Kennen Sie das? Eigentlich interessiert Sie das nicht, aber jeder spricht drüber und deswegen müssen Sie es auch haben. Dummerweise gibt es das aber noch gar nicht, worüber jeder spricht.
Wenn das passiert, hat die Public Relation Abteilung wieder ganze Arbeit geleistet. Aktuell ist das der Fall bei Thilo Sarrazin.
Es ist sicherlich nicht das erste eurokritische Buch und in der Stadtbibliothek findet sich ausreichend Literatur zum Euro, auch kritische. Aber der Mann saß mal in der Bundesbankspitze und könnte Ahnung haben…
Lektorieren kann man das Buch jedoch nicht. Es gibt ein Verbot der Rezension vor der Erscheinung durch den Verlag DVA. Aber die politischen Wochenblätter Stern und Focus reservieren vorab schon mal die Titelseite und Talkshowmoderatoren widmen beste Sendezeiten, obwohl nur ein paar “Medienverteiler” den Inhalt kennen.
Die Startauflage von 345.000 Exemplaren ist für ein Sachbuch gigantisch. Und immerhin hat genau dieser Autor die Buchhändler schon einmal jubeln lassen, als eine Millionenauflage im Jahre 2010 vom Stapel lief. Das Erstlingswerk ging so gut, dass man im Jahr 2011 im Sachbuchbereich von einer “Sarrazindelle” (buchreport) durch einen fehlenden Nachfolger sprach.
Die öffentlichen Bibliotheken, die natürlich ihre Kundennachfragen befriedigen, sind das letzte Rädchen im Getriebe und kaufen dieses Buch – obwohl es inhaltlich unnötig wäre.
Ein guter Artikel dazu erschien im Blog Carta: http://carta.info/43839/der-stern-sarrazin-oder-biedermann-und-die-brandstifter/
Die Netzgemeinde kennt dafür ein Wort: “Shitstorm” – in kurzer Zeit wird eine betreffende Person von überall mit E-mails bombardiert. Einen PR gelenkten Shitstorm über die Meinungsmedien, ist der einzelne Bibliothekar genauso machtlos.
Andererseits freut sich die hiesige Bibliotheksstatistik, wenn unsere sechs Erstling – Exemplare von Herrn S. knapp 100 Ausleihen erzielen – der Umsatz in der Signatur “Gesch” steigt dadurch.
Mit einem lachenden und weinenden Auge werden wir wohl auch dieses Buch anschaffen, wenn es sein muss auch mehr als einmal und das jeweilige Budget belasten.
Der Schreiber dieser Zeilen muss natürlich auch eine Empfehlung abgeben. Da wäre erstens:

und zweitens in Hinblick auf die PR-Maschinerie:

Bin ich damit nicht in Wahrheit auch auf die PR-Aktionen des Verlages und Herrn Sarrazin hereingefallen, wenn es einen Blogartikel gibt?
Nein, denn dieser Artikel handelt nicht über das neue Buch, das ich auch zu diesem Zeitpunkt, mangels nicht vorhandenem Werk, vor Erscheinung gar nicht empfehlen kann. Aber ich nehme es zum Anlaß mal wieder darauf zu verweisen, wie manipulativ eine Masse behandelt werden kann. (ScG)