Statistisches und Nachdenkliches – Regionalausgabe

Die Stadtbibliothek Salzgitter wird als freiwillige Aufgabe der Kommune betrieben. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (Gruß nach Schleswig-Holstein und NRW) sind finanzielle Förderungen außerhalb des eigenen Trägers eher rar. Deswegen ist es umso mehr Aufgabe der Stadtbibliothek zu schauen, für wen wir unsere Arbeit machen. Das öffentliche Bibliotheken nicht alle Bevölkerungsteile erreichen und gutsituierte Bildungsbürger meist von ganz allein kommen ist lässt sich sogar nachweisen. Die im BIX (Bibliotheksindex) „erfolgreichsten“ Bibliotheken liegen fast allesamt in Studentenstädten und Wissensstandorten.

Salzgitter spielt da in einer anderen Liga und das ist nicht negativ gemeint. Die Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen hat in ihrem 6. Bericht wieder vielerlei statistische Daten aufbereitet, die einen interessanten Einblick bieten.

Migration

Bei jedem viertem Kind, welches in Salzgitter 2013 eine Kindertageseinrichtung besucht hat, wurde zu Hause nicht vorrangig Deutsch gesprochen. In 2015 werden diese Zahlen aufgrund der Flüchtlingszahlen wohl zumindest stabil bleiben. Salzgitter ist und bleibt damit eine bunte Stadt in der niedersächsischen Provinz.

Immer wieder höre ich zudem Sätze wie „Salzgitteraner haben kein Geld.“ Das stimmt nur halb. Immerhin hat Salzgitter das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt nach Wolfsburg und Emden, doch auch die Verschuldungsquote ist ein Spitzenplatz – doch da sind wir nicht allein.

Schuldnerquote

Damit verwundert auch die dritte Grafik nicht, der Salzgitteraner ist Armutsgefährdet, das gilt jedoch von Wolfsburg bis Göttingen für die gesamte Region Südostniedersachsen:

Armutsgefährdung

Weiterhin ist der Salzgitteraner recht heiratsfreudig, bekommt gerne Kinder und lässt sich auch überdurchschnittlich oft für einen Niedersachsen wieder scheiden.  Ansonsten zeigt sich der Industriestandort eher typisch:

  • weniger prekäre Jobs als in landwirtschaftlich geprägten Kreisen,
  • sehr hohe Männerbeschäftigung (wie übrigens auch in Wolfsburg und Emden) – Stahl und Auto bilden sich da ab,
  • kurze Bezugszeiten bei SGB II Empfängern gegenüber anderen Regionen

Wie interpretiert nun die Stadtbibliothek solche Zahlen für ihre Aufgaben? Kaufen wir nun mehr Scheidungsratgeber und Bücher über Privatinsolvenz? Das wäre sicher zu kurz gedacht, aber die vielen großen personalintensiven Anstrengungen im Bereich der Leseförderung sehe ich doch als einen wichtigen Beitrag für die Stadt. Ob mit Märchen über Wortstark in den Kindergärten oder die Kennzeichnung der Bücher mit Antolinaufklebern – der Transport von Sprache und Text erhält hier mehr Notwendigkeit als in Standorten mit z.B. hohem Dienstleistungspotenzial. Unsere Bemühungen zeigen sich somit nicht singulär in Ausleihzahlen sondern durch die vielen anderen Aktionen. Da hat die Stadt mehr von als von einem überregionalen Bibliotheksranking.

ScG – Gerald Schleiwies

Eine Antwort zu “Statistisches und Nachdenkliches – Regionalausgabe

  1. Pingback: Die Stadt und ihre Bibliothek – Beitrag zur Münchener Blogparade | Blog der Stadtbibliothek Salzgitter

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