Vom Wandern und Pilgern – und dem Dazwischen

Das lange Fortbewegen mit den Füßen ist vom Großstadtnomaden bereits seit einiger Zeit wieder entdeckt worden. Wandern. Oder neudeutsch „hiking“. Man läuft wieder. Gern durch unberührte Natur oder in unbekannten Gegenden. Seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ hat sich auch das Pilgern dazugesellt. Die Grenzen sind fließend. Diverse Titel über die europäischen Jakobswege im spirituellen Bereich konkurrieren mit Weitwanderwegen und Hüttentouren im sportlichen Bereich.

Während die einen in Softshelljacken und weiteren zwei Bekleidungsschichten optimiert im naheliegenden Harz Stempelstellen suchen (Hust! – Ertappt) suchen die anderen sich selbst auf einem 800 km langen Marsch nach Santiago de Compostela, zu dem sie aber erst einmal hinfliegen müssen. Das passt sonst nicht in den Urlaubskalender der Firma.

Besser haben es die, die beruflich Länder entdecken können oder die Zeit mitbringen können und damit auch noch Geld verdienen. Achim Moser hat als Reisejournalist diese Marktlücke schon länger mit Büchern gefüllt. Sein neuester Titel ist doch etwas anders gelagert und hat mein Interesse geweckt:

 

zufuss

Moser erzählt hier eher die Begegnungen mit Menschen, als das er über das Laufen bzw. Wandern philosophiert. Doch die Langsamkeit des Gehens bietet Kapitelweise auch tiefere Einsichten; z.B. wenn er die spanische La Mancha im gleichen Tempo wie Don Quichote bereist. Die literarische Figur prägt das touristische Gebiet. Zu Fuß kommt Moser dem besonders nah.

Auch die Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze bringt das Erlebte bis vor die eigene Haustür – wer das grüne Band schon einmal wenigstens durch den Harz gelaufen ist, erkennt den Wahrheitsgehalt seiner Geschichten. Das Buch steht bei uns bei Erdkunde – wie alle Reiseberichte.

Doch zurück zum Pilgern. Hier ist mir das „Feel-Good-Movie“ „Dein Weg“ mit Martin Sheen positiv aufgefallen bzw. zufällig über den Weg gelaufen, wenn hier die Wandersprache benutzt werden soll:

deinweg

Das man beim Wandern wieder zu sich selbst finden kann ist eine Tatsache – insbesondere dann, wenn man all den Luxus weg lässt und nur aus dem Rucksack lebt. Das scheint mir beim Camino, dem bekanntesten Jakobsweg nicht mehr so leicht zu sein. Und so nimmt der Film augenzwinkernd die jährliche Tourismusschar aufs Korn, die wegen der Figur, der Sinnsuche oder der beruflichen Erfolgslosigkeit die Strecke von den Pyrenäen durchs nördliche Spanien auf sich nimmt und ganz deutsch „einfach mal weg ist“.  Die Stadtbibliothek hat diverse Pilgerführer im Bestand, natürlich auch zum spanischen Jakobsweg.

Andere Filme über die Sinnsuche haben wir hier schon gebloggt, z. B. „Der grosse Trip“. Bill Bryson, auch ewig unterwegs seiender Journalist hat mit dem Wandern und der Sinnsuche einen Bestseller geschrieben. „Picknick mit Bären“ ist wunderbar zu lesen. Die Verfilmung mit Robert Redford macht jedoch auch Spaß.

Ich habe diese Bücher und Filme im letzten Winter und diesem Frühjahr gelesen oder geschaut. Und da werden meine Beine schon wieder hippelig. Und die passenden Bücher winken mir aus dem heimischen Regal zu, z.B. das da:

lappland

Natürlich kann der geneigte Leser dieser Zeilen nun auch sein Tourenrad packen und losradeln – Hauptsache man kommt wieder in Bewegung und bekommt den Kopf frei für neue Gedanken. Und dann sind da wieder die Erinnerungen…

L1010950

ScG – Gerald Schleiwies

P.S.: Der Autor hat nach diesem Blogeintrag umgehend seinen Sommerurlaubsantrag eingereicht und ist ad hoc in Kurzurlaub gegangen. 😉

2 Antworten zu “Vom Wandern und Pilgern – und dem Dazwischen

    • Ja der Kollege weiß, wo man echt in Ruhe Urlaub machen kann 🙂 Wir hoffen immer, dass er auch den Weg zurück findet ;). – Grüße, Sü

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