Wenn eine Kinderfrage mit Kants Imperativ beantwortet wird, dann ist es Erlinger

Allein der Titel sorgt bereits für Aufmerksamkeit: Darf man Eltern sagen, dass ihre Kinder nerven?

erlinger

Rainer Erlinger schreibt seit langem eine Kolumne in der Süddeutschen Zeitung, wo kleinere und größere Fragen des ethischen Alltagshandelns kurz und knapp beantwortet werden. Der Autor ist jedoch nicht das personifizierte Gewissen, sondern er gibt zu jeder Frage gleich diverse Quellen mit auf den Weg, die ihm die Beantwortung der Frage erleichtern.

Einige Fragen sind von Kindern eingereicht, die für Erwachsene ebenso gelten. Zum Beispiel wenn jemand eine Frage stellt, bei einer längeren Antwort jedoch kommentiert das Interessiere ihn dann doch nicht. Muss sich ein Fragender also immer die Antwort anhören? Und wenn ja, wie lange? Erlinger zitiert in der direkten Antwort dann mit Pippi Langstrumpf und gibt als Quelle Kants kategorischen Imperativ an. Das ist gelinde gesagt: Wunderbar!

Auch der Schreiber dieser Zeilen ist stets damit konfrontiert komplexe Fragen aus dem Bibliothekswesen für die Politik oder die Vorgesetzten möglichst als Dreizeiler zu beantworten, weil sonst das Interesse schnell nachläßt. Besonders wenn die Frage eben keine erwünschte Antwort bringt.

 

Weitere Fragen, ob z.B. Mieter in einem Nachbarhaus sich der Nachbarschaft höflicherweise vorzustellen habe oder ob man zum Dauermitarbeiter der Paketdienste für Nachbarn werden muss, die man nur deswegen kennt, weil man ihre Pakete annimmt. Darf ich für die Spendensammlung in einem Tierheim Biobratwürste verkaufen?

Letztere Frage wird übrigens beantwortet mit einer Begebenheit aus den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann und wiederum Imanuel Kant.

 

Das Taschenbuch dieser gesammelten Alltagsphilosophie aus bereits erschienenen Kolumnen steht bei „Phil 230 Erl“;  ich wünsche dem Buch, quasi ein ethischer Knigge, viele Leser. Übrigens, viele der zitierten Quellen sind ebenfalls im Bestand der Stadtbibliothek. ScG

2 Antworten zu “Wenn eine Kinderfrage mit Kants Imperativ beantwortet wird, dann ist es Erlinger

    • Also ich bin dafür: darf man. Sowas müssen Eltern aushalten. Wobei ich da auch ne ziemlich hohe Toleranzschwelle habe und die Kinder in meiner Familie ja sowieso nie nerven. Wer das behauptet, hat sie ja nicht mehr alle xD – Sü

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