Kulturflatrate auf Italienisch – 18app.it

Man stelle sich vor, die Bundesregierung gibt allen 18-Jährigen einen 500 Euro-Schein, den man jedoch nur für Kultur ausgeben darf. In Italien ist mit „18app.it“ so ein Programm gestartet. „Auf den Terrorismus reagieren wir mit Kultur. Mit dem Bonus wollen wir jungen Italiener dazu ermutigen, sich als Verwalter des größten Kulturerbes der Welt zu fühlen.“, so der italienische Premier Matteo Renzi.

Auf der Homepage https://www.18app.italia.it kann sich jeder gerade Volljährig gewordene eine Karte erstellen lassen, die zur Ausgabe des Geldes berechtigt. Das gilt auch für Ausländer mit gültiger Aufenthaltserlaubnis. Karten für Theater, Museen, Kinos und Bücher können damit gekauft und auch in Bibliotheken kann damit bezahlt werden. Ausgeschlossen ist jedoch der digitale Download von Musik, denn die jungen Erwachsenen sollen die Stätten der Kultur kennen lernen und erleben.

18app

Der Start verlief etwas holperig, wie das Südiroler Magazin „Salto“ berichtet. Doch die Idee dahinter ist bestechend, denn es ermöglicht einer wichtigen Zielgruppe die kulturelle Teilhabe. So etwas ähnliches gibt es auch in Deutschland, in der öffentlichen Verwaltung unter dem Schlagwort „BuT-Mittel“ bekannt. Das Bildungs- und Teilhabepaket sollte finanzschwachen Eltern ermöglichen ihren Kindern Kultur zugänglich zu machen. Ein Großteil der Mittel wurden jedoch nicht abgerufen, so das die BuT-Mittel anders verteilt wurden. Die Stadtbibliothek Salzgitter hat z.B. damit das ABC-Lesen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt organisiert. Damit bekam jedes Kind ein Gutschein, der in der Bibliothek gegen ein Buch und einen Bibliotheksausweis eingetauscht werden kann. Damit war die Teilhabe über einen Umweg wieder geschaffen. Das die Gelder nicht direkt durch die Eltern abgerufen worden sind, lag an vielen Gründen; neben dem bürokratischen Aufwand, waren die finanziellen Zuwendungen für die Einzelnen zu gering.

Italien klotzt nun mit diesem Angebot, für nur für eine spezielle Altersgruppe. Mit 500 € kommt man gut durch das kulturelle Jahr. Eine andere Möglichkeit kommt da aus Skandinavien, wo viele Museen, Ausstellungen gar nicht erst Eintritt kosten. Auch der Bibliotheksausweis ist zumeist kostenlos. Im Gegensatz zur föderalen Bundesrepublik dürfen die nordischen Staat Geld direkt für regionale und kommunale Kultur geben.

In Deutschland muß ein Umweg her. Die Bundesstiftung für Kultur legt in Kürze ein Programm auf, an dem sich auch kommunale Bibliotheken beteiligen können und dürfen ohne dass das Konnexitätsprinzip gleich wieder greift. Möglich macht es das Programm „Trafo„. Ich bin gespannt, wie die förderungsfähigen Projekte im nächsten Jahr aussehen können. Alle 18jährigen mit 500 € ausstatten, wird wohl nicht gehen.

ScG – Gerald Schleiwies

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