Neues von der Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer kennt in Deutschland zum größten Teil nur zwei Stufen: 7% oder 19%, was sich erst einmal einfach anhört. Doch wehe man beschäftigt sich tiefer in der Materie.

In unserem Blog habe ich das bereits öfter getan:

Das Mehrwertsteuerquiz

Das Mehrwertsteuerquiz – die Europaversion

Hörbuch oder Hörspiel – das ist hier die Mehrwertsteuerfrage

Erst vor kurzem musste ein digitaler Anbieter bei uns den Preis erhöhen, weil das Finanzamt der Meinung ist, das Angebot ist mit 19% Mwst. zu bepreisen. Dieser Bibliotheksblog ist übrigens nicht der Einzige mit solchen Themen,  eMedienFranken berichtet ebenfalls gerne von der Materie. Es wird politisch auf Europa geschielt bei solchen Entscheidungen. und das kann bekanntlich dauern. Der Tanz um das digitale Exemplar „E-Book“ und das physische Buch mit unterschiedlichen Mwst.-Sätzen für den gleichen Inhalt war ein langer.

Doch nun gibt es Bewegung. Arne Upmeier, im deutschen Bibliotheksverband ein Aktiver in der Kommission „Recht“ twitterte es in meiner Timeline als Erstes:

Hier kann man es sich ab Minute 3:28 auch noch mal selbst anhören. In diesem Bereich kann ich nur sagen: „Endlich!“ – auch wenn es bis zur Umsetzung noch dauert. Wenn Herr Schäuble als oberster Bewacher der Mehrwertsteuer sich dann auch gleich noch mal den Hörbüchern und den Hörspielen oder den Malbüchern widmen könnte…

ScG

AMS ist nun DIY und FadG wird ersetzt durch kt

Häh!

Jaaaa, Dipl.-Bibl. u. FaMi sind Abkürzungswesen (Abkw.). Jedenfalls die, die noch mit Karteikarten groß geworden sind. Dank der Größe einer solch genormten Karte gab es auch RAK, das Regelwerk zur alphabetischen Katalogisierung. Natürlich nicht nur ein RAK, sondern ein RAK-Musik, ein RAK-ÖB (öffentliche Bibliotheken) und so weiter.

Und ganz selten, wenn wir unter uns bleiben wollen, sprechen wir in Abkürzungen miteinander. Das hört sich dann fast so wichtig an wie beim Zahnarzt, wenn er die Zahnreihen beschreibt – bleibt jedoch auf jeden Fall geheimnisvoll.

So ergab sich in einem bibliothekarischen Forum vor kurzem die Frage, welche DIY Zeitschrift wir denn jeweils im Bestand hätten.

DIY?

Es hat ein wenig gedauert, bis ich auf „Do it yourself“ gekommen bin. Selber etwas erstellen ist ja bereits seit längerem wieder im Trend. Hobbyköche, Hobbygärtner und Hobbybastler haben wichtigen Einfluß auf den Medienmarkt.

Und was ist nun AMS?

In der Diskussion um Bibliothek als dritten Ort und Makerspaces brauchte es nun wohl ein Wort der Abgrenzung. Zwischenzeitlich wurde das Wort analoges Makerspace gebraucht, wenn es um das meist nichttechnische Selbermachen ging. Kulinarisches & Literarisches ist daraus entstanden.  Und in Skandinavien wird ebenfalls nicht nur gekocht und gerätselt (Malmö Bok & Kok), sondern auch gestrickt, gehäkelt und andere Fäden zusammen gesponnen; z.B. wie selbst in Kiruna oder Tromsø gesehen.

Also das analoge Markerspace ist nun Do ist yourself – alles klar?

