Fake News und das Problem mit dem Dunning-Kruger-Effekt

Fake News oder gerne auch alternative Fakten genannt sind zwar kein aktuelles Problem aber gerade im Fokus der Öffentlichkeit. Die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) hat eine hilfreiche Übersicht zusammengestellt, die es hier auch als PDF gibt.

Scheinbar war insbesondere der 1. April ein Datum, wo man nicht jede Nachricht für bare Münze nimmt. Das ist schlecht für alle Nachrichten, die am diesem Tag der Wahrheit entsprechen.

Am Ende des Plakates wird geraten eine „Fact Checking Webseite“ zu besuchen. Neben dem gruseligen Denglisch wäre hier natürlich auch mal eine entsprechende Quelle zu nennen. Aktuell ist das Projekt der ARD gerade gestartet: http://faktenfinder.tagesschau.de/

Doch eigentlich geht es um mehr, nämlich um Infomationskompetenz (IK). Das diese bei amerikanischen Jugendlichen schlecht ausgeprägt ist, hatte ich bereits vor einiger Zeit hier gebloggt.

Vor kurzem erfuhr ich in der Zeitschrift „Libess“ in der Ausgabe März/April 2017 vom Dunning-Kugler Effekt.

Die Grundhypothese der Sozialpsychologen Dunning und Kruger lautet, dass je schlechter die Fähigkeiten oder je geringer das Wissen einer Person auf einem bestimmten Gebiet sind, umso weniger ist diese Person in der Lage die Leistungen in diesem bestimmten Bereich zu beurteilen. Das heißt, man neigt dazu, sich selbst zu überschätzen und ist zudem nicht in der Lage, das Wissen anderer zu beurteilen.

Und nun wird es für uns BibliotheksWesen interessant, die Schulklasse um Schulklasse Recherchekurse und Bibliothekseinführungen anbieten:

Eine wichtige Folge des Dunning-Kruger-Effekts ist der, dass Personen mit unterdurchschnittlichen IK-Fähigkeiten sehr unwahrscheinlich Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, da sie ein hohes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten besitzen. Dies gilt selbst wenn sie bei einer Suche scheitern oder nur sehr minderwertige oder unvollständige Informationen finden. Mit anderen Worten haben ausgerechnet diejenigen, die über geringe IK-Fähigkeiten verfügen und eigentlich Schulungen am nötigsten hätten, kaum eine Motivation entsprechende IK-Schulungen zu besuchen.

Aus eigenen Beobachtungen an unseren Infotresen, die die Internetrechner mitbetreuen kann ich dieser Aussage zustimmen:

Es gibt einen weitverbreiteten Glauben, dass die Google-Generation mit all ihren Computer- und Internetfähigkeiten gleichzeitig auch informationskompetent ist. Die vorliegende Auswertung zeigt, dass dies eher ein gefährlicher, d.h. falscher, Mythos ist. Der Umgang mit digitalen Geräten kann nicht automatisch mit Informationskompetenz gleichgesetzt werden. Es ist unverzichtbar, dass Informationskompetenz vermittelt werden muss. Sie ist nicht etwas, was man einfach mit der „Muttermilch“ aufsaugen kann.

Persönlich sehe ich mich immer mal wieder Fachfragen konfrontiert, wo ich auf den ersten Blick keine Ahnung habe. Für BibliotheksWesen in öffentlichen Bibliotheken ist das tägliches Brot. Und es ist keine Schande, dies auch mal zuzugeben um dem Nutzer dann zu erklären wie man sich auf die Suche begibt um eben oben geschilderten Problemen aus der Welt zu gehen. Das haben wir halt gelernt. „Ich weiß, das ich nichts weiß“ wäre zwar eine sokrateste Untertreibung, trifft jedoch den Kern.

Es schließt sich der Kreis zu oben gezeigten Bild, wenn man die Schlußfolgerung von Dunning und Kugler zusammenfasst:

Die Lösung für dieses Dilemma haben Kruger und Dunning selbst schon aufgezeigt und heißt mehr Bildung und Wissen für alle. Die grundsätzliche Überlegung dahinter lautet, dass man, wenn man über ein gewisses Wissensniveau verfügt, zumindest in der Lage ist zu entscheiden, ob eine Quelle als seriös oder unseriös einzustufen ist.

In der Herangehensweise dürfen wir dabei nicht überheblich wirken, denn sonst ist die wichtigste Zielgruppe nicht zu erreichen:

 Eine große Schwierigkeit ist allerdings, wie dieser Beitrag ebenfalls verdeutlicht hat, dass gerade diejenigen mit der geringsten Informations-kompetenz sich nicht oder nur schwer dazu verleiten lassen, sich diese fehlenden Kenntnisse anzueignen.

Mit diesem Wissen im Hintergrund werde ich den nun so langsam startenden Wahlkampf für die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag
am 24. September 2017 beobachten. Politiker im Wahlkampf immer mal wieder nach ihren Quellen für ihre Aussagen zu fragen halte ich in diesem Jahr für das wichtigste legitime Mittel zur jeweils eigenen Wahlentscheidung.

Eine entsprechend passende Veranstaltung dazu gibt es am 27. April 2017 im Haus der Wissenschaft in Braunschweig. „Tatsachen? Fake News- eine Gefahr für die Demokratie?“ heißt diese kompetent besetzte Veranstaltung.

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

 

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