Vom Jodeln und Joiken

Normalerweise ist bei uns ja bereits der Samstag reserviert für einen musikalischen Beitrag. Aber Sonntags hat man ja mehr Zeit und es geht einwenig tiefer!

„Das Jodel-Diplom“ ist wohl jedem ein Begriff. Über das Jodeln an sich hat auch jeder eine eigene Meinung, z.B. lustige Volksmusik, die schnell nerven kann. Das man damit auch die Massen begeistern kann zeigt „Oesch´s die Dritten“:

Im deutschsprachigen Raum wird eben gesehenes mit Jodeln verbunden. Doch der lexikalisch Eintrag geht weiter in der Definition:

Jodeln ist Singen ohne Text auf Lautsilben bei häufigem schnellen Umschlagen zwischen Brust– und Falsettstimme (Registerwechsel).

Damit ist die Kommunikationsform beinah universell in der Menschheit zu finden, z.B. bei den Indigenen oder asiatischen Völkern. Und es heißt auch nicht immer Jodeln. Die nordskandinavischen Sámi „Joiken“. Immer wieder ist es erstaunlich wie popullär es klingt, wenn man traditonelle Musik aufbereitet. Gelungen ist das z.B. Michael Cretu alias Enigma mit dem Song „The Return to Innocence“. Der Anfang ist quasi jodeln, nur halt nicht alpenländisch fröhlich.

Mann kann damit also noch einen Blumentopf gewinnen. In Schweden, der Heimat des Europops von ABBA und Co., kann man damit sogar einen Songcontest für sich entscheiden. 2014 gewann der als Baby aus Kolumbien adoptierte Rentierhirte Jon Henrik Fjällgren „Talang Sverige“, die schwedische Ausgabe von „… got Talent“ (übrigens eingeleitet mit o.g. Song von Enigma):

Wer das Stück ohne großes Bromborium genießen möchte sei dieser Link empfohlen. So traditionell die Samis sich wieder auf ihre Werte besinnen, so modern kommen sie jedoch in ihrer Musik daher. Hörtipps meinerseits sind z.B. Máddji aus Norwegen oder Sofia Jannok, die es während eines unter vier Minuten langes Stücks komplett in eine samische Tracht schafft. Der Song ist dabei für unser mitteleuropäisches Ohr durchaus eingängig:

Wer es klassischer mag, dem sei Nils-Aslak Valkeapää empfohlen. Der bereits verstorbene Sänger eröffnete 1994 mit seinem Gesang die olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer. Ein Vorteil hat der zumeist lautmalerische Gesang. Man braucht sich nicht in die samische Sprache einarbeiten, die mit dem finnisch-ungarischen verwandt ist.

Da dies ja ein bibliothekarischer Blog ist muß ich zudem leider vertrösten, die Stadtbibliothek Salzgitter verfügt leider über eine Musikbibliothek, die sich auch mit diesen Randgruppen beschäftigt. Aber wer weiß, wen die skandinavischen Länder diesmal zum Eurovision Song Sontest im Mai nach Stockholm entsenden, die Sámi sind ja beinah in allen Ländern beheimatet.

ScG – Gerald Schleiwies

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