Das wirkt sich auch auf unsere Zeitschriften aus. Denn wenn irgendwo etwas zum Nachmachen in den Heften ist, laufen diese in unseren Bibliotheken ganz hervorragend. Leider gilt das nicht immer auch auf dem freien Markt. Die Zeitschrift „Frisch aus dem Garten“ ist solch ein Fall . Die wenigen bisher erschienenen Hefte waren sehr gut nachgefragt. Leider hat das Magazin sein Erscheinen eingestellt bzw. firmiert nun demnächst unter „Frisch auf den Tisch“, weil Essen selber machen wohl noch mehr die Zielgruppe anspricht als „Selber anbauen“ und es dann selber essen.

Also ist Platz für eine DIY Zeitschrift.

Beim Stöbern in der Bahnhofsbuchhandlung bin ich auf die neue Zeitschrift Kreativtrends aus dem OZ Verlag gestoßen:

Die Kolleginnen waren sehr angetan von der Aufmachung, dem Inhalt und den zumeist einfachen Mitteln, um es auch wirklich nachzumachen. So wird das Heft in Kürze in allen drei Bibliotheken zur Verfügung stehen. „Frisch aus dem Garten“ (FadG) wird nun ersetzt durch „kreativtrends“ (kt), das Magazin zum Selbermachen.

Oder um es bibliothekslektorisch korrekt auszudrücken: „AMS = DIY,  FadG ist eing., Ers. durch kt“ 🙂

ScG – Gerald Schleiwies

Fake News und das Problem mit dem Dunning-Kruger-Effekt

Fake News oder gerne auch alternative Fakten genannt sind zwar kein aktuelles Problem aber gerade im Fokus der Öffentlichkeit. Die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) hat eine hilfreiche Übersicht zusammengestellt, die es hier auch als PDF gibt.

Scheinbar war insbesondere der 1. April ein Datum, wo man nicht jede Nachricht für bare Münze nimmt. Das ist schlecht für alle Nachrichten, die am diesem Tag der Wahrheit entsprechen.

Am Ende des Plakates wird geraten eine „Fact Checking Webseite“ zu besuchen. Neben dem gruseligen Denglisch wäre hier natürlich auch mal eine entsprechende Quelle zu nennen. Aktuell ist das Projekt der ARD gerade gestartet: http://faktenfinder.tagesschau.de/

Doch eigentlich geht es um mehr, nämlich um Infomationskompetenz (IK). Das diese bei amerikanischen Jugendlichen schlecht ausgeprägt ist, hatte ich bereits vor einiger Zeit hier gebloggt.

Vor kurzem erfuhr ich in der Zeitschrift „Libess“ in der Ausgabe März/April 2017 vom Dunning-Kugler Effekt.

Die Grundhypothese der Sozialpsychologen Dunning und Kruger lautet, dass je schlechter die Fähigkeiten oder je geringer das Wissen einer Person auf einem bestimmten Gebiet sind, umso weniger ist diese Person in der Lage die Leistungen in diesem bestimmten Bereich zu beurteilen. Das heißt, man neigt dazu, sich selbst zu überschätzen und ist zudem nicht in der Lage, das Wissen anderer zu beurteilen.

Und nun wird es für uns BibliotheksWesen interessant, die Schulklasse um Schulklasse Recherchekurse und Bibliothekseinführungen anbieten:

Eine wichtige Folge des Dunning-Kruger-Effekts ist der, dass Personen mit unterdurchschnittlichen IK-Fähigkeiten sehr unwahrscheinlich Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, da sie ein hohes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten besitzen. Dies gilt selbst wenn sie bei einer Suche scheitern oder nur sehr minderwertige oder unvollständige Informationen finden. Mit anderen Worten haben ausgerechnet diejenigen, die über geringe IK-Fähigkeiten verfügen und eigentlich Schulungen am nötigsten hätten, kaum eine Motivation entsprechende IK-Schulungen zu besuchen.

