Marktsichtungskooperationen und der „Patient Sachbuch“

Am vergangenen Montag und Dienstag (30.5./31.5.) traf sich in Bad Urach am Fuße der schwäbischen Alb die Lektoratskooperation. Einquartiert wurden wir im Haus auf der Alb, einem im Bauhaus errichteten Gebäude, das diesem Stil bis heute treu bleibt. So gibt es innen z.B. keine Pflanzen. Das ist in diesem Fall zu verschmerzen, wenn der Ausblick aus dem Zimmer so aussieht:

Bad urach

Die Lektoratskooperation ist ein Zusammenschluß vieler Bibliothekarinnen aus den unterschiedlichen Städten der Republik, die für den Informationsdienst der öffentlichen Bibliotheken Bücher und andere Medien begutachten und empfehlen. Diese Kooperation feiert sein 40-jähriges Bestehen und Salzgitter ist schon lange dabei, aktuell im Bereich EDV und Erdkunde. Frühere Kollegen hatten z.B. Bereich in der Musik oder Krimis und Recht.

Es wurde in diversen Gruppen viel diskutiert ums Sachbuch. Die Ausleihzahlen gehen nun fast überall stetig zurück. Wir beobachten das hier seit 2008 und dokumentieren es entsprechend. In der Bibliothekswissenschaft sind Ausarbeitungen dazu rar – vielleicht weil es mit dem steten Wandel medialer Nutzung zu tun hat. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Masterarbeit „Die epochale Trendwende: Der Benutzerrückgang an öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz“ von Philipp Trottmann; das Untersuchungsgebiet „Schweiz“ ist für das begreifen des Großen und Ganzen unproblematisch. Die Arbeit thematisiert auch die rückläufigen Ausleihzahlen.

Eine pauschale Betrachtung ist in Deutschland schwierig, da die systematische Aufstellung sehr unterschiedlich ist. Sind bei uns Computerspielbücher in der EDV, so hat die weit verbreitete Systematik „ASB“ diese im Bereich Y – Spiele. Bei uns sind die Haustiere in der Biologie, andere Bibliotheken stellen das wiederum woanders hin. Diese Herausforderung haben auch die Gruppen, die über die Bestände diskutierten. Seit langem werden ca. 9.000 Sachbuchtitel im Jahr besprochen. Nur den größten Häusern ist das zu wenig, die meisten haben die Qual der Wahl. Doch es gibt klare Trends, die wir hier bestätigen können.

  1. Schulrelevante Literatur sinkt viel stärker in der Ausleihe als „Freizeittitel“.
  2. Frühere Quoten, also eine von der Kooperation anvisierte Zielgröße eines Fachgebietes, können mangels Angebot kaum noch ausgefüllt werden (z.B. Technik, EDV).
  3. Das Lexikon bzw. Wörterbuch in Papierform ist Vergangenheit.

Nicht Gegenstand dieser Sitzung waren Musik und Film – hier zeigen die digitalen Flatrates Wirkung. Bei den E-Books ist die dominierende Flatrate in Deutschland jedoch die Onleihe / E-Ausleihe – die Salzgitter schon sehr lange anbietet.

Wie sieht also der Bestand der nächsten Jahre aus? Was schaffen wir an? In den Bibliotheken von Salzgitter hat sich in den letzten 8 Jahren die Ausleihe im Sachbuchbereich halbiert. Der Bestand ist zudem veraltet, weil zu wenig neu gekauft wurde für die bestehende Bestandgröße. 2016 ist in den Stadtbibliotheken Salzgitter ein harter Schnitt. Es wird gelöscht. Dafür haben wir sogar eigene Löschwagen – in Rot! Der nächste Bücherflohmarkt ist übrigens auf dem Altstadtfest in SZ-Bad.

Löschwagen

Der gewonnen Raum wird für eine verbesserte Präsentation genutzt. Und an dem einen oder anderen Platz passt auch ein neuer Tisch – der Treffpunkt und Lernort Bibliothek erfreut sich steigender Beliebtheit. Es kommen weniger „Rein-Raus-Nutzer“ in die Bibliothek, aber die die da sind bleiben länger. Ein kleinerer und aktuellerer Bestand hilft dann mehr als volle Regale und wenig Sitzmöglichkeiten.

ScG – Gerald Schleiwies

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