Von der wissenschaftlichen Bestätigung des postfaktischen Bauchgefühls

Alle Jahre wieder schreibt man an Jahresberichten. Und da wandert man mit seinen Gedanken zurück. Und zwar länger als ein Jahr, denn viele Planungen muss man sehr viel früher machen. Zum Beispiel dann, wenn man Geld im Haushalt benötigt.

Und auch, wenn man so etwas in der Verwaltung gar nicht gerne hört – manches Mal ist das bibliothekarische Gefühl ein wichtiger Gradmesser für die Planungen. Heute fällt das sinngemäß unter „postfaktische Wahrheit“.

Ein Beispiel:

Als die erste Interessenswelle der E-Book-Reader-Ausleihe abklang, merkten wir an der Info schnell, dass die Geräte zumeist in den Ferien stärker nachgefragt wurden. Das Gerät wird dann gebraucht, wenn eine mobile Nutzung ansteht. Oder wenn das Fluggepäck einfach keine 15 Bücher und Kleidung für 14 Tage ermöglicht. Doch so richtig wissen konnten wir das nicht. Es war so eine Vorahnung, dass das E-Book (vorerst) eine Nische bleibt.

Bis Statista diese Graphik anbot:

infografik_6118_e_book_oder_gedrucktes_buch_n

Ha, das bibliothekarische faktische Bauchgefühl hatte also recht!

Noch ein Besipiel:

Seit langem liege ich der Bibliothekssoftwarefirma in den Ohren mit dem Bedürfnis nach einem Mobil-Opac, also einem Katalog für das Smartphone. Es muß keine App sein, es reicht, wenn das System automatisch erkennt, dass  nun mit einem kleinen Bildschirm auf eine Anwendung zugegriffen wird.

Das ist keine ganz billige Angelegenheit. Man braucht also gute Gründe, warum ein Mobil-Opac sein muß. Tja, und da bräuchte es Zahlen. Doch die hat man gerade nicht in der Hand. Das Bauchgefühl sagt jedoch:

  • Die Zugriffe werden weniger
  • Wer die E-Ausliehe APP nutzt, nutzt nicht mehr unseren Katalog
  • „Alle“ Leute die ich kenne, sind heute mit Smartphones ausgestattet und schauen sehr oft auf dieses Gerät. Da muß auch unser OPAC hin.

Doch eine Verwaltung braucht dafür Belege. Und da kam nun neulich einer:

browserstatistik

Nun, Google Chrome dominiert das Geschehen. Das konnte ich mir denken, denn das ist auf vielen Rechnern installiert. Aber Platz 2 für Safari? Safari ist der Browser für Macs. Und die sind weiterhin Exoten mit einem Marktanteil von um die 10% (Beweis: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158102/umfrage/marktanteile-von-betriebssystemen-in-deutschland-seit-2009/)

Bis es mir kurz dämmerte. Die Marktführer der Browser wird dominiert durch die Smartphones! iPhone auf der einen und Android auf der anderen Seite. Das statistische Bundesamt brachte am 6.12.2016 dann folgende Grafik:

internetzugang

Das Internet wird Mobil genutzt! Laptop, PC und Tablet stehen zwar häufig auch zur Verfügung. Aber der erste Weg ist der über ein Smartphone.

Und deswegen werde ich am Thema Mobil-OPAC dranbleiben. Denn was nicht auf den kleinen Bildschirm passt, wird nur auf dem zweiten oder dritten Wege genutzt. Wenn die Bibliothek per E-Mail an die Leihfrist erinnert, will man das gleich auf dem Gerät erledigen und sich nicht erst zu Hause an den Rechner setzen, oder? Da hatte mein bibliothekarisch-postfaktisches Bauchgefühl doch wieder recht. Nun statistisch untermauert.

Und? Auf was für einem Gerät habt ihr diesen Eintrag nun gelesen?

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

3 Antworten zu “Von der wissenschaftlichen Bestätigung des postfaktischen Bauchgefühls

  1. Sorry, Desktop-PC .. 😉 Beim Bloggen sehr viel angenehmer, weil die WordPress-App sowas wie der Vorhof zur Hölle ist, wenn man Beiträge schreiben will. Und dann lese ich gleich auch.
    Aber ein mobiler OPAC ist tatsächlich etwas, was mir in vielen Bibliotheken schon seit Jahren fehlt.

    • Lieber Herr Zeilenende,
      da ich nicht mehr schreibe nutze ich die WordPress App nur noch zum Verfolgen der Blogs. Überhaupt alles mache ich mit dem Smartphone, mit Ausnahme eine paar weniger Dinge. Über einen mobilen OPAC würde ich mich sehr freuen.

    • Ich nutze die WordPress App vor allem, um gleich auf Kommentare zu reagieren – für meinen Blog 😉
      Auch ich als hier arbeitendes BibliothksWesen habe den mobilen OPAC schwerlich vermisst im Urlaub. Wollte die Kollegen auf die Spur schicken, mir etwas aus dem bestand zu suchen. Doch erstmal musste ich mich durch den OPAC quälen…Deswegen hoffe ich, dass wir bald einen mobilen OPAC haben. – Grüße, Sü

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