Aus eigenen Beobachtungen an unseren Infotresen, die die Internetrechner mitbetreuen kann ich dieser Aussage zustimmen:

Es gibt einen weitverbreiteten Glauben, dass die Google-Generation mit all ihren Computer- und Internetfähigkeiten gleichzeitig auch informationskompetent ist. Die vorliegende Auswertung zeigt, dass dies eher ein gefährlicher, d.h. falscher, Mythos ist. Der Umgang mit digitalen Geräten kann nicht automatisch mit Informationskompetenz gleichgesetzt werden. Es ist unverzichtbar, dass Informationskompetenz vermittelt werden muss. Sie ist nicht etwas, was man einfach mit der „Muttermilch“ aufsaugen kann.

Persönlich sehe ich mich immer mal wieder Fachfragen konfrontiert, wo ich auf den ersten Blick keine Ahnung habe. Für BibliotheksWesen in öffentlichen Bibliotheken ist das tägliches Brot. Und es ist keine Schande, dies auch mal zuzugeben um dem Nutzer dann zu erklären wie man sich auf die Suche begibt um eben oben geschilderten Problemen aus der Welt zu gehen. Das haben wir halt gelernt. „Ich weiß, das ich nichts weiß“ wäre zwar eine sokrateste Untertreibung, trifft jedoch den Kern.

Es schließt sich der Kreis zu oben gezeigten Bild, wenn man die Schlußfolgerung von Dunning und Kugler zusammenfasst:

Die Lösung für dieses Dilemma haben Kruger und Dunning selbst schon aufgezeigt und heißt mehr Bildung und Wissen für alle. Die grundsätzliche Überlegung dahinter lautet, dass man, wenn man über ein gewisses Wissensniveau verfügt, zumindest in der Lage ist zu entscheiden, ob eine Quelle als seriös oder unseriös einzustufen ist.

In der Herangehensweise dürfen wir dabei nicht überheblich wirken, denn sonst ist die wichtigste Zielgruppe nicht zu erreichen:

 Eine große Schwierigkeit ist allerdings, wie dieser Beitrag ebenfalls verdeutlicht hat, dass gerade diejenigen mit der geringsten Informations-kompetenz sich nicht oder nur schwer dazu verleiten lassen, sich diese fehlenden Kenntnisse anzueignen.

Mit diesem Wissen im Hintergrund werde ich den nun so langsam startenden Wahlkampf für die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag
am 24. September 2017 beobachten. Politiker im Wahlkampf immer mal wieder nach ihren Quellen für ihre Aussagen zu fragen halte ich in diesem Jahr für das wichtigste legitime Mittel zur jeweils eigenen Wahlentscheidung.

Eine entsprechend passende Veranstaltung dazu gibt es am 27. April 2017 im Haus der Wissenschaft in Braunschweig. „Tatsachen? Fake News- eine Gefahr für die Demokratie?“ heißt diese kompetent besetzte Veranstaltung.

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

 

Kinderzeitschriften – Entscheidungsprobleme in der Genderfalle

Regelmäßig kontrollieren wir unsere Zeitschriften auf Ausleihnutzung. Das gilt auch für die Kinderzeitschriften. Das Angebot ist da zur Zeit etwas dünn und zudem einseitig. Neben Geolino mit Nebentiteln und National Geographic Kids ist nicht mehr viel Bestand da. „Zeit Leo“ wurde nicht angenommen, „Dein Spiegel“ tut sich schwer und gerne stellen Kinderzeitschriften auch einfach mal ihr Erscheinen ein, wie z.B. „Willi wills wissen“.

Also mal schauen, was es dann so gibt. Es eignen sich dafür die größeren Bahnhofsbuchhandlungen mit umfassendem Sortiment. Das BibliotheksWesen stürmt in die Plastikabteilung. Beinahe jedes Heft ist komplett verschweißt, damit das Gimmick nicht verloren geht, ohne dass ein solches Heft quasi unverkäuflich ist. Hinter die Kulissen der „Gimmifizierung“ hat mal der Kioskforscher geblickt.

