Howard Phillips Lovecraft – eine Liebeserklärung

Liebe Leserschaft,

ich möchte heute einen Autor vorstellen, der mich persönlich sehr zum Nachdenken angeregt und meinen Horizont erweitert hat. Früher dachte ich immer, Bücher in alter Schreibweise sind öde und langweilig, ich könne dem Text nicht folgen, etc. Bereits Jane Austen und Anne Radcliffe haben mich das Gegenteil gelehrt. Ganz zufällig wurde ich auf H. P. Lovecraft aufmerksam.

Im zarten Alter von 15 Jahren las ich Wolfgang Hohlbeins Hexer-Reihe. Dort bedient er sich sehr frei an Lovecrafts Mythos von den „Großen Alten“ und sogar H. P. Lovecraft selbst kommt als Person in diesen Romanen vor. Nämlich als Freund des Hauptprotagonisten.

Und nun stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich feststellte, dass es sich bei ihm um keine Romanfigur, sondern um einen echten Menschen handelt, ein Schriftsteller, der tatsächlich gelebt hat. Diese unumstößliche Tatsache war bis zu diesem Zeitpunkt an mir vorbei gegangen. Bis ich ein Buch von diesem faszinierenden Menschen in die Hand bekam, sollten aber noch ein paar Jahre vergehen.

Es muss so im Jahre 2004 gewesen sein, als ich auf den Festa-Verlag aufmerksam wurde, der in großem Stil Horrorliteratur verlegt. So kam ich zu meinem ersten Lovecraftbuch. Es las sich eher zäh und landete angefangen im Regal. Ich war also immer noch nicht bereit dafür. Kurze Zeit später bekam ich ein Hörbuch in die Hand. Wieder Lovecraft. Gelesen von David Nathan, der Synchronstimme von Johnny Depp. Ich habe also dieses Hörbuch beim Puzzeln eingelegt und war komplett weg und tief versunken in Lovecrafts Welt. Danach wurde das Buch gleich wieder hervorgekramt. Beim Lesen hatte ich fortan immer David Nathans Stimme im Ohr.

Nun ein wenig zu H. P.:

Howard Phillips Lovecraft wurde 1890 in Providence, Rhode Island geboren und starb 1937. Er galt Zeit seines Lebens als Exzentriker. Seine Gesundheit war seit seiner Jugend eher kränklich und er besuchte nur sehr sporadisch die Schule, was die Tatsache umso erstaunlicher erscheinen lässt, dass er ein breites Allgemeinwissen anhäufen konnte. Lovecrafts Interessen waren vielseitig, er brachte sich vieles im Selbststudium bei. Aus meiner Sicht könnte man ihn als Wunderkind betrachten. Dafür spricht auch, dass er bereits im Kindesalter erste Geschichten und Gedichte verfasste. Die Bezeichnung „Kleiner Professor“ traf wohl in seiner Kindheit und Jugend auf ihn zu. Mit 9 Jahren verfasste er wissenschaftliche Zeitschriften über Astronomie und andere Wissenschaften, die er im Familienkreis verteilte. Im weiteren Verlauf seines Lebens schrieb er Kurzgeschichten, die im Magazin „Weird Tales“ veröffentlich wurden. Diese ersten schriftstellerischen Gehversuche waren kaum von Erfolg gekrönt, was Lovecraft jedoch nicht aufgeben lies. Bis zu seinem Tode brachte er es auf eine stolze Anzahl von über 87000 Briefen, da er in reger Korrespondenz mit anderen Schriftstellern stand (z. B. Robert E. Howard, dem Schöpfer von „Conan“) und schrieb weit über 70 Geschichten, Romane und Gedichte. Auch war er Mitglied der United Amateur Press Association (UAPA). Durch seinen Briefwechsel hatte er ein regelrechtes Kommunikationsnetz aufgebaut.

Lovecraft sah sich als eine Art Aristokrat und vertrat den Grundsatz, er würde lieber hungern, als Arbeit anzunehmen, die unter seiner Würde sei. Da er mit der Schriftstellerei nicht viel Geld verdiente, lebte er sehr bescheiden.

Noch auf dem Totenbett (er starb an Darmkrebs) beklagte er sich, er hätte im Leben nichts erreicht. Leider konnte er nicht mehr erleben, wie sehr er in diesem Punkt irrte, da er heute als einer der weltweit einflussreichsten Autoren seines Genres gilt. Er hat Generationen von Schriftstellern inspiriert und war wegweisend im Bereich der Phantastik und der anspruchsvollen Horrorliteratur. Bei Lovecraft ist es kein plumper Horror, kein Blut, keine Eingeweide wie bei Stephen King. Nein, der Horror schleicht sich subtil ein. Es reichen bloße Andeutungen um dem Leser das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, ein wenig Werbung für diesen außerordentlich talentierten Schriftsteller zu machen, denn fast niemand scheint ihn zu kennen, was ich persönlich sehr schade finde. Trotz seiner Exzentrik muss er ein außergewöhnlicher und sehr interessanter Mensch gewesen sein, ich hätte ihn gern kennen gelernt. Da das aber natürlich nicht möglich ist, bleib mir an dieser Stelle nur, den Hut zu ziehen und mich zu verneigen. Er hat es verdient.

