Statistisches und Nachdenkliches

Der mediale Wandel vollzieht sich seit einiger Zeit mit zunehmender Geschwindigkeit. Da Bibliotheken ihren Wert aus Medien beziehen sind diese besonders stark betroffen. Zudem sind Freunde und Förderer aber auch politische Entscheider zumeist mit etwas zu viel Romantik zum guten Buch behaftet.

Die Bibliothekslandschaft trifft dies gerade sehr hart, denn zumeist hat man mit (steigenden) Ausleihzahlen seine Beliebtheit dargestellt. Doch diese Zahlen sinken nun. Ist die Bibliothek daher nicht mehr so beliebt?

Nein, das nicht – aber das veränderte Nutzungsverhalten braucht andere Maßstäbe. Und wie sich die Realität verändert, kann ich immer wieder aus der Fachpresse entnehmen. Das Sinus Institut Heidelberg veröffentlichte im April 2015 die DIVSI U9-Studie: Kinder in der digitalen Welt. Darin finden sich folgende Erkenntnisse:

Für 55% der 8-jährigen ist das Internet Alltag.

33% der 6-jährigen sind bereits online.

Jeder zehnte 3-jährige „nutzt“ das Internet.

Noch vor 5 Jahren konnte man sich ziemlich sicher sein, das der erste Kontakt mit Medien bei den Kleinsten mit einem Pappbilderbuch begann – nicht mit einem Tablet. Das hat jedoch weitreichende Auswirkungen auf die Arbeit der öffentlichen Bibliothek. Das Buch lernen die Kleinsten meist erst als Zweit- oder Drittmedium kennen. Das Buch als eines von Vielen statt ein Überwiegendes.

Wir Erwachsenen bestätigen übrigens diesen Trend, denn die Zeit die wir mit digitalen Medien verbringen nimmt kontinuierlich zu. Während der US Bürger 2008 täglich 2,7 Stunden mit digitalen Medien verbrachte sind es 2015 bereits 5,6 Stunden. Da bleibt es nicht aus, wenn einige Sachen davon eher nebenbei genutzt werden. Bei den 12 – 24 Jährigen verlassen 87% nicht ihr Haus ohne Smartphone. Und wann haben sie es zuletzt zu Hause gelassen?

Die Stiftung für Zukunftsfragen hat herausgefunden das 6% der Leser auf E-Books zurückgreifen. Beate Kuckertz vom Verlag DotBooks äußerte im Buchreport Express Nr. 36/2015 das ambitionierte Literatur, Sach- und Kinderbücher elektronisch noch nicht laufen. Belletristische Genres wie historische Romane, Kriminal- und Liebesromane laufen dagegen prächtig.

Doch das reicht nicht um den allgemeinen Trend aufzuhalten:

  • 31% greifen mind. einmal pro Woche zum Buch (2013: 35%)
  • 50% lesen mind. einmal im Monat ein Buch (2013: 55%)
  • 33% lesen täglich eine Zeitung oder Zeitschrift (2013: 35%)
  • immerhin 72% lesen in der Woche überhaupt irgendetwas (vorher: 75%)

Welchen Wert hat also die öffentliche Bibliothek im Digitalen Zeitalter? Diese Frage stellten sich auch Bibliothekare im Jornal of Librarienship 47/2015. Doch was nützt deren Fazit, „Bibliotheken sind wie ein grundlegendes Menschenrecht“, wenn es die Menschen nur auf eine Art erreicht. Digitale Informationsstrategien sind noch in den Kinderschuhen und benötigen aktuell viel Vermittlungsaufwand.

Der Autor Christopher Fritzsche stellte in der Jungle World vom 3. September die vielleicht entscheidende Frage, die nicht nur die ZLB betrifft:

Dabei steht auch zur Diskussion, wie sich Bibliotheken positionieren – als Bildungseinrichtungen oder als »Erlebnisorte«?

Die Stadtbibliothek Salzgitter im Fachdienst Bildung hat diese Frage schon entschieden.

ScG – Gerald Schleiwies

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