(Bibliotheks)erotik hinter Gittern

Neulich beim Durchgehen der Approval Pläne meiner Sachgruppen hatte ich ein besonderes Fundstück. Approval Pläne sind elektronisch aufbereitete Listen, die speziell auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind. Doch nicht immer kann die Technik ausschließen, dass Titel im System auftauchen, die nicht für unsere Bestände interessant sind. Als Lektor für den Bereich“Technik“ bekomme ich nicht nur Titel zum Fotografieren, sondern auch Bildbände zum Thema Fotografie. Von Landschaften über Tier- und Personenfotografie bis hin zu Aktfotografie trudeln hier die Neuheiten ein.

Dieser Band weckte mein besonderes Interesse:

hotgirlsafari

Bände mit Erotikfotografie gibt es viele. Und es gibt auch Verlage, die sich darauf spezialisiert oder ein besonderes Angebot haben. In Deutschland ist der Taschen Verlag recht bekannt, gut gemachte Bildbände zu publizieren. In öffentlichen Bibliotheken wird man nur die wenigsten Titel davon im Bestand finden. Wenn erotische Fotografie zum Beispiel zur Kunst wird, wie bei Helmut Newton, verliert sich evtl. mal ein solches Buch in eine Großstadtbibliothek. Ansonsten sind diese Werke für Sammler gemacht.

Gestolpert bin ich bei diesem Band über den grünen Aufkleber „Non-Nude U.S. prison friendly edition“. Da in diesem Buch also nicht zuviel gezeigt wird, ist er auch in US-Gefängnissen erlaubt?!

Kann man dieses Buch in US-Gefängnisbibliotheken in den Bestand stellen? Die International Federal Library Association (IFLA) bietet auf ihren Seiten auch klare Regeln, für eine Gefängnisbibliothek: http://archive.ifla.org/VII/s9/nd1/iflapr-92.pdf

American Library Association (ALA) bietet auf einer eigenen Seite ebenfalls viele Informationen: http://www.ala.org/tools/atoz/prison-libraries

Die „Rights to Read for Prisoners“ geben jedoch keine klare Literaturempfehlung zu den Beständen. Und in Deutschland? Zwar wurde die Gefängnisbibliothek in Münster 2007 als ‚Bibliothek des Jahres‘ ausgezeichnet und ganz aktuell ist die Gefangenenbücherei der JVA Dortmund zur „Gefangenenbücherei des Jahres“ gekürt worden, doch professionell hauptamtliche BbibliothekarInnen arbeiten dort selten. Das nicht mehr existierende deutsche Bibliotheksinstitut (dbi) erarbeitete in den 1980er Jahren einige Gutachten mit Richtlinien, die noch heute als Orientierungshilfe im Bereich der Büchereiarbeit in Justizvollzugsanstalten dienen und wichtige Hinweise zur Organisation einer Gefangenenbibliothek geben. Leider liegt mir dieses Werk nicht vor.

Und so bleibt es am Ende Spekulation, ob dieses Buch in Deutschland jemals einen Absatz für die Zielgruppe generieren wird. In Deutschland steht nur das Pflichtexemplar in der Deutschen Nationalbibliothek. Auch der WorldCat hat keine Nachweise – vielleicht weil die Bestände von Gefangenenbüchereien ihren Katalog nur wirklich für die Zielgruppe benötigt, die selten von aussen Bücher bestellt werden.

P.S.: Der sonst online so übliche Blick ins Buch ist scheinbar nur über die Verlagsseite von Goliath möglich. Also, wer mal reinschauen möchte , wird sogar den ersten Band dort finden.

ScG – Gerald Schleiwies

 

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