Angebote einer guten Bibliothek

Welches Angebot sollte eine gut bestückte Bibliothek umfassen?

Romane. Sachbücher. CDs. Graphic Novels. DVDs. Blu-Rays. Zeitschriften. Hörbücher. eBook-Reader. Honig?

Honig! Ja, richtig gelesen. Gibt´s nicht. Gibt´s doch!

Hier ist der Beweis!

Rie

Lesestoff per Boda-boda

Ein Hoch auf die sozialen Medien. Ich wäre sonst bestimmt nicht auf den Artikel „Mobile Kinderbücherei in Uganda: Lesestoff per Boda-boda“ aus der Online-Ausgabe der taz gestoßen.

Darin erfährt man, wie unglaublich teuer ein buntes Kinderbuch ist und aus welchen Gründen Rosey Sembatya ihre „Kinderbücherei“ gegründet hat, wie die Resonanz darauf ist und wie sie an „neue“ Bücher gelangt. Und natürlich, was ein Boda-boda ist (bloggen bildet, bis zur Lektüre kannte ich das ehrlich nicht).

Ich finde die Artikel, die sich mit der Literaturversorgung in anderen Ländern beschäftigen, immer sehr spannend. Vor allem, welche z.T. unkonventionellen Wege manchmal eingeschlagen werden und dass es nicht selbstverständlich ist ohne weiteres mit Büchern aufwachsen zu können.

Rie

Krimis, Krimis, Krimis

Letztens stolperte ich, wie so oft bei der Suche nach etwas anderem, über Miss Marple – Die Krimibuchhandlung in Berlin. Ich lese selber sehr gerne Krimis, besonders die von Agatha Christie, der „Queen of Crime“. Und nun gibt es in Berlin einen Krimibuchladen, der nach ihrer bekannten Romanfigur benannt ist. Hier der Link, falls sich das mal jemand bei einem Berlinbesuch genauer ansehen möchte. Ich schaue vielleicht nächste Woche vorbei, wenn ich es schaffe.

In Berlin kommen Krimiliebhaber aber auch in der Bruno-Lösche-Bibliothek auf ihre Kosten. Denn dort gibt es einen Krimi-Salon. Alles was die Bibliothek zum Thema Krimi zu bieten hat, ist hier an einer Stelle vereint. Das fängt bei den (Hör-)Büchern an, geht über Filme und Serien auf DVD und BluRay bis hin zu Gesellschafts- und Konsolenspielen. Insgesamt sind das immerhin über 8000 Medien. Abgerundet wird das ganze dann noch mit passenden Veranstaltungen.

Wenn jetzt noch jemand Lust auf einen Krimi bekommen hat, wir haben heute geöffnet 😉

Eine große Ehrung für eine kleine Bibliothek – ein internationaler Preis geht nach Bad Oldesloe

Als Kind war ich „Speckgürtelhamburger“. Nein, das hat nichts mit meinem Gewicht zu tun, sondern mit dem Wohnort. Reinbek bei Hamburg (noch Standort des Rowohlt Verlages) grenzt direkt an Hamburg. Die Vorwahl ist die von Hamburg, die Busse sind vom HVV. Doch eigentlich ist man bereits in Schleswig-Holstein. Die Kennzeichen der Kfz tragen das Kürzel „OD“ zumeist mit „oller Dussel“ übersetzt. Doch dahinter verbirgt sich die Kreisstadt Bad Oldesloe.

Bei den öffentlichen Bibliotheken hört und liest man häufig von Projekten von den großen Städten wie Hamburg, Köln oder München. Die vielen kleinen Einrichtungen haben jedoch oft genauso interessante Sachen auf Lager. Brilon in NRW oder Westoverledingen in Niedersachsen kamen durch sehr aktive KollegInnen immer wieder mal zum Vorschein.

Aber Bad Oldesloe? Die 25.000 Einwohner große Kreisstadt meiner jugendlichen Heimat?

Am 2. April 2013 äußerte ich hier mal Ideen zum Library Gardening. Doch im Endeffet entschieden wir uns für ein Gartenschachspiel und gemütlichen Loungemöbeln statt für den Anbau von Tomaten und Gurken.

Die KollegInnen in Bad Oldesloe haben das Thema gleich ganzheitlich für die Stadt angefasst. Im September 2015 durfte ich für die Seite Informationspraxis.de ein Gutachten schreiben. Es ging um das Projekt „Urban Gardening und öffentliche Bibliotheken.“ Das Projekt hat mich begeistert und mehr Informationen dazu findet man hier: http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ip/article/view/23822

Zudem war es auch ein Projekt des Masterstudienganges in Köln, den ich einige Jahre zuvor erfolgreich hinter mich gebracht hatte. Fazit: Da ist in meiner ursprünglichen bibliothekarischen Heimat in Schleswig-Holstein etwas ganz Tolles auf die Beine gestellt worden.

