In Bibliotheken durch Skandinavien – Teil 2 – Malmö

Über die Stadtbibliothek von Malmö habe ich bereits einmal gebloggt, leider hatte ich einen der wenigen Tage erwischt, wo dieses laut städtischem Tourismusführer „Top 10 Highlight“ leider geschlossen hatte.

Doch da der Weg nach Skandinavien bei mir häufiger an Malmö vorbeiläuft, war das nicht so schlimm. Direkt an der Bibliothek liegt nicht nur der schöne Stadtpark, sondern man kann dort auch mit viel Glück einen zweistündigen kostenlosen Parkplatz in Innenstadtnähe bekommen.

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Die Bilder sind mit der Handykamera, die Eindrücke real entstanden. Typisch Nordisch muß man auch bei einer einfachen ersten Frage am Infotisch gleich am Eingang erst einmal eine Nummer ziehen – wir sollten das dringend für die Biliotheken in Salzgitter einführen 🙂

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Als Ort mit langer Aufenthaltsdauer hat die Stadtbibliothek auch ein eigenes Restaurant. Hier fand gerade ein Quiz zum Thema Kochen und Bücher statt. Glatt eine Anregung für unser nächstes Kulinarisches & Literarisches.

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Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausgebucht und alle waren fleißig am Raten und Essen.

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Sehr beeindruckt hat mich die Kinderabteilung. Nicht der Inhalt und die Aufmachung, sondern insbesondere der Eingang. Die Kinderabteilung ist mit Teppich ausgestattet. Wie sehr Teppiche in Bibliotheken leiden, wissen die Bibliotheksangestellten. Für die Kinderbibliothek gilt daher: „Schuhe aus!“ – natürlich gibt es extra Schuhregale, wo man seine Schuhe einstellen kann. Möchte man z.B. als Erwachsener seine Käsemauken lieber nicht öffentlich zeigen, gibt es einen Korb mit entsprechenden Überziehern.

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Ich habe das einige Minuten beobachten können. Das funktioniert! In einer Großstadtbibliothek! Ganz ohne große Hinweisschilder. Dass man ohne Schuhe besser lernt, konnte man in diesem Eintrag bereits lesen: http://inspiredbyfinland.com/de/2016/11/05/ohne-schuhe-die-schule/ – ob das auch in Bibliotheken eine Steigerung hervorrufen würde? Bei einer Erneuerung der Kinderbibliothek in SZ-Lebenstedt würde mich das „Schuhe-aus“-Prinzip jedenfalls lange begleiten.

Das Personal ist schnell erkennbar. Allein beim Thema „Dienstkleidung“ müsste in Deutschland erst einmal der Personalrat mit einbezogen werden. Aber, würde so ein Jäckchen ein Problem darstellen?

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Übrigens, seine Kinderwagen kann man an mehreren Plätzen abstellen. Und wenn man sein Luxusmodell nicht aufsichtslos abstellen möchte, kann man es auch anschließen – entsprechende Vorrichtungen sind vorhanden.

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Weit weg von den Kindern, sogar in einem anderem Stockwerk, ist die Jugendbibliothek untergebracht. Zwar in der Nähe, jedoch wiederum räumlich abgetrennt, gibt es eine eigene Manga- und Comicabteilung.

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Nicht fotografiert habe ich die Arbeitsräume und Studios mit Musikinstrumenten und PC-Arbeitsplätzen – diese waren allesamt belegt. Die Stadsbibliotek Malmö ist bereits der seit einiger Zeit in Deutschland geforderte Ort für Veranstaltungen und Medien. Allerdings nicht unbedingt ein sogenannter „dritter Ort“, denn hier sind viele Veranstaltungen seitens der Bibliothek geplant und die Arbeitsräume betreut. Ähnlich wie beim Bericht zu Tromsø war es nie ein Problem, einen Ansprechpartner zu finden. Auch nicht gegen 19 Uhr, wo diese Bilder entstanden sind. Die Personalausstattung ist nicht mit Deutschland vergleichbar, weswegen die Wünsche des Nachahmens hier ihre erste Hürde finden würden.

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Und so bleiben nicht zuletzt ein paar architektonische Impressionen; wie z.B. feste Stühle, die wir nur bei Fast-Food-Ketten kennen. Immerhin braucht man nachher nicht aufräumen und hier entstehen keine ungeplanten Lerngruppen.

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Trotz der beeindruckend großen Halle über 5 Stockwerke war es ruhig! Die Leseplätze waren gut belegt.

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Fotos dazu habe ich jedoch nicht gemacht, da dies ja nur ein bibliothekstouristischer Besuch war.

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Nicht alle Selbstverbucher funktionierten – auch das kann es in so einer Vorzeigebibliothek geben. Die zurückgegebenen Medien würden jedoch erst einmal sichtbar unter einem hindurchflitzen.

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Am Ende bleiben viele Ideen und Eindrücke. Und es bleiben eher politische Fragen. Die Bibliotheken im hohen Norden nehmen eine große gesellschaftliche Aufgabe wahr. Das läßt man sich einiges kosten. In Deutschland würden die Bibliotheken das ebenfalls gerne tun. Es wird ein sehr langer und mühsamer Weg, das den Entscheidungsträgern verständlich zu machen. Denn dahinter steht nichts anderes als ein anderes Denken für die Gesellschaft. Die Bücher und andere Medien sind auch dort noch ein Schwerpunkt. Aber eben nur einer!

Der letzte Teil der Reise endet nächste Woche in Helsinki in der Kirjasto 10, direkt am Hauptbahnhof der finnischen Hauptstadt.

ScG – Gerald Schleiwies

Eine Antwort zu “In Bibliotheken durch Skandinavien – Teil 2 – Malmö

  1. Pingback: In Bibliotheken durch Skandinavien – Teil 3 – Helsinki (und eine weitere ganz kleine Bibliothek) | Blog der Stadtbibliothek Salzgitter

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