Was für einen „Schund“ liest denn Du da wieder ?

„Schundliteratur“, das war über Jahrzehnte eine Abgrenzung zwischen „Volksbücherei“ und „Leihbücherei“. Die privat finanzierten Leihbüchereien hatten oft Groschenromane und andere seichte Literatur im Angebot. Die Volksbüchereien, entstanden aus der bürgerlichen Volksbildungsbewegung, versuchten hier eine ihrer Abgrenzungen.

So habe ich dazu folgende anschauliche Grafik der Stadtbibliothek Flensburg gefunden:

2015_02_11_07_58_580001-Ausschnitt(Graphik: Franz Schriewer in: Vodosek, Peter: Öffentliche Bibliotheken und kommerzielle Leihbibliotheken)

Dieses Problem war übrigens deutschsprachig, denn auch in der Schweiz erschienen Beiträge, wie:

Das Problem der Schundliteratur : Vortr. / Ernst Martin
Bern : Schweizerische Volksbibliothek, 1957 ; 28 S.
Aus: Schweizerische Lehrerzeitung. Jg. 102. 1957, Nr 9
sfr 1.-

Die Bibliotheken haben dieses Kapitel vor einigen Jahrzehnten scheinbar ad acta gelegt und wissenschaftlich abgearbeitet:

Der Kampf gegen Schmutz und Schund : Die Reaktion der Gebildeten auf die Unterhaltungsindustrie / Georg Jäger
Archiv für Geschichte des Buchwesens, 1988, Nr. 31: 163-191; 1988

und

Schmutz und Schund : die Auseinandersetzung um die Massenkultur im deutschen Kaiserreich 1871 – 1918 / Kaspar Maase
Humboldt-Spektrum. – Berlin Jg. 4 (1997), H. 3, 1997: 48-54; 1997

Doch immer wieder flammt die Debatte auf. Auch wenn nur noch vereinzelt um „Shades of Grey“ gerungen wurde, der erotische Roman ist heute fester Bestandteil eines öffentlichen Bibliotheksbestandes. Doch es gibt noch immer Literatur, die wir nicht im Bestand haben. Bei den Zeitschriften fehlt die „Yellow Press“, die Regenbogenpresse genauso wie Deutschlands meistgelesenes Boulevardblättchen. Bei der Unterhaltungsliteratur wird der Nutzer einer öffentlichen Bibliothek nur im Flohmarkt auf Heftromane stoßen. Die Ausnahme bestätigt die Regel, Perry Rhodan schaffte es mit seiner silbernen Jubiläumsausgabe in Buchform dann doch in viele Bestände. Doch Arztromane und Heimatgeschichten in Heftform, ein Ausleihrenner früherer Leihbibliotheken, finden sich nicht im Bestand der Stadtbibliotheken.

Wer jedoch lange genug durchhält, dem wird auch Ehre zuteil. Der Spiegel veröffentlichte vor kurzem ein Interview mit Helmut Rellergerd. Helmut, wer? Helmut Rellergerd hat bald 2.000 Heftromane geschrieben. Die Auflage geht gesamt in die Millionen, es gab (schlechte) Fernsehverfilmungen und (sehr gute) Hörspiele seiner Hauptfigur. Ach so, Herr Rellergerd benutzt ein Pseudonym: Jason Dark.

Das lesenswerte Interview  findet man hier

Der Gruseljäger John Sinclair dürfte aufgrund seines Ursprungs wohl kaum in der Stadtbibliothek Salzgitter zu finden sein. Doch ein Buchgeschenk hat es geschafft. Die Hefte 321 – 328 sind in Buchform in unseren Gruselbestand aufgenommen worden. Die 17 Ausleihen seit 2010 werden uns nun aber nicht verleiten die Heftreihe zu abonnieren.

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ScG – Gerald Schleiwies

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