Hat auch Salzgitter eine Hatice Akyün ?

Der deutsche Bibliotheksverband hat seinen jährlichen Publizistenpreis verliehen. Er geht diesmal an Hatice Akyün. Die Journalistin wuchs in Duisburg-Marxloh auf. Das einzige Buch zu Hause war der Koran und ihre Eltern Analphabeten. Ihre Welt öffnete sich mit dem Bücherbus. Die rührende und wahre Geschichte hat sie in „Die Zeit“ publiziert.

Er lohnt sich gelesen zu werden!

Bücherbusse sind immer teure Angelegenheiten. Auf 20 Dienstjahre und mehr kommen diese Gefährte. Und Duisburg kann in Sachen Schulden unsere Kommune locker toppen. Doch für einen neuen Bus wurde das knappe Geld noch einmal in die Hand genommen. 35.000 Medien werden pro Jahr über den Bus ausgeliehen. Das ist nicht viel, selbst kleine Zweigstellen schlagen mehr um. Doch der Bus kommt halt zum Menschen und der Mensch muss nicht in die Bibliothek.

Würden wir in Salzgitter mehr Menschen, vor allem Kinder erreichen, wenn es wieder einen Bücherbus gäbe?

Die Stadtbibliothek hat noch Bilder von ihren Bussen, sogar mit Innenaufnahmen:

Von dieser Ära ist leider nur noch die Wendeplatte hinter der Stadtbibliothek-Lebenstedt übrig:

Heute besteht dort übrigens absolutes Halteverbot. Lediglich der Bücherkurier und die Paketdienste frequentieren kurzfristig den Parkkreisel, der auch heute noch für einen Bus Platz hätte.

Doch zurück zu Hatice Akyün. Salzgitter ist eine weit zersiedelte Großstadt mit weit von der Bibliothek entfernt liegenden Ortschaften. Auch haben sich die Zeiten seit dem Bericht stark gewandelt. Wir sind alle mobiler geworden! Wirklich alle? Die Kreise von Kinder haben sich nicht wirklich erweitert, oder?

Vielleicht erinnert sich hier mal eine Salzgitteranerin an den hiesigen Bücherbus. Gab es da ähnliche Empfindungen?

Ich erinnere mich an den Bericht aus dem finnischen Lappland, wo man kein Kind allein lassen will und der Bücherbus gewaltige Strecken hinter sich bringt, um auch noch das letzte Kind zu erreichen. Heute schwärmt das bibliothekarische Personal in die Schulen und Kindergärten der Stadt, die ehrenamtlichen Vorleser sind aktiv. Die soziale Komponente des Bücherbusses in Duisburg wird damit nicht abgedeckt.

Doch mich lässt auch der Gedanke nicht los, irgendwo in Ortsteilen wie Barum oder Osterlinde steht eine Ayasha, Saida oder Basima und ihre kleine Welt würde sich mit einem Bücherbus schlagartig vergrößern.

Und so steht das BibliotheksWesen wie so oft zwischen den Stühlen von finnischen Ansprüchen und deutschen kommunalen Realitäten. Unsere Wendeplatte ist wie das Gleis hinter dem Bahnhof von Lebenstedt Richtung Fredenberg. Still ruht der See, aber wenn man wollte…

ScG – Gerald Schleiwies

 

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