Das fand nun auch die IFLA. Die internationale Bibliotheksorganisation hat diesem Projekt nun einen Preis verliehen, den IFLA Green Library Award. Mehr dazu findet sich hier: http://www.ifla-deutschland.de/tag/nachhaltigkeitsziele/

Nächste Woche wird auf der Jahresversammlung der IFLA in Wroclaw/Polen der Preis verliehen.

Von meiner Seite einen ganz dicken herzlichen Glückwunsch – auch in der Provinz, die ja bekanntlich beinah überall in Deutschland ist, werden tolle Sachen in Bibliotheken in Angriff genommen.

Ob das Team in Salzgitter Bad nächstes Jahr nicht doch noch anfängt, für die Kochabende in der Bibliothek das Gemüse vorher selbst zu ziehen, wird die Zeit zeigen.

Grüße in die alte Heimat und macht weiter so!

ScG – Gerald Schleiwies

 

„Das ist alles nicht erlaubt“ – Bücher (und mehr) auf der Documenta 14

Es ist Documenta in Kassel und die Kunstinteressierten pilgern wieder nach Kassel. Die Braunschweiger Zeitung titelte noch gestern: „So viel Mittelmaß war noch nie“ und ich bin geneigt, mich diesem Statement anzuschließen. Über den erhobenen moralischen Zeigefinger dieser Kunstwerke ist bereits oft geschrieben worden. Doch es wäre nicht Documenta, wenn es nicht doch etwas Herausragendes zu sehen gäbe.

Für das BibliotheksWesen ist das in diesem Jahr sogar kostenlos, denn das Parthenon der verbotenen Bücher bzw. das „Parthenon of Books“ thront das Kunstwerk der argetinischen Künstlerin Minujin mitten auf dem Friedrichsplatz; übrigens nach den Originalmaßen der Akropolis in Athen.

Das ist nicht zu übersehen:

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Die Uni Kassel hat eine Liste von 60.000 Titeln (!) erarbeitet, die verboten waren oder sind und die sich hier befinden könnten.

Aus der Nähe betrachtet, sieht das dann so aus:

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Ja, auch Harry Potter hat es getroffen, wenn auch nicht in der deutschen Ausgabe.

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Viele Titel davon sind heute in jeder deutschen Bibliothek gängiges Repertoires. Nach der Documenta 14 wird der Bau übrigens abgerissen und die Bücher können mitgenommen werden. Und? Schon einen Titel gefunden?

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Es gab noch ein zweites Bücherkunstwerk, welches mich beeindruckt hat:

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Maria Eichhorns Werk heißt, was es ist – „Unrechtmäßig aus jüdischem Eigentum erworbene Bücher“

Diese sind aus dem Zugangsbuch J 1943 aus jüdischen Haushalten in den Bestand der Berliner Stadtbibliothek gewandert. Das Zugangsbuch J gehört heute zur ZLB, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt hier zu sehen, denn insgesamt sind damals 40.000 Bände aus jüdischen Haushalten durch Enteignung oder als „Schenkung“ der Bibliothek zugeführt worden. Seit 2010 laufen dort die Recherchen zu diesem geschichtlichen Teil des NS-Raubgutes.

Und so ist auch dieses Kunstwerk für die Einen wieder der erhobene moralische Zeigefinger, für Andere wiederum aufgrund der Installationsart eine beeindruckende Aufklärung. Es wurde jedenfalls fleißig geschaut und fotografiert.

Wenn das BibliotheksWesen dann den Blick durch die berufliche Brille mal absetzt, entdeckt es auch Kunst, die nicht nur mich beeindruckt hat. Geschafft haben das die Sami Artist Group. Das einzig indigene Volk Europas wohnt dort, wo ich seit einiger Zeit wegen der Natur und der Menschen dort gerne im Urlaub bin – in Lappland. Der Vorhang aus dreihundert Rentierschädeln von Maret Anna Sara ist genauso oft positiv in den Kritiken erwähnt worden wie das 24 Meter lange Strickbild von Britta Marakatt-Labba. 3Sat hat sich diesen Künstlern in einem eigenen Bericht angenommen:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=68036

Noch Mitte des letzten Jahrhunderts war die samische Sprache verboten. Die Bücher wurden verbrannt. Die Werke hätten somit auch ihren Platz im Partheon auf dem Friedrichsplatz gehabt. Vielleicht waren auch welche mit dabei. Ganz oben! Im Norden des Kunstwerks!

