Warum das E-Book trotz Preisbindung nicht dem Buch gleich gestellt ist

Kaum ein Endverbraucher hatte die Gesetzeslücke bemerkt. Bücher unterliegen der Preisbindung und kosten überall das Gleiche. Für E-Books, die hochoffiziell als Lizenzen gehandelt werden, galt das lange Zeit nicht. Doch in Deutschland hat niemand aus dieser Gesetzeslücke einen Preiskampf herauf beschworen. Die Verlagsvorgaben wurden eingehalten. Das war mit ein grund, das der E-Book Markt nicht wie im angloamerikanischen Raum auf ein Drittel des gesmatmarktes explodiert ist. Seit dem 1. September 2016 gibt es nun eine Preisbindung für E-Books. Sind E-Books und Papierbücher damit nun gleichgestellt?

Leider Nein! Und das merken insbesondere die Bibliotheken!

Bücher auf Papier kaufen wir beim Buchhändler und bekommen dazu noch einen Bibliotheksrabatt, der meist zwischen 5% und 10% liegen kann. Papierbücher kaufen wir also für den Preis, der auf dem Buch steht. Dafür können wir das Buch so oft und lange verleihen, wie es das Buch aushält. Die Tantiemen werden über die Länder mit der VG Wort ausgehandelt – hierüber erfolgt die „Entschädigung“ für den Gewinnverlust durch das Ausleihen.

Und beim E-Book? Hier gilt das leider nicht und das neue Gesetz hat das meiner Auffassung nach auch bewusst vermieden. Das Preisbindungsgesetz wurde nun novelliert: http://www.bmwi.de/DE/Themen/Digitale-Welt/Netzpolitik/preisbindung-bei-e-books,did=704280.html

Der Paragraph für E-Books hat jedoch keine Pauschalierung, sondern kennt einen „Letztabnehmer“:

„Wer Bücher für den Verkauf an Letztabnehmer in Deutschland verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer in Deutschland festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen.“

Die öffentlichen Bibliotheken bieten ihre E-Books über Buchhändler an; z.B. der ekz GmbH, Ciando oder Overdrive. Hier werden die Titel gehostet und mit einem Rechtemanagement versehen. Diese Buchhändler haben bisher die Verträge mit den Verlagen ausgehandelt. Sie merken schon, das diese Buchhändler nicht der „Letztabnehmer“ sind. Und so gilt das Preisbindungsgesetz auch nicht für Bibliotheken, wenn diese nicht selbst direkt mit den Verlagen verhandeln. Diese Arbeit und den technischen Aufwand dahinter macht jedoch keine öffentliche Bibliothek in Deutschland bzw. kann diese leisten.

Lange hat z.B. die ekz, zu der auch unsere E-Ausleihe/Onleihe gehört mit der Holtzbrinckgruppe verhandelt. Hier sind viele wichtige Verlage zu Hause, die wir bisher nur in Papierform anbieten konnten. Das Ergebnis:

So ist der Preis, den Bibliotheken für die Lizenzen zahlen sollen, 2,5-fach höher als der Preis für private Käufer. Zusätzlich ist die Nutzung einer Lizenz begrenzt auf 4 Jahre und/oder maximal 52 Ausleihen.

Die KollegInnen aus Erlangen hat das zu einer Stellungnahme gebracht und sie erklären warum sie in der Franken-Onleihe aus diesem Grund die Bücher der Verlage nicht kaufen werden.

Franken ist eine finanzstarke Region und hat damit Probleme. Es bleibt spannend, wie sich andere Regionen verhalten. Der grummelnde Unmut ist jedoch hörbar. Das Preisbindungsgesetz hilft den Bibliotheken in der Zukunft leider überhaupt nicht. Zur Zeit liegen E-Books bei ca. 5 – 6% Prozent Marktanteil. Bei dieser Preisbindung kann ich nur hoffen, das dies noch lange so bleibt!

ScG – Gerald Schleiwies

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