Die Geheimsprache der BibliotheksWesen

„Und, wo geht´s im Sommer hin?“

„Nach Cen 3!“

„Und was machst Du dort? Xdo 5 oder Ybu 1? Nimmst Du ein Wkm 4?“

„Nein ich bin Ybr und reise mit dem Wkl 11.“

„Oh schön, mache mal Wsl. Habt Ihr besondere Xeo 29?“

„Gerne, stelle ich auf mein Wcc 351 – zu Essen gibt es etwas aus Xeo 231“

 Häh!

Als neulich abends ein paar BibliotheksWesen sich zu einem Wein im baden-würtemmbergischen trafen kam uns die Idee, nach dem einer Kollegin partout nicht mehr das Wort, aber die Signatur dazu einfiel. Da den ganzen Tag über in der „Leitwährung“ ASB gesprochen wurde und immer wieder in SfB und KAB übersetzt werden musste – war diese Gedächtnislücke nur allzu verständlich. Ach, ich rede schon wieder bibliothekarisch. ASB, SfB und KAB sind die großen Ordnungssysteme der öffentlichen Bibliotheken und ich habe dazu auch schon mal vor langer Zeit etwas gebloggt. Zudem war das regionale Kauderwelsch aus Bayerisch, hochdeutsch und schwäbisch stark durchmischt mit sächsisch und saarländisch. Da versteht man sich nicht immer. Immerhin gibt es ja auch das Gerücht, das die Schweizer im zweiten Weltkrieg von den Russen nicht dechiffriert werden konnten – sie hatten sich einfach nur im Berner Deutsch unterhalten.

So ward die Idee geboren, die bibliothekarische Geheimsprache zu verwenden, falls NSA und Co. mal wieder sensible Daten aushorchen wollen. Schon Scharen von Nutzern irrten durch die Gänge der Bibliotheken auf der Suche nach Signaturen, die mehr verbargen als versprachen. Die obige Auflösung ist für das geschulte Ohr jedoch einfach:

„Und wo geht´s im Sommer hin?“

„Nach Schweden!“

„Und was machst Du dort? Angeln oder Radfahren? Nimmst Du ein Wohnmobil?“

„Nein ich bin Wandern und reise mit dem Nachtzug.“

„Oh schön, mache mal Fotos. Habt Ihr besondere Campingküche?“

„Gerne, stelle ich auf mein Blog – zu Essen gibt es etwas aus schwedischen Regionalküche“

In der Stadtbibliothek Stuttgart könnte ein Gespräch so stattfinden – doch wenn die Signaturen unterschiedlich sind, dann wird es knifflig. Quasi verfügt man dann über „Auslandserfahrung“. In der Stadtbibliothek Salzgitter haben wir Fremdsprachenexperten aus der KAB, ASB und können simultan übersetzen.

Es sind noch so viele SUB (Stapel ungelesener Bücher) und SAB (Stapel angefangener Bücher) rund um den Sessel, da hilft nur Adn (Schnellesen). Und eine Akl (Rezension) muß ich auch noch machen. Schönen Sonntag. Und schaut nicht soviel Ybn 11 (Fußball).

ScG – Gerald Schleiwies

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