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ScG – Gerald Schleiwies

Dienstbekleidung – jetzt mal ganz wissenschaftlich

Vor über fünf Jahren äußerte sich dieser Blog mal über Dienstbekleidung des BibliotheksWesens:

https://stadtbibliotheksalzgitter.wordpress.com/2012/07/27/dienstkleidung-in-der-bibliothek/

Von der „Aktionsware“ im Rahmen von Veranstaltungen über Fan-Shirts bis zu nackten Besuchern der amerikanischen Nudistenbibliothek war der Eintrag nicht ganz ernst gemeint. Bei der HTW Chur wurde das Thema Bibliotheksbekleidung nun im Rahmen einer Masterthesis verarbeitet:

Churer Schriften zur Informationswissenschaft – Schrift 90

Marcella Haab-Grothof

„Kleider machen BibliothekarInnen“: Der Einfluss von Kleidung des Bibliothekspersonals auf die Kontaktaufnahme von Benutzenden

Chur, Juli 2017

Die Arbeit steht hier zur Verfügung: http://www.htwchur.ch/uploads/media/CSI_90_Haab.pdf

Die Ergebnisse lesen sich recht unterhaltsam. Und zufällig schreibe ich gerade in Blau gekleidet den Beitrag – also schon mal vorbildlich und vertrauenserweckend 🙂 Über einen „DressCode“ in unserer Stadtverwaltung nur sehr wenig. Eine Bekleidungsverordnung aus dem Jahre 1979 betrifft eher Bereiche der Dienstbekleidung bzw. Uniformen.

In dieser Arbeit sind andere Beispiele aufgeführt, z.B. aus der GGG Basel:

  • Das bedeutet Verzicht auf Freizeit- und Ferientenüs. Das Tragen von Hausschuhen ist in der Öffentlichkeit nicht erlaubt. (z.B. Finken, Birkenstock, etc.).
  • Herren tragen lange Hosen (auch im Sommer), Hemd oder Poloshirt (keine Freizeit-T-Shirts mit Aufdruck). Darüber können Pullover, Jacke oder Kittel getragen werden. Falls offene Schuhe getragen werden (weniger erwünscht), bitte nur mit Socken.
  • Damen achten auf gepflegte Kleidung, keine Freizeit-T-Shirts mit Aufdruck, keine bauchfreie Kleidung, keine Shorts und Miniröcke. Bei offenen Schuhen sind gepflegte Füsse wichtig.

Birkenstocks sind Hausschuhe? Über das aktuelle Topmodell Gizeh mögen sich zwar die Geschmäcker streiten, aber im Sommer läuft dann gefühlt ein großer Teil der Bevölkerung mit Hausschuhen durch den Alltag.

Doch das sind Spitzfindigkeiten. Man wird mich weiterhin mit Hemd und (langer) Hose und geschlossenen Schuhen im Betrieb vorfinden. Und gerne auch mal mit grünem Hemd – die Auswirkung der Farbe wird in der Studie leider nicht erwähnt. Als Mann, der das Buch „Angezogen“ von Barbara Vinken noch im Kopf hat, eine leicht begründbare Entscheidung. Doch so manches Mal denke ich mir bei einigen Kleidungsstilen der Damen im Sommer – „Winter hat auch sein Gutes!“

ScG

Wenn es nach Stall riecht…

…wird es für Bibliothekare erst richtig interessant. Dann ist klar, dass man es mit Pergamenten aus dem frühen Mittelalter zu tun hat. Quelle: Spiegel vom 13.05.2017 Seite 104 / Wissenschaft

Das wusste ich bisher auch noch nicht! Aber so geschehen in Österreich. Da die Pergamente aus dieser Zeit aus Tierhäuten bestehen, geben sie diesen charakteristischen Geruch ab. Aber warum erzähle ich das: Weil im österreichischen Admont (Nähe Linz) ein Bibliothekar seiner Nase gefolgt ist, fand er zwei handtellergroße Pergamentstücke, beschriftet in lateinisch und deutscher Sprache. Das war 2012. Heute ist klar, dass es sich um….

[…] ein Werk [handelt], das mutmaßlich etwa ab dem Jahr 770 erstellt wurde und als das älteste Buch in deutscher Sprache gilt. 

Quelle: Spiegel vom 13.05.2017, Seite 104 / Wissenschaft

Es handelt sich dabei wohl um die vierte Version des sogenannten Abrogans – ein Synonymwörterbuch, in dem lateinische Begriffe ins Althochdeutsche übertragen wurden. Ein toller Sensationsfund, der allerdings eine Frage noch offen lässt – was ist mit dem Rest geschehen? Denn zwei Pergamentstücke machen noch kein Buch. In Admont wurde es nicht hergestellt, doch ist auch nicht klar wie es dahin kam. Möglich ist, dass es recycelt wurde und einzelne Teile z.B. für Buchdeckel herhalten mussten.

Den ganzen Artikel können Sie online über unser Genios-Portal lesen. Wählen Sie auf der Seite der digitalen Dienste Genios aus, melden Sie sich mit Ihrer Benutzernummer der Stadtbibliothek Salzgitter und dem Kennwort (Geburtsdatum ohne Punkte) an. Auf der Startseite finden Sie den Spiegel – anklicken und dann im Suchfeld Admont eingeben. Dann wird Ihnen der Artikel vom 13.05.2017 angezeigt. Wirklich ein interessanter Bericht, lesenswert!

Und über eines bin ich wirklich sehr glücklich, dass Bücher nicht mehr aus Pergament von Tierhäuten bestehen. Denn den ganzen Tag möchte ich dann doch nicht von Stallgeruch umgeben sein – weder zu Hause noch auf Arbeit 😉