Noch´n Gedicht

Nein, nun kommt nicht Heinz Ehrhardt!

Anfang des Jahres schenkte uns eine Kundin in Bad diesen literarischen Kalender:

KALENDER-Mit-deutschen-Gedichten-durch-das-Jahr-2015Wochen und Monate waren bereits ins Jahr gegangen, doch noch immer stand dieser Kalender brav unangetastet und originalverschweißt an der Info in Bad. Im April habe ich mir ein Herz gefasst, den Kalender ausgepackt und an einem lyrischen Abend mit Freunden herumgereicht. Wir mussten ja einige Monate aufholen. Und noch´n Gedicht…

Und nun ist es Zeit, sich bei der anonymen Spenderin zu bedanken (sie hatte den Kalender doppelt). Am besten in Form eines Gedichts aus den Kalenderblättern:

Astronomie

Von den Sternen will ich lernen,

Die am Winterhimmel stehn,

Die im Nahen und im fernen

Friedlich umeinander gehn;

Wie sie kommen, wie sie kreisen.

Nie gtrennt und nie vereint,

Wie ihr Weg in festen Gleisen

Ewig vorgezeichnet scheint.

Franz Dingelstedt (1814 – 1881)

An solch eine tägliche Portion Lyrik kann man sich schnell gewöhnen – auch wenn nicht jeder Vers direkt anspricht. Doch umso mehr freut es mich, wenn es erinnert oder trifft:

Wir bleiben alle Kinder

Und wird die Welt auch noch so alt,

der Mensch, er bleibt ein Kind!

Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt,

wie eben Kinder sind!

Wann alles erst in klein zerstückt

und nichts mehr zu verderben,

so sucht er wieder – neu beglückt –

und spielt dann mit den Scherben!

Carl Spitzweg (1808 – 1885)

Und aller guten Dinge sind bekanntlich drei:

Der weise Schopenhauer spricht-

und gern betret´ich seine Spur:

„Ein jedes Menschangesicht

ist ein Gedanke der Natur.“

Es folgt daraus das eine nur,

wenn man dem Worte Glauben schenkt,

Dass auch die ewige Natur

mehr Dummes als Gescheites denkt.

Oskar Blumenthal (1852 – 1917)

Vielleicht sind aller guten Dinge auch vier, jedenfalls mit diesem Gedicht:

Rechthaber

Seine Meinung ist die rechte,

Wenn er spricht, müsst ihr verstummen,

Sonst erklärt er euch für Schlechte

Oder nennt euch gar die Dummen.

Leider sind dergleichen Strolche

keine seltene Erscheinung.

Wer nicht taub, der meidet solche

Ritter von der eignen Meinung.

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Bei so schönen Versen bleibt mir nur noch einmal der Dank – die Bibliotheksleitung wird nun jeden Morgen mit einem literarischen Kleinod im Büro an das erinnert, was alles vor der Bürotür so wichtiges steht: gute Literatur.

ScG – Gerald Schleiwies

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