Damit ergibt sich das erste Problem. Das so prominente Gimmick ist in Bibliotheken nicht verleihbar und auch nicht wirklich häufig nutzbar. Zudem kann der Inhalt erst nach Kauf überprüft werden. Auch nur daran zu denken, mitten in der Bahnhofsbuchhandlung mal eben die Blisterfolie neben sich zu häufen, um die Magazine bibliothekarisch zu begutachten, bringt zwar dem Kopfkino Spaß – doch ist in der Realität nicht ratsam.

Für das zweite Problem muß ich etwas ausholen. Die städtische Gleichstellungsbeauftragte fragt regelmäßig ab, ob unser Bestand den Genderrichtlinien entspricht und die Medien entsprechend einkaufen. Die in der Auslageware hinter Plastik verschweißten Begehrlichkeiten schreien mich jedoch an: „Ich bin Rosa und nur für Mädchen“ – „Ich bin blau (und schwarz) und für Jungen. Selten ist mir der redaktionelle Vorschlaghammer der frühkindlichen Stereotypenförderung doller um die Ohren gehauen worden als zwischen den Kinderzeitschriftenregalen von Bahnhofsbuchhandlungen. Tut mir leid, als Kind der 1970er Jahre kann ich das nicht gutheißen.

Es zeigt sich, dass wenn ich die 90% Klischee nicht beachte, nur noch oben genannter Bestand von Geolino& Co übrig bleibt. Und die Micky Maus – wer hätte das gedacht! Die seltsame Entwicklung von Geschlechterrollen selbst für Gurken im Glas wird mir nun klarer. Es gibt im Netz einige Seiten, die sich darüber entsprechend aufregen; z.B. http://ich-mach-mir-die-welt.de/tag/gendermarketing/ , wo die Prinzessinnensuppe neben der Feuerwehrmannsuppe steht, beide mit gleichem Inhalt, und das nicht mal der größte Quatsch ist. Die Satire Sendung Extra 3 hat das am 23.03.2017 neulich entsprechend behandelt:

Mir ist das Lachen leider im Hals steckengeblieben – ich ärgere mich über diese Auswüchse. Müssen deutsche Kinderbibliotheken bald in blaue und rosa Bereiche unterteilt werden, um weiterhin fit für die Zukunft zu sein?

Zurück zu den Zeitschriften, denn es gibt noch ein drittes Problem. Das Gimmick ist nicht zu groß, die Genderfalle schnappt nicht zu und auf den ersten Blick sieht das Heft von „Der kleine Rabe Socke“ sehr gut aus.

Die Kollegin mit Kindern im entsprechenden Alter verweist auf die vielen Malmöglichkeiten, den Bastelbogen zum Ausschneiden und andere Features, die nach Bearbeitung eher an den Titel „Mach dieses Buch fertig“ erinnern. Und wer kopiert wirklich vorher die Seiten, damit eine weitere Ausleihe möglich ist?

Die Auswahl in den Regalreihen schmilzt weiter. Das Heft „Tiere“ besteht nur noch aus bunten Bildern, die Pferdemagazine kennen beinah naturgemäß nur eine Zielgruppe und die Hefte, die auf TV-Serien basieren interessieren nur so lange, wie es die Serie im TV gibt. Das würde unsere Aboabteilung überfordern.  Wie stark die Auflagen schwankten, zeigt ein Screenshot von DWDL.de

Fazit: Die Entscheidung für Kinderzeitschriften ist nicht einfach. Es gibt viele Kriterien zu beachten. „Prinzessin Lillifee“ neben „Bob, den Baumeister“ zu stellen, um ausgleichende Gerechtigkeit herbeizuführen, ist keine Lösung. Ob dem „Playmobil Magazin“ noch ein „Playmobil Pink“ fehlte? Wenn die Kinder in Zukunft eine neue Zeitschrift in unseren Regalen entdecken, dann ist der Entscheidungsprozess bis dahin kein einfacher gewesen.

