Alter, ich schwör!

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„Schantalle, kannst Du mal die Omma winken“ oder „Isch geh Schulhof“ waren höchst erfolgreiche Taschenbücher in den letzten Jahren, die sich mit der deutschen Sprache auseinandersetzten. Meist jedoch mit dem Blick des Bildungsbürgers von oben auf eine neue sich entwickelnde Subkultur im unteren sozialen Segment der Gesellschaft. Und was im Titel erst einmal lustig klingt bekommen wir BibliothekarInnen an der Infotheke täglich auf den Tisch serviert.

Doch was passiert da eigentlich mit unserer Sprache. Die Soziolinguistin Diana Marossek hat dies in ihrer Dissertation untersucht und ist über hunderte Berliner Schulhöfe getingelt und hat tausende Interviews geführt.

Die neue deutsche Kurzsprache folgt einer anderen Grammatik. Und natürlich einem anderem Satzaufbau:

Eröffnungsroutine, z.B.: „Alter“ oder „ich schwör“, dann folgt der Inhalt um dann wiederum einer Abschlußroutine. Bei längeren Inhalten kann dann auch noch eine Erhaltungsroutine eingefügt werden.

Beispiel: „Alter, hast Du gewettet? Ich schwöre, wir sind reich dann, ich schwör!“

Die Kursprache ist jedoch nicht zu verwechseln mit der deutschen Jugendsprache. Die Kurzsprache vermeidet zum Beispiel die Nennung von Artikeln, ein Stolperstein für jeden Nichtmuttersprachler.

Der Hanser Verlag Berlin hat aus der Dissertation eine kurweilige Lektüre gemacht, die man sich zulegen sollte wenn man häufiger mit diesen Gruppen konfrontiert ist. Man kann jedoch auch gleich zur Dissertation greifen. Vorteil, sie liegt kostenfrei Open Access vor (findbar über die Autorensuche bei Base-search.net), Nachteil, sie existiert dann nicht auf Papier und ist schlappe 250 Seiten länger. Im Original heißt es übrigens „Gehst du Bahnhof oder bist du mit Auto?“ Wie aus einem sozialen Stil Berliner Umgangssprache wird; eine Studie zur Ist-Situation an Berliner Schulen 2009–2010.

Bei und finden Sie das Buch bei Sprache: Spra 203 MAR

ScG – Gerald Schleiwies

2 Antworten zu “Alter, ich schwör!

  1. Es ist ein Interessantes Buch. Zwar habe ich es noch nicht ganz durchgelesen, aber es vermittelt mehr den Eindruck, dass es eben nicht die Sprache der oder einiger Jugendlichen ist, sondern wir unsere Sprache verändert haben. Nicht einige Menschen, sondern viele und überall. Erhellender und amüsanter Lesestoff.

    • Ja, das Buch soll nicht die neue Jugendsprache zeigen, sondern tatsächlich, wie sich Sprache auch ändern kann. Meines erachtens, sieht man das schneller bei Kindern und Jugendlichen. Aber ich merke es auch an mir selbst. Auch meine Sprache hat sich im Gegensatz zu meinen Eltern/Großeltern auf jeden Fall auch gewandelt. Auch ohne ‚alter‘ und ‚ich schwör‘ 🙂 – Sü

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