Warum BibliotheksWesen im Urlaub Bibliotheken besuchen

Urlaub!

Endlich mal abschalten!

„Handy aus!“ oder „Vom Luxus nicht erreichbar zu sein.“ titelten viele Zeitungen die letzten Wochen. Urlaub ist Urlaub, da soll man nicht an die Arbeit denken.

Doch die sozialen Medien zeigen eine ganz andere Seite. Besonders das BibliotheksWesen, also die kleinstmögliche Einheit die Gesamtheit aller in einer Bibliothek Beschäftigten, ist stark von Rückfällen bedroht. Es reicht zumeist im Urlaub auf eine Bibliothek zu stoßen. Dann ist es vorbei mit abschalten.

Eine Kollegin aus Schleswig-Holstein verirrt sich in Österreich rein zufällig in die Stiftbibliothek des Kloster Admont, ein anderer Kollege bewundert in Dänemark die Kinderwagenparkplätze der Öffentlichen Bibliothek und in den Blogs der KollegInnen finden sich weitere Berichte wie man im Urlaub wie selbstverständlich erst einmal andere Bibliotheken besichtigt. Ein Düsseldorfer Kollege bezeichnet sich gar als „Bibliothekstourist“.

Tja, ich bin kein bisschen besser. Neulich am Ende der (Eisenbahn)welt im norwegischen Narvik, weit nördlich des Polarkreises, war es wieder soweit. Der Zug blieb mit Oberleitungsschaden bereits vor der Einfahrt in den Bahnhof hängen. Verspätung mindestens drei Stunden. Also die Zeit nutzen mal durch die 18.000 Einwohner große Stadt zu gehen. Das dauert nicht lange. Es gibt zwei kleine Shoppingcenter und eine Hauptstraße. Mit Bibliothek !

WP_20150720_001Also schnell hinein und mal gucken. Leider fiel ich gleich etwas unangenehm auf mit einem 12 Kilo Rucksack auf dem Rücken zwischen engen Regalen. Aber nach einem kurzen Outing als BibliotheksWesen kamen wir kurz und sehr fröhlich ins Gespräch. Zum Beispiel über die Sommeröffnungszeiten.

WP_20150720_002 Im Sommer, der nur kurz und extrem lange hell ist hat man anderes zu tun als in die Bibliothek zu gehen. Die Winteröffnungszeiten sind dafür umso länger. Seine Medien kann man aber jederzeit hier zurückgeben:

WP_20150720_003Ja, das wünsche ich mir für Salzgitter auch schon seit längerem. Aber man braucht ja auch noch Ziele. 😉

Irgendwann fuhr der Zug dann doch. 1.600 km mit dem Nachtzug nach Stockholm. Zudem kam er trotz der Anfangsverspätung pünktlich an. Was also machen mit den 7 Stunden Puffer in Stockholm? Die Gamlastan, die Altstadt von Stockholm, überlaufen von deutschen und japanischen Touristengruppen? Shopping in der Drogninggatan, der Haupteinkaufsstraße? Och, nee.

Aber eine Bibliothek könnte man doch besuchen. Einfach die Drogninggatan bis zum Ende hochlaufen, um den Sternwartenberg herum und schon erwartet einen ein bibliothekstouristisches Highlight – die zentrale Stadtbibliothek Stockholm.

WP_20150721_008Oh, ich war nicht der einzige Fototourist in dem Architekturwerk von Gunnar Asplund.

Auch im zweiten Gang zeigte sich die Poesie des Gebäudes und die Verschmelzung mit dem Bestand.

WP_20150721_005Übrigens, ähnlich wie in Norwegen läuft auch in Schweden im Juli nicht viel. Die Stockholmer Einwohner überlassen den Touristen gern ihre Stadt und befinden sich ansonsten auf dem Land oder im Schärengarten im Urlaub. Die Öffnungszeiten sind entsprechend angepasst und es war nur wenig los:

WP_20150721_004Völlig verweist war die Kinderbibliothek. Wie der Kollege schon in Dänemark beobachtet hat, gibt es scheinbar überall Kinderwagenparkplätze – die Idee hatte ich in Salzgitter Bad zwar auch, dort steht aber nun ein Rollator…

WP_20150721_009In Schwedisch und Englisch liegen zudem Flyer aus über die architektonische Idee des Hauses. Sie lässt sich auch in der Wikipedia in Deutsch nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbibliothek_Stockholm

Und dann war da ja noch die eine kleine Idee, die es demnächst auch bei uns geben könnte:

IMG_20150806_140108 IMG_20150806_140230Die praktische „Frag Deine Bibliothek“- Karte für die Hosentasche. Leider war da noch so vieles andere interessant. Das WLan ist kostenlos, aber die Toilette kostet 5 Kronen (ca. 0,50 Cent) – in Deutschland ist es eher andersherum. Und in der internationalen Bibliothek nebenan konnte ich in „Die Zeit“ lesen, das man doch einfach mal nicht erreichbar sein sollte.

Das ist gar nicht so einfach in einem Land wo ich das Auslandsdatenflatpaket meines Anbieters vor dauerndem kostenlosem WLan nicht mal buchen konnte. Doch in Schweden gibt es auch die Orte ohne Handy, WLan und Internet – dafür mit Berglemmingen, Rentieren und Elchen. Aber das, das ist eine ganz andere Geschichte.

Doch warum besuchen BibliothekWesen im Urlaub denn nun andere Bibliotheken? Bildungsurlaub gibt es dafür nicht. Nein, aber es macht einfach unglaublich viel Spaß und man entdeckt immer etwas Neues.

ScG – Gerald Schleiwies

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