Der interne Ausleihhit und warum dieser nicht im Bestand ist

Neulich hatte ich schon berichtet, dass ich kleine Bücher mag. Damit bin ich nicht allein. Selbst das zur Verfügungstellen des Flyers der Fischer Taschenbibliothek wollte mir eine Kollegin nur Leihweise gönnen. Auch die liebt diese kleinen Bücher und gab mir dann das Tagebuch von Edward.

Und was soll ich sagen. Diese großartige Literatur hatte ich bis dahin übersehen. Ich hatte es mir mit diesem Tagebuch gerade gemütlich gemacht, da war es auch schon zu Ende! Auch meine Rezenssion dazu passt in einen Twitterbeitrag:

Große Literatur! Tragik, Humor, Liebe, Weltschmerz, Philosophie – alles drin. Und nach 15 Minuten durch. Phänomenal!

Also am nächsten Tag gleich wieder zurückgegeben. Zwischendurch habe ich gemerkt, dass dieses epochale Werk nach mir bereits von weiteren 5 BibliotheksWesen im Haus gelesen wurde. Mehr als ein Viertel der Belegschaft liest ein und dasselbe Buch? Wahnsinn!

edward

Eigentlich möchte ich gar nicht daraus zitieren, weil ich schon die Hälfte der Story vorwegnehmen könnte. Aber wenigstens den Text des Rückumschlags? Na gut:

Montag. Mein Name ist Edward, und ich bin ein Hamster.

Dienstag. Heute kam der Tierarzt. Er hat mich angefasst. Offenbar bin ich eine Frau.

Mittwoch. Doch keine Frau. Ich habe nachgesehen.

Donnerstag. Habe heute beschlossen, das Rad nicht mehr zu benutzen.

Freitag. Sie können mir die Freiheit nehmen, aber niemals die Seele …

So ein Hamsterleben ist kurz. Und die Dimensionen andere. Beim Hungerstreik verliert man als Hamster halt nur ein Gramm und das hält Edward auch nicht lange durch. Die Paralellen zum menschlichen Leben werden von Seite zu Seite ähnlicher. Beim großen Fluss werden u.a. folgende öffentliche Rezensionen benannt:

Irgendwo zwischen Satire und herrlichem Blödsinn (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

An allen großen Themen hat er sich mit Furore herangewagt und ein Werk von geradezu erschütternder Brillanz hinterlassen. (Das Magazin, Januar 2014)

Mindestens 2/3 der nichtberuflichen Kommentatoren hat das Buch jedoch nicht verstanden. Zumeist wird eine makabere Geschichte eines Hamsters gelesen. Auch der Umgang mit Haustieren ist vielen ein wichtiges Detail. Wer das Tagebuch jedoch mit ein wenig Abstand liest und die Paralellen zum menschlichen Dasein zieht, begreift den wahren Wert dieses Werks.

edward 2

Eine einfache Geschichte eines Hamsters hätte es wohl nicht zu diversen Übersetzungen gebracht. Leider wird dieses private Exemplar unserer Kollegin nicht in den Bestand kommen – es ist dauernd intern ausgeliehen. Dieses Buch sollte man einfach besitzen; z.B. neben der Bibel. Und immer wieder mal lesen. Dauert auch nicht lang. „Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 1990 – 1990“ sollte die acht Euro wert sein.

ScG – Gerald Schleiwies

Und wieder ist ein Sonntagsblog geschrieben – Sonntage sind wie Hamsterräder. 😉

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