Bibliothekar – ein Beruf für Dich! (1955)

Vor einiger Zeit präsentierte ich einen Berufswahlführer aus dem Jahr 1911. Vor einigen Wochen fand ich nun dieses Buch aus dem Jahr 1955:

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Der Anfang des Textes ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich: „Du liest gern? Du möchtest Dich am liebsten das ganze Leben lang mit Büchern beschäftigen und wünscht, daß alle so eifrig lesen wie Du? Du bist ein Arbeiter- und Bauernkind? Willst Du nicht Bibliothekar werden? „

Das Zentralinstitut für Bibliothekswesen brachte 1955 diese Werbebroschüre heraus. Und spätestens hier ist ist klar, daß diese 15-seitige Broschur, die am Ende meint „ein guter Bibliothekar ist ein wirklicher Bibliothekar des Volkes!“ nicht aus der Bundesrepublik stammt, sondern aus der DDR.

In Zeiten, wo das Berufsbild zu den aussterbenden Berufen gezählt wird (http://education.yahoo.net/articles/five_dead_end_jobs.htm), Fr. Passig in „Die Zeit“ launige Artikel über „Die Zukunft des Papierverleihs“ schreibt möchte ich daran erinnern, das sich gerade das bibliothekarische Personal in öffentlichen Bibliotheken eigentlich seit Gründung des Berufsstandes in ihrer Arbeitsweise bedroht sieht. Die Open Access Zeitschrift Libreas wird dazu in Kürze auch ein (Online)heft über vergangene Zukünfte und zukünftige Zukünfte des Bibliothekswesens veröffentlichen und rief in einem Blogbeitrag zu Artikeln auf: http://libreas.wordpress.com/2013/07/01/libreas-call-for-papers-libreas-24-zukunfte/

Doch zurück zu diesem kleinen Heft, dass Geschmack machen will auf den Beruf an allgemeinbildenen Bibliotheken. Und so einige Zitate gelten auch noch heute:

Und was die Kinder betrifft, gerade ihnen gilt die besondere Liebe und Sorge der Bibliothekare. Die Kinder sind unsere eifrigsten und dankbarsten Leser.“

Du darfst nicht denken, daß Bibliothekar nur in ihrer Bibliothek „hocken“ – das war einmal.

Die Bibliothekare haben die große Aufgabe, mit Hilfe der Literatur an der Erziehung und Entwicklung allseitig gebildeter Menschen mit fortschrittlichem Bewußtsein mitzuwirken, ...“

Interessant an dieser Broschüre ist, dass mehrmals darauf hingewiesen wird, dass die Arbeit des Bibliothekars einem ganz wichtigem Zweck dient, nämlich: „Sie dient dem letzten großen Ziel der Erhaltung des Friedens und der Wiedervereinigung Deutschlands.“ Aha! Wenn also mal wieder jemand fragt, wer für die Einheit Deutschlands verantwortlich war: Wir waren es, die Bibliothekare. Am Weltfrieden arbeiten wir noch. 😉

ScG – Gerald Schleiwies

Eine Antwort zu “Bibliothekar – ein Beruf für Dich! (1955)

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