Mit Joseph Beuys in der Warteschleife

Die Stadtbibliothek Salzgitter arbeitet seit diesem Jahr mit einem neuen Buchhändler zusammen. Zuweilen wird man zwischen den Mitarbeitern verbunden und landet dann in der Warteschleife. Hierbei erklingt jedoch keine Fahrstuhlmusik oder ein nervötendes „Bitte Warte – Please hold the Line“ sondern ein Dialog, der aus „Ja ja ja, Nee nee nee“ besteht.

Man ist am Anfang belustigt, doch das scheint endlos so weiter zu gehen – meist wartet man auch nicht lange und ist schon wieder verbunden.

Irgendwann interessierte mich, woher dieser Dialog kommt und stieß auf: Kunst!

Joseph Beuys wurde inspiriert durch einen Leichenschmaus:

Der Künstler hat das Gebetsmühlenartige und Unhinterfragte eines Totenkaffees 1968 auf verzaubernde und eindringliche Art und Weise zum Ausgangspunkt einer Klangcollage gemacht, die versucht den Irrwitz dieses Verhaltens festzuhalten. Beuys Kollege Stüttgen berichtet über die Entstehung der Collage, dass Beuys am 14.12. 1968 in die Akademie von einer Beerdigung am Niederrhein kam. Beuys erzählte, dass beim Leichenschmaus lauter alte Frauen um den Tisch gesessen hätten und immer den gleichen Wortablauf pausenlos und stundenlang gemurmelt hätten. Der Wortlaut dieser Gespräche ließ sich mit “Ja, ja, ja ja, ja, nee, nee, nee, nee, nee“ wiedergeben.

Und das kann man sich unter anderem hier anhören.

Das ganze Stück dauert übrigens eine Stunde. Solange ist die Warteschleife dann doch noch nie gewesen.

ScG

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2 Antworten zu “Mit Joseph Beuys in der Warteschleife

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