Über das Lektorieren und das Erwerben

Animiert zu diesem Blogbeitrag hat mich die Seite der Betriebsgruppe der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Sie verweisen in Ihrem Blog auf einen Bericht der Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf.

Wir kaufen tatsächlich (fast alles) selber! Und zwar in der Nähe. Diskutiert wurde jüngst die Frage, wo und wir Bibliotheken ihre Medien kaufen. Zeit- und Geldersparnis standen da – verkürzt gesagt – Ideen wie Vielfalt, Qualität und einem auf die Kunden abgestimmtem Angebot gegenüber. Viele Bibliotheken haben angesichts der Personalsituation und des Budgets wenig Spielraum.

In der Tat ist das Thema Erwerbung immer ein Thema und die bibliothekarischen Geister scheiden sich. Von sehr hohen „Standing Order“-Quoten, also sehr hohen fremdbestimmten Einkäufen, bis zum „selber machen“ ist alles dabei.

Auf der einen Seite steht ein mögliches Einsparpotential. Auf der anderen Seite steht jedoch auch die Gefahr einer austauschbaren Bibliothek. Natürlich versprechen die Dienstleister zielgruppengenaue Auswahl für die Bibliothek vor Ort. Doch geht das wirklich?

Anfang 2016 hat die Stadtbibliothek Salzgitter einen kühnen Schritt unternommen. Im Bereich der Sachmedien benutzen wir nicht mehr die standardisierten Besprechungsdienste auf kleinen Zetteln, sondern arbeiten mit Approval Plänen. Hintergrund ist, dass ein knappes Budget bestmöglich verteilt werden muss. Insbesondere das pda-print ist hilfreich, also das Verzeichnen von Büchern im Katalog, die wir erst dann kaufen, wenn es einen Nutzer gibt.

Auch gibt es hier die Möglichkeit ein wenig in die Zukunft zu schauen und zu bestellen.  Das schaut dann so aus:

Es zeigt sich gerade auch im Bereich Film und Belletristik, dass es weiteres Potential gibt. Denn unsere Nutzer wissen bei ihren Wünschen häufig schon, wann der Titel erscheint. Wir können diesen dann gleich bestellen, das Budget ist geblockt und der Titel schon (intern) recherchierbar.

Für meine Lektorate (EDV, Technik, Philosophie und Religion) kann ich zudem sagen, das ich viele Titel im alten Verfahren nicht mitbekommen hätte. Ein Beispiel:

Oh! Ja, das ist ein Screenshot eines großen Internetbuchhändlers. Doch das Buch ist aktuell dort nicht lieferbar. Obwohl erst Anfang Februar erschienen. Die Stadtbibliothek hat das Buch jedoch bereits im Regal. Ganz früh bestellt! Salzgitter ist ein möglicher Standort für zukünftige E-Autobatterien und damit für Hochvolttechnik. Auf jeden Fall werden hier Automotoren produziert. Dieses Buch muss in den Bestand (Tech 623). Im alten Verfahren ist der Titel (bisher) nicht recherchierbar.

Es gibt viele solcher Erlebnisse bei den Kolleginnen. In meinen Augen macht es Sinn, dass diese Stadt die Medien weiterhin von den Lektoren der Stadtbibliothek die Titel ausgewählt werden. Der Bestand ist der eine wichtige Teil, der eine Bibliothek ausmacht.

ScG – Gerald Schleiwies

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