„Ich bin so was von im Arsch“ – Ein Sci-Fi (Männer) Literaturtipp

Nein, so einen Satz bloggt man doch eigentlich nicht. Aber interessant ist der Satz schon, oder? Besonders, wenn es der erste des Buches ist. Zudem ist das Buch das Debüt des Autors Andy Weir. Weir stellt die „Was wäre wenn“-Frage der Science Fiction-Literatur und lässt seinen Protagonisten Mark Watney als verletzt, aber überlebend auf dem Mars zurück. Das restliche Team musste vor einem Sandsturm fliehen und die Operation vorzeitig abbrechen. Beim Rückweg zur Raumkapsel passiert das Unglück. Ein Metallteil trifft Watney und schleudert ihn von der Gruppe weg – eine Suche ist erfolglos. Man hält ihn für tot.

Doch wie macht man sich bemerkbar, wenn man so allein auf dem Mars und der Funkkontakt mit dem Sandsturm ebenfalls fortgegangen ist? So ist der erste Satz im Buch beinah schon verständlich: “Logbuch: Sol 6. Ich bin so was von im Arsch.”

Der Marsianer von Andy Weir

Die Operation „Hermes 3“ war für 6 Personen auf 31 Tage angelegt. Die nächste Marsmission „Hermes 4“ kommt erst in 1,5 Jahren ungefähr 3.200 km vom jetzigen Missionspunkt entfernt. Doch Watney ist der Biologe und Ingenieur des Teams gewesen. Seine Ideen und Strategien helfen ihm beim Plan zu überleben. Und bei der NASA entdeckt man per Zufall, das der Totgeglaubte noch lebt – kann es ihm aber nicht mitteilen. So beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Weir hat hier einen fulminanten Erstling hingelegt, dessen Geschichte selbst ebenfalls interessant ist. Der Hobbyprogrammierer beschäftigt sich in seiner Freizeit gern mit Physik, der bemannten Raumfahrt und der Mechanik. In Teilen lud er diese Geschichte kostenlos auf seine private Website. Technische Probleme zwangen Weir dann das gesamte Werk als ePub für 0,99 Cent bei amazon.com hochzuladen. Geld zu verdienen war scheinbar nicht die Absicht von Andy Weir, er wollte anhand der technischen Möglichkeiten eine möglichst realistische Überlebensstory erzählen. Schnell war das Buch ein elektronischer Bestseller und so wurde auch ein Verlag auf ihn aufmerksam. Frühere Verlagsbemühen scheiterten, der Erfolg kam durchs E-Book. Heute ist die Geschichte in 20 Sprachen übersetzt und eine Hollywoodverfilmung ist für Herbst anvisiert. Gravity lässt grüßen.

Die Geschichte an sich ist auch wirklich reif für Hollywood. In einer sehr bildhaften Sprache vergeht sich Weir in der Aufarbeitung diverser technischer Probleme und biologischer Strategien. Ein wenig fühlte ich mich an Frank Schätzings „Der Schwarm“ erinnert, der seine Geschichte ebenfalls auf den wissenschaftlich möglichen Gegebenheiten fußte und diese auch im Roman erklärte. Das kann den technisch nicht so interessierten Leser an manchen Stellen ermüden, macht den Überlebenskampf jedoch absolut glaubhaft.

Seine Selbstgespräche protokolliert Weir in seinem Logbuch, das neben dem technischen Part einen weiteren Teil der Geschichte darstellt. Und was macht so ein Mann allein auf dem Mars? Auf Anstand und Etikette braucht er keine Rücksicht nehmen und der zum Teil derb humorige Erzählstil des Ingenieurs Watney ist vielfach zum Lachen – ein Mann mit sich und seinem Galgenhumor. Der dritte Erzählstrang beschäftigt sich mit dem Rettungsversuch der NASA auf der Erde. Die bürotechnokratische Raumfahrtbehörde ist enorm spitzfindig in technsichen Lösungen und aufgrund der Materie natürlich immer auf große Sicherhheit bedacht. Denn wenn etwas nicht klappt, muss ja auch jemand dafür den Kopf hinhalten. Aber der Mann muß gerettet werden, denn die Welt hat zwischenzeitlich mitbekommen, dass auf dem Mars ein Überlebender zurückgeblieben ist.

Fazit: Der Roman ist sicher kein sprachlicher Genuss und auch das Ende ist schnell absehbar. Doch der Erzählstil des Marsianer Watney und die grandios bildhafte Beschreibung von Andy Weir ließen mein Kopfkino laufen. Kein Wunder, dass dieser Stoff nun durch Ridley Scott verfilmt wird. Ein wunderbares Debüt für das Genre Science Fiction, das gerade etwas im Schatten der Nachfrage steht.

ScG – Gerald Schleiwies

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