Et hätt noch emmer joot jejange – wie das Kölsche Grundgesetz in Salzgitter hilft

Die Stadt Salzgitter ist aus ihrer Historie heraus eine Einwandererstadt. Doch weit bevor die Gastarbeiter nach Salzgitter kamen wanderten Deutsche aus allen Richtungen hierher um zu arbeiten. Zumeist in der Hütte, der heutigen Salzgitter AG. Später kamen die VW-Motorenwerke, die Vorgänger der Alstom Eisenbahnwerken, etc. dazu.

Salzgitter ist auch aus deutscher Sicht gesehen Multikulturell. Das setzt sich auch in der Stadtbibliothek fort. Hier sind KollegInnen aus Halle/Saale, Berlin (Ost), Berlin (West) oder Holstein für die bibliothekarische Sache am Wirken. Es gibt auch echte Salzgitteraner – es ist aber nicht die Mehrheit. Vielleicht auch das ein Grund, warum wir hier in der tiefen niedersächsischen Provinz aufgeschlossener sind als in anderen Ecken dieses Bundeslandes.

Als gebürtiger Rheinländer habe ich zudem ein paar Arbeitsjahre im Kölner Speckgürtel verbracht. Insbesondere die Lässigkeit und die Ruhe des Kölners vor dem Augenblick hat mich in dieser Zeit geprägt. Aus diesem Grund hängt noch immer eine Postkarte in meinem Büro – das Kölsche Grundgesetz. Hier noch einmal die Regeln inkl. hochdeutscher Übersetzung:

Artikel 1: Et es wie et es.
(„Es ist, wie es ist.“)
Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.

Artikel 2: Et kütt wie et kütt.
(„Es kommt, wie es kommt.“)
Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.

Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange.
(„Es ist bisher noch immer gut gegangen.“)
Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren.
Situationsabhängig auch: Wir wissen es ist Murks, aber es wird schon gut gehen.

Artikel 4: Wat fott es, es fott.
(„Was fort ist, ist fort.“)
Jammer den Dingen nicht nach und trauer nicht um längst vergessene Dinge.

Artikel 5: Et bliev nix wie et wor.
(„Es bleibt nichts wie es war.“)
Sei offen für Neuerungen.

Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.
(„Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.“)
Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen.

Artikel 7: Wat wells de maache?
(„Was willst du machen?“)
Füg dich in dein Schicksal.

Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off.
(„Mach es gut, aber nicht zu oft.“)
Qualität über Quantität.

Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch/Käu?
(„Was soll das sinnlose Gerede?“)
Stell immer die Universalfrage.

Artikel 10: Drinks de ejne met?
(„Trinkst du einen mit?“)
Komm dem Gebot der Gastfreundschaft nach.

Artikel 11: Do laachs de disch kapott.
(„Da lachst du dich kaputt.“)
Bewahr dir eine gesunde Einstellung zum Humor.

Nun befindet sich die größte Bibliothek im Abschluß Ihrer Umbauphase. Hier hilft grundsätzlich Artikel 3 um die Seelen zu beruhigen. Sollte da noch jemand skeptisch sein, dann kann man mit Artikel 2 sich weiter helfen. Wenn die Bibliotheksoftware mal wieder eigene Regeln aufstellt hilft der Kollegin Artikel 7 weiter.

Natürlich kann man sich über alles aufregen. Doch das ist nicht gesund. Das kölsche Grundgesetz hilft einem sehr viel weiter als jeder Ratgeber. Und man wird zufriedener. Bei einem solchen Umbau kann man nur wenig selbst beeinflussen. Aber bisher kann ich sagen: „Et hätt noch emmer joot jejange“ – alle Aufregung davor war nicht nötig. Alles wird rechtzeitig fertig. Am Dienstag ist die Bibliothek Lebenstedt wieder geöffnet. Darauf einen Artikel 10!

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

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