Öffentliche Bibliotheken in Schwedisch Lappland

Salzgitter hat fast 224 km² und um die 100.000 Einwohner. Das sind etwa 440 Einwohner pro km². Eine der öffentlichen Bibliotheken ist da nicht weit.

Aber wie sieht Bibliotheksarbeit bei 105.000 km² Fläche und 250.000 Einwohner aus? Das sind nur 2 Einwohner pro km².

Für die Antwort müssen wir kurz in den Norden. Ja, ganz weit in den Norden, nach „Norrbottens län“, der nördlichsten Provinz Schwedens. 14 Gemeinden gibt es in dem Gebiet, was wir zumeist unter Lappland kennen. Allein die Gemeinde Kiruna mit ihren 23.200 Einwohner ist nur wenig kleiner als Hessen – das ist mehr als 7 mal das Saarland um es in deutschen Vergleichswerten zu umschreiben. Zudem tummeln sich die Einwohner in wenigen größeren Orten, wobei die größte Stadt Luleå gerade so viele Einwohner wie Lebenstedt hat.

Um es kurz zu machen: Die Bibliotheksseite für die Provinz Norrbotton (https://www.bibblo.se/library) listet 46 Bibliotheken und Bücherbusse auf, die sich auf dieser Seite auch mit einer gemeinsamen E-Buch Ausleihe  mit über 5.850 Titeln präsentieren. Ein weiterer Blick lohnt auf die eigene Kinderseite „Polarbibblo“ – die es jedoch nur auf Schwedisch gibt. Auf gut 5.400 Einwohner kommt statistisch eine Bibliothek. In Deutschland wäre eine solche Bibliothek für diese Einwohnerzahl zumeist ehrenamtlich geführt, wenn es denn überhaupt eine gäbe. Schauen wir uns doch mal so eine durchschnittliche Bibliothek an. Ziemlich nah am Durchschnitt ist die Gemeinde Jokkmokk (ca. 5.100 Einwohner) – zugleich indirekt die „Hauptstadt“ der samischen Bevölkerung. Jokkmokk ist von der Fläche her übrigens etwas kleiner als Sachsen (das ist etwas weniger als 7 mal das Saarland) – der Ort selbst hat nur gut 2.800 Einwohner.

Eine erste Information gibt es hier:

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Man ist also barrierefrei incl. Behindertentoilette, kann Gebärdensprache, hat Daisy-Hörbücher für Blinde im Bestand und bietet aktuell 15 Öffnungsstunden in der Woche an. Zuständig ist „Bibliotekschef“ Kristina Holmgren. Ein paar Bilder finden sich hier. Und das ist nicht die einzige Bibliothek des Ortes, denn das Samenmuseum hat ebenfalls noch eine eigene Bibliothek.

Eine Einwohnerin Jokkmokks ist übrigens die Deutsche Hiltrud Baier, die Lappland-Krimis unter dem Pseudonym „Klara Nordin“ bei Kiepenheuer & Witsch verlegt. Ihr erster Buch „Totenleuchten“ findet sich auch im Bestand der Stadtbibliothek Salzgitter, das nächste Buch erscheint im September 2015. Mehr über die Autorin findet man u.a. in diesem Bericht von Radio Schweden auf Deutsch.

Totenleuchten

Septemberschuld

Jokkmokk hat nicht nur hauptamtliche Bibliotheken, einen bekannten Wintermarkt und eigene Regionalkrimis, sondern liegt zudem am Nationalpark „Laponia“ und verfügt über einige gute Restaurants mit sehr leckeren heimischen Spezialitäten. Da kann man es gut ein paar Tage aushalten.

WP_20150714_013

Womit bewiesen wäre: Jokkmokk (hier der Bahnhof) gibt es wirklich, nicht nur als Möbel von IKEA. In der Nähe liegt auch noch Kvikkjokk…

WP_20150714_018Dieser Zug bremst zwar für Rentiere auf der Strecke, hält am Restaurant „Fjällglimten“ jedoch auch für Rentier-Burger.

ScG – Gerald Schleiwies

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