Faire Bücher – gibt es das? Und sind die auch Bio?

Unzählige Bücher landen täglich auf meinem Tisch. Ich wähle sie aus, kaufe sie und die Kollegen bereiten alles vor, damit man kurz danach schon entleihfertig mit nach Hause nehmen kann. Eine gute Sache und auf den ersten Blick auch ökonomisch und ökologisch, das Papier wird nur einmal gedruckt und mehrmals benutzt. Die Bücher aus der Bibliothek gehören allen – jeder kann Sie nutzen.

Der Verlag verdient daran zwar nur einmal, der Autor bekommt über die VG Wort zudem als Entschädigung Bibliothekstantieme. So weit so gut und wir können mit ruhigem gewissen arbeiten. Die feste Buchpreisbindung gibt den Anschein vor, das alle Beteiligten (Buchhandel, Verlag und Autor) gerecht entlohnt werden und alle ihr Einkommen am Buch haben. Doch ist das wirklich so?

Ein Teil der Bevölkerung schaut seit langem genauer hin. Transfair ist eine Marke mit stets wachsendem Umsatz. Fair gehandelter Kaffee und fair entlohnte Schokolade gibt es bereits in fast jedem Supermarkt. Ob ich den Imker vor Ort oder in Mexiko unterstütze ist dann schon eher eine Frage des ökologischen Fußabdruckes – kaufen kann ich guten Gewissens Beides.

Der Weltladen (z.B. in Wolfenbüttel) bietet viele weitere Produkte, wo die gesamte Herstellungskette im Focus steht. Zuletzt machte das Fairphone von sich reden; das erste Handy, wo auf faire Herstellung wert gelegt wird. Spannenderweise stellen wir uns diese Frage bei Essen und Kleidung, nicht jedoch bei Autos und Büchern. Liegt der Unterschied wirklich daran, dass die Meinung vorherrscht, unfair ist es vor allem in der sogenannte dritten Welt? Zudem gibt es immer wieder Berichte, das unter „Fair“ jeder etwas anderes versteht, wie dieser Zeit-Artikel vom August 2014 suggeriert.

So habe ich mir die Frage gestellt: Wurde das Buch vor mir eigentlich fair produziert? Ist es gar ökologisch?

Die ersten Treffer im Netz preisen Bücher zum Thema fairer Handel an. Dann gibt es auch faire Shoppingportale, die einen Teil ihres Gewinnes spenden. In Zeiten des offenen Konkurenzkampfes zwischen Verlagen, Autoren und Amazon ist auch die Frage nach gerechten und tarifierten Mindeslöhnen im Fokus der Öffentlichkeit. Zahlt der örtliche Buchhandel eigentlich nach Tarif? Sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, oder?

Doch zurück zum Buch. Sehr häufig steht auf den ersten Seiten etwas wie „hergestellt aus chlorfrei gebleichtem Zellstoff“ und/oder „gedruckt auf säurefreiem Papier“. Einige Verlage verwenden das FSC Siegel, das Papier aus verantwortungsvollen Quellen garantiert. Das sieht doch schon ganz gut aus.

Und bei E-Book Readern? Gibt es da eine faire Produktion? Nicht zuletzt gelten die meisten Selbstpublisher eher zur Gruppe der Selbstausbeuter – leben können davon nur die wenigsten. Und wie diese Literatur dann aussieht, darüber konnte man im österreichen Standard lesen: http://derstandard.at/2000008134727/Bestseller-20. Ob jedoch die Hardware einigermassen fair produziert wird, darüber konnte ich keine aktuelle Aussage finden – fast alle Geräte kommen, wie die Handys auch, aus China. Ob Reader wenigstens ökologisch sind, darüber kann man sich hier informieren: http://www.ecotopten.de/computer-buero/e-book-reader/tipps-fuer-e-book-reader

Das Fazit ist dann wohl eher eine Sichtweise. Bei Papierbüchern achtet man auf den entsprechenden Rohstoff, die Buchpreisbindung soll für Fairness sorgen (auch wenn hier etwas anderes steht: http://kleinfairlage.de/) und in diesen Shops kann man dann auch seinen Internetbuchkauf gegenüber dem lokalen Buchhandler beruhigen: http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/servicezeit/sendungen/fairesonlineshopping100.html. Oder man geht weiterhin treu in einer der drei Stadtbibliotheken…

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

 

 

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