Natürlich haben wir uns sehr über die Nachricht gefreut, als uns die Bibliotheksgesellschaft einen Sponsoren für die neuen E-Reader präsentieren konnte. Schnell einigte man sich darauf, dass die Geräte über eine Hintergrundbeleuchtung verfügen sollten. Der Tolino war gerade als Kampfansage an Amazon gestartet und die Werbeoffensive erreichte sogar mich, der sonst kaum TV-Werbung mitbekommt.
So war schnell klar, wir kaufen den Tolino Shine, ein Südtiroler Kollege stellte dann auch die richtige Bezeichnung für die Mehrzahl zur Verfügung: “Tolini”
Das Gerät ist bei fünf unterschiedlichen Anbietern in einem Konsortium zu kaufen. Je nach Kaufort ändert sich dann auch der im integrierten Gerät angebotene Shop. Mit Rücksicht auf die Buchhändler in Salzgitter, die allesamt keiner dieser Konsortien angehören wollten wir bei der Telekom kaufen. Doch so einfach wollte man es mir nicht machen. So einfach etwas kaufen! Bei der Telekom! Ja, wo kommen wir denn dahin?? Es entstand folgende Einkaufstortour:
1. Besuch eines örtlichen Telekomgeschäftes
“Haben Sie den Tolino da?” Verkäufer verschwindet kurz nach hinten und präsentiert mir nach kurzer Zeit ein Gerät. “Ich bräuchte etwas mehr, genau genommen 16 Stück.” Der Verkäufer etwas ratlos “Das geht nicht!”. Ein Kollege eilt zu Hilfe: “Wir bekommen immer nur ein Gerät. Wenn das verkauft ist, ordert die Logistik automatisch eines nach.” Na gut, ich will die ja nicht sofort:”Können Sie mir dann nicht gesondert die 16 Stück bestellen?” – Die etwas betretenden Gesichter verweisen mich aufs Internet mit dem Hinweis: “Wir haben hier im Shop keinen Einfluss mehr auf die Logistikkette.”
Fazit: Buy local funktioniert heute nicht mehr überall, selbst wenn man will.
2. Besuch der Telekom Homepage
Ich mache es kurz, mehr als zehn Geräte kann man hier nicht bestellen. Nun will ich aber 16 und zwar auf einmal. Ich werde bockig und sehe auch gar nicht mehr ein, gestückelt kaufen zu müssen.
3. Die Hotlines
Also anrufen. Bei der T-Mobil Hotline, über die das Gerät vertrieben wird, fordert eine Automatenstimme zur Eingabe der Handynummer auf, damit gleich an den richtigen Service weiter geleitet werden kann. Äh, mit einem Tolino kann man gar nicht telefonieren und zudem habe ich ja auch noch kein Gerät. Nach mehrmaliger Eingabe von “Nein” und “Sonstige” komme ich am Ende der Organisationskette an. Hier gibt man sich Mühe. Man ruft sogar zurück. Mehrmals. Doch die Bedingungen sind hart:
- schriftliche Bestellung per Fax – ich bekomme sogar eine sonst geheime Faxnummer, die nicht mit 0800 oder so etwas anfängt.
- Kreditkarte – geht gerade wegen technischer Probleme nicht
- man besteht auf Nachnahme, der öffentliche Dienst als Auftraggeber scheint wohl auch nicht mehr so angesehen. Eine Rechnung geht nicht.
Aber immerhin. Man will liefern. Schon nach dem Wochenende. Ich soll das Bargeld für den Paketboten am besten gestern bereit legen. Übrigens, wissen Sie eigentlich wie lange ich kein Faxgerät mehr benutzt habe?
4. Warten
5. Warten
6. Warten
7. Das Geld liegt noch immer im Tresor. Anrufen geht ja nicht. Meine einzige Verbindung bleibt die geheime Faxnummer. So erinnere ich an den Auftrag und faxe zur Sicherheit auch noch das Geld hinterher:

Immerhin, nach nur wenigen Stunden meldet man sich. Lieferprobleme. Nach weiteren Stunden meldet man sich noch einmal. Lieferung ist seit 13 Uhr und dreiundzwanzig Minuten raus. Man wünscht sich noch ein schönes Wochenende.
8. Warten
9. Ein Paketbote mit einem kleinen Paket ist da und will Bargeld. Aber nicht soviel. Nur so dreihundert Euro. Ja…. es wurden ja auch nur drei Geräte geliefert.
10. Ich versuche noch einmal die Hotlines. Nach mehreren “Nein” und “Sonstiges” lande ich wieder am Ende der organisatorischen Nahrungskette und werde erst einmal weiter geleitet zu jemanden, der Homepages technisch supported. Wir unterhalten uns nett, finden, dass wir Beide nichts für diese Verbindung können und legen auf. Der zweite Versuch mit “Nein” und “Sonstiges” ist erfolgreicher. Man versichert mir, das alle Geräte unterwegs sind. “Ehrlich“! Ich glaube, dass es die mindestens dritte eidestattliche Versicherung dieser Art ist. Letztere Versicherung sollte recht behalten.
11. Alles wird gut. Der Bote kommt einen Tag später. Er will auch nicht das ganze Geld, sondern nur für die restlichen Tolini. Die Frühlingsonne lacht und der Bibliothekar singt: “Alle Reader sind schon da, alle Reader, alle…” (ScG)
Nachtrag: Als ich vor wenigen Tagen bei der Telekom eigenen Plattform, Page Place, weitere Geräte freischalten lassen wollte, fragte mich die nette Dame am anderen Ende: “Wie haben Sie es geschafft, so viele Reader zu bekommen? Ich habe hier eine Bibliothek, die ebenfalls ihr Interesse geäußert hat. Wir wissen nur gar nicht, wie man das in Auftrag geben soll……..”
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