Ja, wo lesen Sie denn

„Ja, wo laufen Sie denn?“ – das kann der Loriot-Fan gut beantworten. Die Buchbranche fragt sich aber immer häufiger: „Ja, wo lesen Sie denn.“ – Die Buchverkäufe sind nach diesem Weihnachtsgeschäft etwas niedriger ausgefallen und das E-Book fängt die sinkenden Auflagen beim Papierbuch nicht auf. In der Ausgabe 50/14 widmete „Der Spiegel“ dem Thema „Lesen“ sogar eine Titelseite:

Spiegelhttps://magazin.spiegel.de/digital/?utm_source=spon&utm_campaign=inhaltsverzeichnis#SP/2014/50/130754215

Mir reicht dabei eine Selbstbeobachtung. Morgens auf dem iPad die regionale Tageszeitung, abends beim Fernsehen schnell noch etwas „googeln“, was einem gerade durch den Kopf geht; die E-Mails abarbeiten und schnell ein paar neue Mails zurückschreiben, das empfohlene Dokument schnell auf den E-Book Reader ziehen und die Twitter-Timeline nach neuen Infos durchsuchen und durch die noch offenen Presseartikel ein paar Retweets aufarbeiten.

Und gleich daneben liegt es. Das Buch. Das liegt da schon etwas länger. Aber vor lauter Lesen der vielen kleinen Schnipsel kommt das große Werk mal wieder nicht zum Zug.

Am 30.10.14 berichtete der Mirror Online , dass das durchschnittliche britische Smartphone täglich 1 Stunde und 52 Minuten genutzt wird. In den Top 10 der genutzten Funktionen steht das Telefonieren jedoch nur noch auf dem sechsten Platz! E-Mails und Textnachrichten Lesen und im Internet surfen liegen schon mal davor. Es wird gelesen, nur halt weniger im Buch. Und diese Zeit fehlt halt. Damit braucht man auch weniger Nachschub und das merkt auch mein örtlicher Buchhändler.

Könnte sich das ändern? Bei mir ja, das liegt an der Bezahlschranke der Verlagshäuser. Aktuell setzen schon 102 von gesamthaft 355 Zeitungen (329 Tageszeitungen, 20 Wochenzeitungen und 6 Sonntagszeitungen) in Deutschland auf Paid Content (Quelle: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)). Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Anzahl der Zeitungen von 40 auf nun 102 erhöht. (Quelle: http://www.bdzv.de/aktuell/pressemitteilungen/artikel/detail/paid_content_bdzv_listet_hundert_zeitungstitel_mit_online_bezahlmodellen/) – je weniger also auf freie Quellen verlinkt werden kann, desto eher hat das Buch neben mir wieder eine Chance endlich gelesen zu werden. Obwohl, da war doch noch dieser Blogbeitrag zu schreiben und wo waren noch mal die Links zu den Daten, ach das schau ich doch schnell noch einmal nach…

ScG – Gerald Schleiwies

 

Eine Antwort zu “Ja, wo lesen Sie denn

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