Von Biosortierung und Berufsbürgern

Einmal im Jahr tagen die Bibliotheken von 100.000 – 400.000 Einwohner des deutschen Bibliotheksverbandes. In diesem Jahr fand die Veranstaltung in Münster statt. Und ich war wirklich noch nie in Münster.

Alle Sagen und Legenden, die sie jemals über Fahrräder  in Münster gehört haben, stimmen. In nur einer Stunde habe ich soviele Fahrräder gesehen, wie in Salzgitter die letzten fünf Jahre nicht. So ein Radschnellweg wie die Promenade würde mich auch schnell auf den Drahtesel umsteigen lassen.

Doch natürlich wurde gearbeitet. Die Pressetour des dbv durch Dänemark wurde noch einmal aus bibliothekarischer Sicht erläutert. Wie man eine Bibliothek baut und einrichtet, dafür gibt es sogar eine eigene Homepage: http://modelprogrammer.slks.dk/en/

Die Kollegen sind auch jetzt immer noch angetan. Neben der Größe der Einrichtungen ist die Einstellung der Mitarbeiter immer wieder erwähnt worden. Für Salzgitter kann ich da schon fast Entwarnung geben. Wie bei den Dänen klebt hier keiner mehr am Infotisch fest und in Sachen Hilfsbereitschaft kann ich meine KollegInnen ebenfalls nur loben. Doch das dänische Motto: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ wäre etwas für die nächsten Gestaltungsherausforderungen.

Ein Ergebnis einer solchen Einbeziehung der zukünftigen Nutzer kann man in Norwegen betrachten. So muss eine Bibliothek aussehen, damit die junge Bevölkerung sich damit identifiziert:

Neben viel Raum und unterschiedlichen Sitzmöbeln und abgetrennten Räumlichkeiten sind auch noch Bücher vorhanden, doch diese stehen nicht unbedingt im Vordergrund; sind jedoch omnipräsent.

Auf das Ergebnis im Bereich Kinderbibliothek Lebenstedt wäre ich sehr gespannt. Übrigens, eine Bibliothek unserer Sektion befindet sich bereits auf dem Weg eines solchen Prozesses.

Doch was hat das mit der Überschrift zu tun? In den skandinavischen Ländern ist die gesellschaft homogener als in Deutschland – die Beteiligung an solchen Projekten breiter. In Deutschland existiert die reale Gefahr, dass die immer gleichen Minderheiten nur ihre Statements und Lobbyinteressen einfliessen lassen. In diesem Zusammenhang fiel das Wort „Berufsbürger“.

Und was ist nun eine „Biosortierung“? Tja, das ist, wenn der Nutzer seine Medien selbst zurückbucht und sie gleich an die entsprechenden Rückräumregale einsortiert. Solange unser Nutzer nur zur Biosortierung in bibliothekarischen Ablaufprozessen klassifiziert wird, ist es noch ein langer Weg zur Beteiligung nach den nordischen Vorbildern.

Auf einer solchen mehrtägigen Sitzung wird jedoch nicht nur gearbeitet. Das Abendprogramm brachte uns unter anderem zum Coppenrath Verlag, der seinen Hauptsitz in einer alten Feuerwache hat. Verlagschef Wolfgang Hölker ist ein echtes Original, sein Verlagshaus ein kurioses Sammelsorium von Exponaten. Einen kleinen Einblick bekommt man hier und in den ersten Minuten hier. Die KollegInnen kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus. Das kreative Potential der Macher ist hier greifbar. Vielen Dank an Herrn Hölker, dass er extra für uns einen anderen Termin abgesagt hat.

ScG – Gerald Schleiwies

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