GL

12 Antworten zu “Howard Phillips Lovecraft – eine Liebeserklärung

  1. Artikel über Lovecraft zu lesen, freut mich immer wieder. Habe zwar schon länger keine Geschichten mehr von ihm gelesen, doch immer, wenn ich allein schon den Namen Lovecraft lese, läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken.
    Als Hörspieltipp würde ich „Die Farbe aus dem All“ (gelesen von Simon Jäger und muskalisch untermalt vom Orchester der Schatten) nennen wollen. Hat mich als Geschichte sehr gut gefallen. Es gibt sogar eine deutsche Verfilmung. Ist nicht schlecht umgesetzt, aber Lovecraft zu verfilmen ist sicherlich keine leichte Aufgabe.
    Wer sich für Videospiele interessiert, der darf sich dieses Jahr auf ein Action-/Stealth-Adventure mit dem Titel „Call of Cthuhlu“ freuen. Dieses soll Ende 2017 auf den Markt kommen.

    • Danke für den Kommentar, es ist schön zu sehen, dass noch andere Menschen diesen Autor kennen und lieben. Das Videospiel wird von mir bereits sehnsüchtig erwartet. 2006 gab es auch schon eins. Es hieß „Call of Cthulhu – Dark Corners of the Earth“ und war sehr gut. Und danke für den Hörspieltipp, ich werde es mir mal anhören. Das nächste Puzzle wartet schon und dazu passt ein gutes Hörbuch immer.

      Grüße aus Salzgitter, GL

      • Bei „Call of Cthulhu – Dark Corners of the Earth“ hab ich vor mehreren Jahren auch für ein paar Stunden gespielt. Leider ist es oft abgestürzt und an einer Stelle kam ich dann nicht weiter. Von der Atmosphäre her hat es mir aber echt gut gefallen. Vielleicht probier ich’s nochmal aus.

        Viele Grüße aus Landshut
        Christian

        • Ja, das Spiel lief nicht unbedingt stabil. Und es gab ein paar Stellen, an denen man absolut nicht weiterkam, bzw. erst nach langem Probieren.
          Spontan fällt mir da die Stelle ein, bei der man aus dem Hotel fliehen muss und die Tür hinter sich verriegelt. Oder der Tresor in der Kirche, der war schwer zu öffnen, weil die Hinweise zu kompliziert waren.
          Leider ist das Spiel grafisch so in die Jahre gekommen, dass es mittlerweile einfach keinen Spaß mehr macht. Ich warte daher auf das „Remake?“, das am Jahresende herauskommen soll.

          Grüße aus Salzgitter, GL

  2. Danke für den Hörspieltipp – Lovecraft hat mich ebenfalls in der Jugend durch den Hexer von Hohlbein erreicht. Selber hab ich es bisher noch nicht geschafft, mal ein Buch von Lovecraft zu lesen. Aber da ich gerade viel mit dem Auto unterwegs bin, ist so ein Hörspiel auf jeden Fall eine sehr gute Idee 🙂
    Grüße aus Salzgitter, Sü

    • Über Umwege gelangen wir dann doch immer wieder auf Facebook 😀
      Manchmal können einen Lehrer eben doch sehr positiv beeinflussen xD – Grüße, Sü

    • Von der Gesellschaft hab ich noch gar nichts gehört, das muss ich mir gleich mal ansehen. vielen Dank für den Hinweis 🙂 – Viele Grüße, Sü

  3. Ein wunderbarer Artikel, Lovecraft ist in meinen Augen einer der ganz großen Horror-Schriftsteller. Gerade die Tatsache, dass er seine Welten nicht allzu sehr in Blut tränkt und noch immer sehr unheimlich ist, hat mich immer fasziniert. Gerade Lovecrafts Konzeption des „Cosmic Horror“ hat mich immer begeistert, warum genau beschreibe ich in meinem Blog:
    https://nerd-feuilleton.com/2017/08/09/h-p-lovecraft-die-faszination-des-kosmischen-horrors/

    • Danke für den Blog-Tipp. Lovecraft ist auf alle Fälle einer der großen Horror-Schriftsteller! Bin zwar über Umwege zu ihm gelangt, aber so wie er schreibt bisher auch kein anderer – wie ich finde.

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