„Vorlesen ist eine rechtliche Grauzone“

Anfang April 2016 bat ich um etwas Aufregung für das Thema Vorlesen. Der Blogeintrag Vorlesen ist abgabepflichtig wurde häufig besucht. Einige Kolleginnen haben mir zudem Mails gesandt, weil Sie es nicht öffentlich kommentieren wollten und weil sie anonym bleiben möchten. Das respektiere ich!

Eine Landesfachstelle für Bibliotheken hatte bereits 2011 bei der Rechtskommission zu einem ähnlichen Thema angefragt und von dort folgende Antwort bekommen:

Die gebührenpflichtige Anmeldung von nicht-kommerziellen Lesungen bei der VG Wort gilt grundsätzlich für alle Literatursparten, also auch für Kinderveranstaltungen, egal welche lesefördernden Ziele dabei verfolgt werden!

Also keine so neue Problematik. Dafür jedoch scheinbar eine sehr Unbekannte. Eine Methode war bisher einfach beim Verlag nachzufragen. Das dürfte mit der aktuellen Entscheidung des Bundesgerichtshofes im Falle der VG Wort nicht mehr ausreichen, da Verlage nun nicht mehr pauschal an der Ausschüttung der VG Wort beteiligt werden. Die VG Wort dürfte als Vertreter der Autoren nun die einzig autorisierte Stelle sein.

Eine weitere Landesfachstelle für Bibliotheken hatte es noch einmal kurz zusammengefasst:

…im Gegensatz zum Vorlesen in Schulen oder Kindergärten, bei dem keine Gebühren an die VG Wort abgeführt werden müssen. Bisher ist uns kein Fall bekannt, in dem bei „klassischen“ Vorlesestunden in Bibliotheken Gebühren von der VG Wort gefordert wurden.

Eine weitere Kollegin hatte bei der Stiftung Lesen aufgrund des Blogeintrags noch einmal dezidiert nachgefragt (Danke und Gruß nach Rheinland-Pfalz). Die Antwort der Stiftung Lesen hat mich dann doch überrascht:

Vorlesen ist eine rechtliche Grauzone!

Nun wurde ich zudem gebeten keine schlafenden Hunde zu wecken, da bisher nie jemand abgemahnt oder rechtlich tätig geworden ist. Als Leitung einer Großstadtbibliothek habe ich mich jedoch an Recht und Gesetz zu halten. Es steht diese Forderung der VG Wort im Raum, die ich zu großen Teilen auch logisch finde; wenn Geld genommen wird, dann wird auch gezahlt. Doch wenn ehrenamtliche Vorleser in Ihrer Freizeit unentgeltlich einer kleinen Gruppe aus einem Buch vorlesen, dann finde ich diese Forderung der VG Wort in Höhe von 21,60 € minus 20% Rabatt plus 19% Mwst. einen Affront gegen bildungsbürgergesellschaftliche Engagement. Und ob die Autoren das wirklich wissen und möchten fällt in den Bereich der Spekulation. Zumal jetzt, da die Verlage nicht mehr beteiligt werden, der Kuchen viel großzügiger verteilt werden kann.

Zum nächsten Vorlesetag am 18. November 2016 müsste ich mir also überlegen, ob unsere Vorlesepaten ausschließlich in die Schulen und Kindergärten gehen und dort vorlesen (kostet nichts) oder ob ich im Veranstaltungsetat Geld zur Seite lege um genau die gleichen Personen die gleichen Bücher kostenpflichtig in der Bibliothek Ort vorlesen zu lassen.

CIMG1033

Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn unser deutscher Bibliotheksverband bei der VG Wort neben Schulen und Kindergärten eine weitere Ausnahmeregelung für Bibliotheken erwirken kann. Wie gesagt, es geht ums Vorlesen, wie oben abgebildet.

ScG – Gerald Schleiwies

Advertisements

2 Antworten zu “„Vorlesen ist eine rechtliche Grauzone“

  1. „Wo kein Kläger, da kein Richter“ , dieses Sprichwort drückt alles aus. Es müssen nicht schlafende Hunde geweckt werden. Also, weiterhin fröhliches Vorlesen in der Bibliothek!!!

    • Ich hoffe sehr, das Vorlesen keine rechtliche Grauzone bleibt, das wäre sonst sehr schade. Vor allem drücke ich uns die Daumen, dass unsere Vorlesetage weiterhin so stattfinden können, wie bisher 🙂 – Sü

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s