Und ein wenig sehne ich mich dann in die nordischen Länder, wo Geschäfte für Kinderbekleidung, wie „Polarn o. Pyret“ nicht nur zwei Bekleidungsfarben kennen und die Spielzeugkataloge schon seit Jahren geschlechterneutral daherkommen. Übrigens auch die Großen wie „Toys R Us“ können das dort. Achtet doch mal beim nächsten Fest, Ostern steht vor der Tür, auf die zusätzlichen Werbebeilagen der Spielzeughändler. Bibliotheken sollten mit ihrem Angebot allen Kindern einen Weg weisen, damit ihnen später alle Türen offenstehen. Ein wichtiges Mittel ist da der entsprechende Bestandsaufbau mit passenden Kinderzeitschriften.

ScG – Gerald Schleiwies

 

 

Das Leben Martin Luthers als Graphic Novel

Zu den vielen Veröffentlichungen aus Anlass der 500 Jahrfeier der Reformation gehört auch die Graphic Novel „Martin Luther“, die von dem Illustrator Andrea Grosso Ciponte künstlerisch gestaltet und von Dacia Palmerino und anderen herausgegeben wurde.

Erzählt wird die Lebensgeschichte Luthers von der Kindheit an bis zu seinem Tod, mit allen wichtigen Ereignissen, die jeweils besonders und bildgewaltig hervorgehoben werden. Gleichzeitig wird auch ein zeitgeschichtlicher Einblick gewährt, der einem auch die damaligen Probleme der einfachen Bevölkerung sowie die Stellung der Kirche in Erinnerung ruft.

Es ist nicht der erste Versuch das Leben und Wirken des Reformators in Form eines Comic oder einer Graphic Novel umzusetzen, aber meiner Meinung nach, ein recht gelungener, mit sehr ausdrucksstarken Bildern.

500 JAHRE REFORMATION

Das Leben des Reformators Martin Luther im Comic-Format

Als das ZDF in einem der vielen Rankings nach dem »beliebtesten Deutschen« fragte, entschied sich die Mehrheit für Konrad Adenauer. Martin Luther landete auf Platz zwei – zur Überraschung vieler, die eine solche Popularität nicht mehr vermutet hätten. Sie bekommt gewiss noch einen Schub, wenn 2016/2017 unter dem Schlagwort 500 Jahre Reformation an einen der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes erinnert wird.

Luther, ein Mann von Gewicht, wird bis heute geliebt und gehasst, er ist und bleibt im besten Sinne – umstritten. Heinrich Heine beschrieb die Bedeutung des Reformators so: »Indem Luther den Satz aussprach, dass man seine Lehre nur durch die Bibel selber, oder durch vernünftige Gründe, widerlegen müsse, war der menschlichen Vernunft das Recht eingeräumt, die Bibel zu erklären, und sie, die Vernunft, war als oberste Richterin in allen religiösen Streitfragen anerkannt. Dadurch entstand in Deutschland die sogenannte Geistesfreiheit, oder, wie man sie ebenfalls nennt, die Denkfreiheit.«

Eine fesselnde Geschichte bedarf eines starken Protagonisten, großer Konflikte und Themen, die für viele Menschen Bedeutung haben. Das bewegte Leben des streitbaren Reformators Martin Luther lässt sich daher hervorragend erzählen – und am besten in der Form der Graphic Novel. Von der Kindheit über die Universitätsjahre, das »Blitzschlag-Erlebnis«/Mönchsjahre, das »Turmerlebnis«/Aufbegehren gegen die kirchlichen Missstände, dem Thesenanschlag, die Flucht auf die Wartburg, die Heirat mit Katharina von Bora und die Bibelübersetzung bis hin zu seinem Streit mit Erasmus von Rotterdam und seinen Schriften gegen Bauern und Juden sind alle Kapitel seines Lebens bildgewaltig und im historischen Kontext bereits dramaturgisch aufgeladen.

