Eine Flut von Büchern und Menschen

Freitag war es soweit, ich war auf der Leipziger Buchmesse. Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Jahr um war. Für mich als Büchermenschen gehört die Leipziger Buchmesse jedes Jahr dazu. Warum Leipzig und nicht Frankfurt? Zum Einen stamme ich selber aus der Region, deswegen war Leipzig einfach immer naheliegend. Außerdem ist die Leipziger Buchmesse kleiner. Was nicht negativ gemeint ist, denn so wirkt sie auch einfach ‚familiärer‘ – die Verlage sind auch dem Publikum einfach näher. Das wurde mir und ehemaligen Buchhandelskollegen schon mehrfach von Verlagsvertretern gesagt. In Frankfurt geht es viel mehr um die Lizenzen, hier in Leipzig steht mehr der Leser im Vordergrund.

Und so gab es dieses Jahr auch wieder sehr viel zu sehen und zu hören. Dennis Scheck stellte seine Buchempfehlungen im ARD Forum vor, viele Autoren, wie Sarah Kuttner, Leon de Winter, Volker Klüpfel und Michael Kobr stellten im Interview sich diversen Fragen und präsentierten ihr neustes Werk.

Kobr Klüpfel

Klüpfel und Kobr, am Samstag nach ihrem Interview über neustes Buch’In der ersten Reihe sieht man Meer‘, verteilten fleißig Autogramme

Dieses mal haben Klüpfel und Kobr keinen Kluftinger geschrieben. Doch es gab gleich die beruhigende Nachricht, der nächste Fall folgt am 30.09. dieses Jahres. Aber auch ihr Roman ist einfach klasse. Die Familie fährt nach Italien: Sohn Alexander mit Frau und zwei pubertierenden Kinder, seine Schwester Niki und seine Eltern. Natürlich artet so etwas in Streit und guten Ratschlägen der Eltern aus. Am Abend vor der Reise nickt Alexander über einem Fotoalbum ein und findet sich prompt in den 80ern wieder. Und er wacht nicht irgendwann auf, nein, es ist der Morgen der Abreise. Es geht an die Adria: er, Niki und die Eltern und die Oma nicht zu vergessen!

Ein grandioser Bericht eines Familienurlaubes, vor Navi, iPod, Smartphone und Co. Und ich verspreche Ihnen, da findet sich jeder an der einen oder anderen Stelle wieder und der Rest ist einfach nur zum Lachen komisch. (P.S. natürlich ist das Buch so bald wie möglich in unserem Romanbestand!)

Dora Heldt

Dora Heldt bei ihrem Interview, am Freitag,  zu ihrem Buch ‚Böse Leute‘

Auch Dora Held konnte man lauschen. Sehr interessant war ihre Arbeitsweise – wobei mir auch sehr sympathisch. Wenn sie sich keinen festen Plan macht, wird alles erst kurz vorher fertig. So was kenne ich… Aber Dora Heldt ist nicht nur Schriftstellerin, sondern reist auch als Verlagsvertreterin für den dtv durch Niedersachsen! Wenn die reisen vorbei sind, liest sie die Manuskripte für die nächste Verlagsvorschau. Dazwischen hat sie immer noch ein paar Tage in einer Buchhandlung gearbeitet. Nach einem Umzug war das nicht mehr möglich – was Nun? Da riet ihr jemand, schreib doch ein Buch und genau das tat sie. Dieses reichte sie unter dem Pseudonym Dora Heldt ein und zum Glück entschied sich dtv für die Veröffentlichung. Wie es weiter geht, wissen sicher viele: erfolgreich. Trotzdem ist sie weiterhin Vertreterin und wenn sie nicht rumreist, dann schreibt sie jetzt Bücher. Ich kann nur sagen: Weiter so 🙂 (Natürlich auch in unserem Krimi-Bestand)

Ganz besonders gefreut habe ich mich beim Diogenes Verlag. Nicht nur wegen der tollen Bücher, die man sich man sich alle anschauen konnte. Auch wegen dieser Überraschungstüte:

Überraschungstüte

Der Knigi-Überraschungsbeutel von Diogenes

Da hat mir eine Verlagsvertreterin extra für die Bibliothek ein paar Bücher rausgesucht. Als sie das sagte, dachte ich an zwei oder drei und freute mich schon sehr. Doch dann kam sie mit diesem Beutel an, acht Leseexemplare sind dort drin. Welche das genau sind, da´heißt es noch etwas Geduld. Ich verspreche ich verrate es hier so schnell wie möglich 😉 Mein Problem war danach nur, ich musste mit dem Beutel noch sechs Stunden rumlaufen. Die Schulter merkt es noch heute. Aber die Bücher sind es wert!

Wer noch nicht auf der Leipziger Buchmesse war, dem empfehle ich unbedingt im nächsten Jahr einen Besuch. Nach Möglichkeit Donnerstag oder Freitag, denn wie ich es gestern wieder am eigenen  Leib erfahren musste, am Wochenende wird irgendwann die Luft knapp. Es sind dann einfach Massen an Menschen unterwegs. Wer nicht anders kann, sollte sich aber auf keinen Fall davon abschrecken lassen. Denn gerade am Wochenende sind auch viele interessante Interviews und Lesungen. Sehr zu empfehlen sind dazu die Veranstaltung ‚Leipzig liest‘. An vielen sehr verschiedenen Orten (Buchhandlungen, Theater aber auch Friedhofskirche) finden Lesungen statt. Will man so viel wie möglich schaffen, muss man auf alle Fälle das Programm sehr genau studieren. Inzwischen lässt sich aber auf der Veranstaltungsseite der Leipziger Buchmesse eine Merkliste anlegen, in der man ganz individuell seine Lieblingsveranstaltungen sich merken kann. Überscheidungen sieht man so ebenfalls etwas leichter.

Neben all den tollen Büchern und Autoren findet in Halle 1 die Manga- und Comiccon statt. Eine direkte Trennung gibt es nicht. Dieses wagte ich mich Freitag auch wieder in diese halle und ich war sehr erstaunt, wie es sich seit früher verändert hat. Es gibt eine Große Bühne für Cosplay (die eigenen Kostüme werden vorgeführt und dann prämiert, z.T. wird dabei auch gesungen oder etwas aufgeführt), man konnte Bogenschießen machen, Das Spiel Go lernen, es gab Plätze für Kartenspiele oder Rollenspiele und dazu jede Menge Verkaufsstände. An denen waren dieses Jahr Kuscheltiere sehr in sowie japanische Süßigkeiten. Auf alle Fälle war alles sehr bunt aber die Manga-Fans hatten ihren Spaß. Was man auch an den vielen aufwendigen Verkleidungen sah. Hier ein kleiner Einblick in diese Welt.

Am Samstag Abend gab es im MDR, live aus dem Bayrischen Bahnhof, die Sendung Buchnacht in Leipzig mit Dennis Scheck. Er sprach mit seinen Gästen Thea Dorn, Frank Günther, Abbas Khider, Michael Köhlmeier, Antje Rávic Strubel und Juli Zeh über ihre aktuellen Arbeiten. Für mich war dabei, wie immer bei Dennis Scheck, faszinierend, wie gut er sich auf dem Literaturmarkt auskennt und wie angenehm seine Interviews sind. Nicht nur für seine Gäste, sondern auch als Zuschauer. Zu sehen ist die Sendung noch in der MDR-Mediathek.

Eine Antwort zu “Eine Flut von Büchern und Menschen

  1. Pingback: Die Knigi-Auflösung | Blog der Stadtbibliothek Salzgitter

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