Armut und Bibliotheken

Im Frühjahr 2017 erschien von Karsten Schuldt das Buch:

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Ich hatte zu Beginn der Veröffentlichung vom kostenfreien pdf Gebrauch gemacht. Das Buch wurde mir zudem vom Autoren noch einmal in der Printversion zur Verfügung gestellt. Und das gab die entsprechende Inspiritation, den Autoren bei einer nächsten Sitzung der deutschen Großstadtbibliotheken zum Thema einzuladen.

Man könnte mich somit als befangen erklären.

Doch das Thema ist wichtig. Wobei, es geht hier ausschließlich um finanzielle Armut.

In Österreich sorgte der Inhalt des Buches bereits für einen öffentlichen Diskurs. Um soziale Integration ging es in diesem Radiobeitrag von Ö1 (http://oe1.orf.at/programm/20170612/476035) und auch der Büchereiverband Österreich hat schon im Rahmen eines Austausches miteinander diskutiert. Karsten Schuldt hat seine Einleitung in seinem Blog dokumentiert: https://bildungundgutesleben.wordpress.com/2017/06/13/armut-und-bibliotheken-wo-stehen-wir-wo-wollen-wir-stehen-impulsvortrag-wien-12-06-2017/

Nach dem Studium der ersten Seiten, stellen sich dem fachkundigen Leser z.B. folgende Fragen:

1.) Wenn es Sozialtarife bei den Jahresgebühren gibt, gibt es diese auch bei den Mahngebühren? Und wenn nicht – warum? Sind Einzelgebühren, z.B. für Filme oder Bestseller noch zeitgemäß? Oder eher unsozial und ausgrenzend?

2.) Sind Angebote für „Arme“ möglich? Was benötigt diese Zielgruppe? Oder ist diese genauso wenig zu händeln wie vor einigen Jahren ein Bestandsaufbau für „Ü50“-Bestände?

In der Bibliothekswissenschaft ist die Thematik bisher nur spärlich und wenig umfassend erörtert worden.

Schuldt packt den Zusammenhang in einen großen Frageblock:

Sollten Bibliotheken in einer sozial gerechten Welt sich gesondert darum bemühen, dass Menschen in Armut ihre Angebote nutzen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass (a) Bibliotheken steuerfinanziert und allen zugänglich sind, (b) das zumindest bestimmte Nutzungsformen von Bibliotheken finanzielle Aufwendugen bedeuten, die für Menschen in „Armut“ spürbar sind, für andere Menschen eher nicht, (c) sie eventuell weniger in Kommunikationsnetzwerkeeingebunden sind, die über die Nutzungsmöglichkeiten der Bibliotheknutzung informieren, als andere Menschen, (d) die ssich tendenziell eher auf von Ihnen als „kontrollierbar“ wahrgenommene Räume und Zusammenhänge zurückziehen, als andere Menschen?

„Die Anmerkungen zu einer notwendigen Diskussion“ sind hiermit gelegt. Eine Recherche in den Sozialwissenschaften ist unumgänglich, um Verbindungen ziehen zu können.

Das knapp 200 S. starke Bändchen ist eine lohnenswerte Lektüre für eine wichtige Diskussion, denn die sozial Schwachen werden regelmäßig als selbstverständliche Zielgruppe in den Profilen der öffentlichen Bibliotheken mit aufgeführt.

ScG – Gerald Schleiwies

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