Ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen oder warum wir dringend mal wieder Momo treffen müssen

Evt. hat sich der Hype um Pokémon-Go ja bereits wieder etwas gelegt. Dieser Blogbeitrag wurde urlaubsbedingt bereits vor einigen Tagen verfasst. Doch das Thema dahinter bleibt brandaktuell. Es geht um „Zeit“. Klar wurde mir das beim Blogartikel von Martin Weigert: Warum Pokémon-Go eine schlechte Nachricht für Facebook, Snapchat und Co. ist

Die Antwort von Weigert war ganz einfach – Pokémon-Go Spieler haben gerade keine Zeit für die sozialen Netzwerke. Es fehlt ein Stück vom „Aufmerksamkeitskuchen“. Aha! Die sozialen Netzwerke brauchen unsere Zeit um zu funktionieren. Ein Reportage des WDR machte das vor einigen Tagen deutlich. Sie tauschte die Gewohnheiten von zwei Familien aus. Die vollumfänglich mit Smartphones, Tablets und Wii-Konsole vernetzte Familie tauschte mit einer Familie mit Brettspielen, Tischtennisplatte und Indiana Jones Flipper. Die Sendung mit dem eher falschen Titel „Das Experiment – Ein Monat ohne Internet“ ist noch in der Mediathek abrufbar.

Die Sendung zeigt vor allem Eines: Die soziale Kommunikation á la Internet verbraucht sehr viel mehr Zeit als die verbale analoge Kommunikation. Zeit, die woanders eingespart wird – meist freiwillig erzwungen, aber auch ungewollt durch die Hintertür. So verliert das klassische Buch seit Jahren am Aufmerksamkeitskuchen – ein Faktor auch für sinkende Ausleihzahlen. Ob digital im Internet das Gesuchte schneller und in besserer Qualität gefunden wird – darüber kann man streiten.

Erste Suchtforscher sprechen von einem ernsten Problem, denn das kleine nützliche Helferlein Smartphone hat durch die Hintertür auch Suchtpotential entfaltet. In ersten Kliniken, wo Entwöhnungen stattfinden, kann man das klar erkennen. Die Berufswelt ist erst spät darauf aufmerksam geworden und manche große Firma schaltet im Urlaub die Smartphones ihrer Kollegen ab.

Und diese Thematik ist literarisch bereits perfekt aufgearbeitet und verfilmt worden. Von Michael Ende in seinem Roman „Momo“ – mitnichten übrigens ein Kinderbuch. Meiner Meinung nach dort völlig falsch aufgelegt in heutiger Zeit.

Den Verweis auf den ganzen Film spare ich hier mir einfach mal. 😉 – Momos Puppen sind heute Apps und soziale Medien. Die Thematik bleibt identisch. Wollen wir unseren Aufmerksamkeitskuchen unsere Zeit wirklich so verschenken?

Auf Kommentare oder Likes dieses Blogeintrags kann so schnell nicht geantwortet werden. Das Kalenderblatt im Büro und ich sind gerade zusammen:

rapadalen

Toll nicht!? Was für ein Blick! Es ist das Rapadalen und ich möchte genau diesen Sichtpunkt einnehmen. Doch wie kommt man dahin? Zu Fuß! Zum nächsten Ort sind es mindestens 40 km. Es gibt hier kein Strom, kein Handyempfang oder gar WLan. Somit gibt es auch keine Selfies vom Skierfe (dem Sichtpunkt), die sofort in die Welt hinausposaunt werden könnten. Pokémons bevölkern die Landschaft aus diesem Grund auch noch nicht. Es gibt Rentiere, Berglemminge oder auch Polarfüchse – aber eben kein Glumanda oder wie die Tierchen sonst alle noch heißen.

Es ist der perfekte Ort um von den sozialen Medien abzuschalten – eben weil es gar nicht anders geht. Und damit öffnet sich der Geist wieder für alles Andere. Hier könnte man perfekte Entwöhnungskuren anbieten. Das bringt mich gerade auf eine Geschäftsidee – dafür bräuchte ich nun gerade mal das Internet…

ScG

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