von Peter Probst
Odenwaldschule – Bistum Trier – Canisius Kolleg in Berlin – Skt. Joseph Gemeinde in Salzgitter
Mittlerweile sind einige Fälle von jahrzehntelangem sexuellem und psychischem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in großen katholischen Institutionen bekannt geworden
Dieses Themas hat sich Peter Probst in seinem Roman „Im Namen des Kreuzes“ angenommen, der dritte Roman in der Privatermittler Schwarz-Serie.
Der Privatermittler Anton „Toni“ Schwarz ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Immer ein bisschen am Granteln, ein Morgenmuffel, einer, der auch gerne einmal faul ist, sicherlich ein bisschen empfindlich und mit dem Verkehr und der ewigen Gentrifizierung in München hat er es auch nicht so.
Oh, und natürlich trifft er sich regelmäßig mit seinen Ex-Kollegen. Doch das gehört zum festen Inventar eines Privatdetektiv-Krimis. Denn jeder gute Privatdetektiv hat mindestens einen Freund bei der Polizei.
In den ersten zwei Teilen der Krimireihe wurde er damit konfrontiert, dass seine Mutter eine Jüdin ist, was er jahrzehntelang nicht wusste, aber vor allem wurde er auch von seiner geliebten Frau verlassen.
In diesem dritten Teil muss er sich seiner Homophobie stellen, die einen tieferen Grund hat, wie wir später erfahren. Doch Eva Schwarz, die er bei seinem ersten Fall in „Blinde Flecken“ kennenlernte, die 25 Jahre jünger als er ist und außerdem im Rollstuhl sitzt, treibt ihn immer wieder an. So wird er mit einer Welt konfrontiert, die ihm nicht ganz geheuer ist. Und wie sich bald zeigt: völlig zu Recht nicht.
Nach dem tragischen Selbstmord des jungen Priesteramtskandidaten Matthias wird Schwarz von Irmgard Sass engagiert, die wissen möchte, warum ihr Sohn sich umbrachte. Kurz darauf wird der – besonders bei Jugendlichen – beliebte katholische Pfarrer Heimeran erhängt aufgefunden. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen liegt nahe – aber welcher? Wie eng war die Beziehung zwischen dem Geistlichen und dem vaterlos aufgewachsenen Jungen? War Heimerans Tod womöglich gar kein Selbstmord?
Widerstrebend nimmt Anton Schwarz Ermittlungen auf und gerät in einen Sumpf aus Machtmissbrauch, sexueller Gewalt und Vertuschung, der ihn an seine persönlichen Grenzen bringt. Er vermutet ziemlich schnell, dass der Pfarrer ermordet wurde, dass Homosexualität und Pädophilie eine wichtige Rolle spielen und Hans Perfall, ein Ex-LKA-Beamter, der jetzt für das Erzbischöfliche Ordinariat als Ermittler arbeitet, ist ihm auch nicht geheuer. Der Pfarrer Heimeran war schwul, dieser Verdacht kommt Anton Schwarz ganz schnell, doch ist er auch pädophil? Hat er sich seines Zöglings Matthias auf diese Weise angenommen, ihn verführt? Und was hat der ebenfalls schwule Pastoralreferent Weber mit der ganzen Situation zu tun? Sehr bald verschieben sich die Rollen, vermeintliche Täter werden ganz schnell erkennbar zu Opfern in einer Geschichte, die sehr viel tragischere Hintergründe hat…
Ein aufwühlender Blick ins Innere der katholischen Kirche, von einem Autor, der weiß, wovon er schreibt.
Der Autor Peter Probst geht mit seinen Figuren und den aufgeworfenen Themen sehr sensibel um. Nicht nur, dass er offensichtlich gut recherchiert und mit vielen Betroffenen geredet hat, er schafft es immer wieder die Kontrolle über den Stoff zu behalten. Kein leichtes Unterfangen, wenn man die Vermischung verschiedener Problematiken bedenkt. Da ist Homosexualität in der Kirche einerseits, Pädophilie und sexuelle Gewalterfahrung in einer Machthierarchie-Konstellation andererseits. Gerne wird dies ja in einen Topf geworfen. Da kann sich Peter Probst sehr gut abgrenzen. Seine Kriminalromane sind gesellschaftskritisch und brechen stets eine Lanze für mehr Zivilcourage. Seine Figuren sind charakterstark, mutig und man schließt sie sofort in sein Herz.
Im Namen des Kreuzes von Peter Probst ist ein sehr spannender Roman über ein ebenso aktuelles wie hochsensibles Thema, welches im März 2012 beim Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist.
Hg
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