändler werden zu E-Book Servicedienstleistern”. Allerdings die größten Probleme bei den E-Books gibt es mit DRM – dem digitalen Rechtemanagement. Über 90% aller Serviceanfragen beschäftigen sich mit diesen Fragen. Erste Verlage gehen denn dann auch den Weg ohne DRM. “DRM ist Wahnsinn” meint Thorsten Schliesche von Napster.  Bibliotheken können ohne DRM jedoch nicht elektronisch verleihen.

Auch bei den Regierunsgparteien stellt man sich in einer Podiumsdiskussion die Frage “„Das Gedruckte – nur noch etwas für Nostalgiker? Die Zukunft des Buches im digitalen Zeitalter“ – leider hat man vergessen, Bibliotheken mit einzuladen: Egal, wir machen ja nur 5% des deutschen Buchhandelumsatzes aus, E-Books sind übrigens erst bei ca. 3%. Kein Wunder, wenn sich Piraten mit bis zu 800.000 Downloads per Monat schmücken. Die Buchhandlungen müssen also jetzt einen radikalen Wandel vollziehen, sonst werden sie genauso häufig anzutreffen sein wie heute “Plattenläden”. Salzgitter hat übrigens keinen mehr. Bei den Discountern und den Elektronikhändlern werden zwar immer noch die Top Hits und Chartlisten geführt, doch Tiefe kann man sich nicht leisten. Auch die Buchbestseller gibt es an vielen Ecken. Werden wir 2020 nur in Braunschweig noch einen Buchhändler haben?

In England ist die Situation aufgrund fehlender Preisbindung bereits sehr dramatisch. Vielleicht war dies auch der Auslöser zum etwas utopischen Film “The last Bookshop”, den ich hier gerne empfehle:

Und die Bibliotheken? Wir diskutieren aufrgund des fehlenden kaufmännischen Zwanges nicht so nervös. Doch das Leihen von Medien wird sich weiter automatisieren müssen, wir brauchen die Zeit für Kompetenzvermittlung, Beratung und kulturelle Darstellungen. Und keine Angst, so schnell wird das “Totholz” nicht aus den Bibliotheken verschwinden, die Vielfalt des Buches kann noch nicht in jeder Form elektronisch abgebildet werden. Auch wenn die Amerikaner schon sechs Bibliotheken ohne Bücher verzeichnen. Daran wird auch der erste ab Juni 2013 in Deutschland erhältliche farbige E-Ink Reader von Pocketbook vorerst nichts ändern.  (ScG)

Robert & Edward Skidelsky: Wie viel ist genug?

skidelskyZwei britische Wissenschaftler ermitteln die Gründe dafür, dass trotz verbesserter materieller Lebensbedingungen heute immer noch kein gutes Gemeinschaftsleben zu realisieren ist.

Ein Wirtschafts- und ein Philosophieprofessor (Vater und Sohn) gehen davon aus “dass die materiellen Bedingungen für ein gutes Leben bereits existieren” – in Industrieländern. Ihr Buch ist durchsetzt von Hinweisen auf Keynes’ Werk, aber auch auf seine Irrtümer, die sich manifestieren in einem Aufsatz von 1930, in dem er ideale Zustände für 2030 prophezeit.

Um zu klären, warum seine Erwartungen nicht auf die heutige Situation zutreffen, greifen die Autoren auf zahlreiche Denker (seit Aristoteles) und Autoren zurück, die die menschliche Natur, den Stellenwert von Arbeit bis zu den Auswüchsen des Kapitalismus beurteilen.

Nur wenige Leser werden diese Namens- und Erkenntnisfülle würdigen können, sicher aber die Auseinandersetzung mit ökonomischer Glücksforschung, den Zwängen von Welthandel, Wachstumswahn und Konsumverhalten, mit der Forderung ethische Ideale wiederzubeleben, nach Anreizinstrumenten, nach “Basisgütern” wie Respekt und Persönlichkeit und nach einer moralischen Wirtschaftswissenschaft.

Wf

Hector Tobar – In den Häusern der Barbaren

Die amerikanischen Literaturkritiker vergleichen Héctor Tobar mit Charles Dickens und Tom Wolfe. Und sein rasanter Gesellschaftsroman hat es in sich:

TobarAls das wohlhabende Paar Thompson nach einem heftigen Ehestreit plötzlich verschwindet und die Kinder allein zurücklässt, sieht sich das Hausmädchen gezwungen, auf eigene Faust Hilfe zu suchen … Der Blick aus dem Garten geht direkt auf den majestätischen Pazifik. Die Familie Thompson kommt gut zurecht. Nein, angebrachter wäre wohl zusagen: Sie kamen gut zurecht. Inzwischen hat auch sie die Krise erreicht, zwei ihrer Hausangestellten sind bereits entlassen. Einzig Aracelli Ramirezist noch übrig. Und deshalb trifft es Aracelli, als nach einem schrecklichen Streit zwischen Señor Scott und Señora Maureen plötzlich niemand mehr fürdie Kinder da ist. Das Ehepaar ist spurlos verschwunden, und so greift die tatkräftige und fantasiebegabte Aracelli zum letzten Mittel – sie steigt mit den beiden Jungen in den Bus, um mit ihnen und einer bestenfalls vagen Ahnung nach dem Großvater zu suchen, den sie in einem der schlechteren Viertel von Los Angeles vermutet. Was sie den Jungen als Abenteuer verkaufen will, setzt eine tragische Kette von Ereignissen in Gang …
Biografie (Héctor Tobar)
Héctor Tobar, geb. 1963, kam mit seinen Eltern aus Guatemala in die USA und lebt heute als Schriftsteller und Journalist in Los Angeles. Für seine Reportage über die Getto-Aufstände in Los Angeles wurde er 1992 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. 2006 wurde Héctor Tobar unter die 100 wichtigsten Vertreter der spanischsprachigen amerikanischen Bürger gewählt.