Zeitreise mit Hamster – Nachlese von Literarisches und Kulinarisches

Vielleicht ist dem Einen oder Anderen die Idee gekommen, eine Zeitreise zu unternehmen. Insbesondere zurück, weil man zum Beispiel errechnet hat, dass die Zeit zum Lesen der ganzen Bücher nicht mehr ausreicht. Hier kommt die „Zeitreise mit Hamster“ von Ross Welford ins Spiel. Ich beginne einfach mal mit der ersten Seite. Übrigens eine der besten ersten Seiten, die ich seit langem zu Gesicht bekommen habe:

Mein Dad ist zweimal gestorben. Einmal mit neunundreißig und noch einmal vier Jahre später mit zwölf. (Er wird auch noch ein drittes Mal sterben, was für ihn natürlich nicht gerade erfreulich ist, aber das kann ich auch nicht ändern.)

Beim ersten Mal hatte ich gar nichts damit zu tun. Beim zweiten Mal schon, aber ich wäre ja nie dabei gewesen, wenn es seine „Zeitmaschine“ nicht gegeben hätte. Das klingt jetzt vielleicht so, als wollte ich die Schuld auf ihn abwälzen, doch das will ich gar nicht, bloß… ihr werdet schon sehen, was ich meine.

Wenn mich irgendjemand vorher gefragt hätte, wie eine Zeitmaschine aussieht, hätte ich jedenfalls gesagt wie ein U-Boot. Oder wie eine Rakete. Jedenfalls was mit Schaltern, Armaturen und Lichtern, aus Eisen oder so groß – richtig groß mit Triebwerken, Aggregaten und Reaktoren…

Stattdessen schaue ich jetzt auf einen Laptop und eine Zinkwanne aus dem Baumarkt.

Das ist Dads Zeitmaschine.

Dieses Buch habe ich mit jugendlich-kindlicher Freude verschlungen. Ganz nebenbei wird einem sogar die Relativitätstheorie erklärt, so dass es auch für Jugendliche verständlich ist. Am Ende habe ich mich schon gefragt, ob ich hier gerade mit Begeisterung Kinderliteratur gelesen habe.

Ja, habe ich!

Und mit meinem Gefühl stand ich nicht allein. Viele Erwachsene haben in Rezensionen in diversen Internetforen angegeben, sehr viel Spaß gehabt zu haben, als sie das Buch mit ihren Kindern zusammen gelesen bzw. daraus vorgelesen haben. Ross Wellford hat einen All-Age(r)-Roman erschaffen! Und warum soll ein Buch nicht für Erwachsene sein, nur weil die Hauptperson 12 Jahre alt ist? Bei Herrndorfs „Tschick“ hat ein ähnlicher Umstand auch zur altersübergreifenden Zustimmung geführt. Und wer sich ein wenig in seine Jugend versetzen kann, der wird hier seinen Spaß haben.

Doch worum geht es? An seinem zwölften Geburtstag findet Al Chaudhury einen Brief von seinem verstorbenen Vater. Doch anstatt auf liebevolle Worte zu blicken, findet Al darin eine Anleitung für eine selbstgebaute Zeitmaschine, bestehend aus einer Zinkwanne und einen Laptop. Damit soll er in das Jahr 1984 reisen, um mal eben den Tod von seinem Vater zu verhindern. Eigentlich muss er dafür nur einen einfachen Go-Kart-Unfall vereiteln. Hört sich doch ganz einfach an, oder? Da Al nicht auf den Kopf gefallen ist, wird alles gründlich durchdacht und vorbereitet. Doch irgendwie verselbstständigen sich die Dinge und Al schlittert von einer Katastrophe in die nächste.

Die kindlich naive Schreibweise von Welford bringt einfach Spaß, weil sie mit großer Intelligenz und Witz gewürzt ist. Es ist eine bezaubernde und liebevoll erzählte Geschichte. Und ohne den Hamster, der übrigens den nicht gerade gewöhnlichen Namen „Alan Shearer“ trägt, wäre die Geschichte nicht möglich gewesen.

Doch mehr möchte ich hier gar nicht verraten – außer, dass in der Stadtbibliothek dieses Werk wirklich bei den Kinderbüchern zu finden ist.

ScG

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