Wenn Bibliothek vom Einzelhandel lernt

Irgendwann vor 20 Jahren schlich sich der Kundenbegriff in die deutsche Bibliothekslandschaft ein. Seither wird eine kontroverse Diskussion darum geführt. Je betriebswirtschaftlicher eine Bibliothek geführt wird umso eher ist man geneigt vom Kunden zu sprechen.

Doch egal wie dieser Endverbraucher nun genannt wird, Bibliotheken schielen gern zu ihren privatwirtschaftlichen Cousins – z.B. dem Buchhandel. Und damit auch in den Einzelhandel. „Platzierung und Präsentation der Medien in Bibliotheken“ heißt ein Buch von Natalie Fischer, an dem ich in einer früheren Bibliothek mal mitgearbeitet habe.

Fischer

Die Auswirkungen gelten auch für Salzgitter und sind zumeist eigentlich allen Beteiligten klar. Die Medien im untersten Regal liefen einfach schlechter als in Sichthöhe. Ausnahmen waren zum Beispiel Bestseller. Damals begannen wir beim Makulieren von Medien das unterste Fach frei zu halten. Die Regale wurden etwas gedreht (wie bei DM), damit man gleich Einblick in die Reihen bekommt. Heute sind die untersten Reihen zumeist frei.

Auch was wo steht und welche Gruppen zusammengehören, sogenannte kognitive Wissenskategorien, werden bei uns beachtet. Sprache und Erdkunde steht deswegen nah beieinander, wie auch Medizin und Psychologie. Der Buchhandel macht dies nicht anders. Doch so richtig konsequent sind wir nicht. Wer ist wirklich erfolgreich im BiG Business. An wem kommt man nicht vorbei? Da wäre zum Beispiel IKEA. Ja, es gibt diese versteckten Notgänge, aber eigentlich ist man verpflichtet den gesamten Laden zu durchlaufen. Am Ende hat man immer was in der Hand. und wer nach einer neuen Couch geschaut hat kommt gern auch mal mit einer neuen Dusche wieder heraus.

Die Stadtbibliotheken in Salzgitter wollen nur von den Besten lernen. Bisher kennt man unseren Bestand so:

5

Ein Bestandaufbau nach IKEA müsste jedoch in etwa so aussehen:

Lageplan        (Bearbeitete Bildquelle aus Grady Hendrix Horrostör)

Natürlich sollten die Waren auch immer mal wieder umgeräumt werden, damit der Kunde das Geschäft immer wieder neu entdecken kann (darf). Deswegen werden nun auch die letzten festen Regale mit Rollen versehen:

Regale_auf_Rollen

Wenn der Kunde sich also sicher ist, das letzte Mal war „Geschichte“ noch oben links, dann können wir das ganz schnell ändern. Halt wie im Einzelhandel auch. Vielleicht bleiben wir doch lieber Bibliothek und weisen unsere Nutzer auf Änderungen hin. Denn in erster Linie wollen wir ja etwas vermitteln und nicht etwas verkaufen.

ScG – Gerald Schleiwies

2 Antworten zu “Wenn Bibliothek vom Einzelhandel lernt

  1. Da kannich doch schon am frühen Morgen lächeln … Die IKEA-Idee ist ja nicht schlecht, manchmal tun mir gerade im Sachbuchbereich spannende Bücher regelrecht leid, weil sie bspw. in einer undankbaren Sachgruppe wohnen und nie beachtet werden. Die Präsentation ist eingeschränkt, wenn das Buch gezielt auffindbar sein soll.
    Was den Kundenbegriff angeht, klingt er immerhin schöner als „Nutzer“.

    • In dem Punkt finde ich das IKEA-Prinzip auch nicht schlecht. Ich selber würde auch so gerne immer tolle themenbezogene Präsentationen machen. Aber da bleibt immer das Auffindproblem und manchmal hat man zu dem einen Thema ja doch nur eine begrenzte Anzahl Bücher. Anders als der Buchhandel, der die dann stapelweise führt. Da wäre so ein IKEA-Leitsystem durch die Bibliothek natürlich richtig praktisch. – Sü

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s