(Quelle: http://editionfaust.de/produkt/martin-luther/ )

Wer jetzt gern selbst einen Blick in die Graphic Novel werfen möchte, kann sie sich in der Stadtbibliothek Salzgitter ausleihen.

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In Buchhandlungen um die Welt

Vor langer Zeit habe ich angefangen „Blogfutter“ zu sammeln, also vielerlei Meldungen, Kuriositäten und Besonderheiten mehr oder weniger rund um das Thema Buch.

Eins dieser „Schätzchen“ (weil schon ziemlich alt) ist dieser Artikel: In Buchhandlungen um die Welt – (m)ein Traum vom Reisen

Er beginnt mit Verlinkungen zu Büchern, die das Fernweh in unserem Herzen wecken und zu den „schönsten Buchhandlungen der Welt“ in den Niederlanden und Wales. Wer schwelgen und schwärmen will, muss sich einfach durchklicken.

Ein gutes hat es ja, dass man sich nicht wirklich in den Buchhandlungen befindet: Das Konto dankt es! Buchhandlungen und Blumenläden sind die schlimmsten Geschäfte, die es gibt!!! Denn dort kaufe ich IMMER etwas…

Wer weiterhin vor dem Computer sitzend durch Buchhandlungen stöbern möchte, muss sich zum Ende des Artikels bewegen und kann dort sogar einen kleinen Selbsttest durchführern, bei dem man – nicht ganz ernst gemeint – evaluieren kann, wie affin man für solche Lädchen ist.

Rie

Der Bücherbus im finnischen Kilpisjärvi

Als eine Kollegin das erste Mal meinen Urlaubsort hörte, wünschte sie mir „Gesundheit“. Kilpisjärvi gehört zur Gemeinde Enontekiö, womit die meisten Leser nun auch nicht schlauer wären. Die Gemeinde liegt im westlichen Nordfinnland und ist der „finnische Arm“ zwischen Schweden und Finnland. Hier treffen sich die drei Länder Finnland, Norwegen und Schweden. Knapp 8400 km² ist die Gemeinde groß und hat etwa 1.900 Einwohner. Kilpisjärvi liegt am äußersten Ende dieses Armes. Knapp über 100 Einwohner leben hier. Bis zum Hauptort sind es etwa 170 km. Die gleiche Strecke übrigens zur anderen Seite und man ist im norwegischen Tromsö. Das ist vielleicht auch der Grund, das beinah alle Ferienhäuser einen Wagen mit norwegischen Autokennzeichen vor der Tür stehen haben und alle Preise im einzigen Supermarkt neben dem Euro zudem in Norwegischen Kronen ausgezeichnet sind. Da die Finnen ihre Lebensmittel zudem grundsätzlich in Schwedisch bedrucken haben die Norweger auch kein Problem das richtige zu kaufen.

Doch zurück zum Bücherbus. Dieser fährt die einzige Straße, die E8, zum Ziel. So sieht übrigens die Europastraße im Winter aus, der nächste Ort Karesuando liegt noch 90 km entfernt:

E8.jpg

Fazit: Hier ist auf den ersten Blick viel Nichts!

Doch Finnland wäre kein Bibliotheksland, wenn es hier nicht einen bibliothekarischen Service geben würde. Einen Bücherbus. Er kommt einmal im Monat hier raus. In Kälpisjärvi gibt es gleich 4 Haltepunkte, damit man auch wirklich jeden erreicht; u.a. an der Grenze, der Schule und die Tankstelle, direkt am Supermarkt.

Für die einen wäre es nur ein gewöhnlicher Bücherbus, doch gewöhnlich ist hier nichts, denn:

  • man hat Literatur in vier Sprachen (Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Samisch – wenn auch nicht in jedem Dialekt)
  • man fährt ins norwegische Kautokeino
  • und ins schwedische Muodos-Lompolo

Busseite.jpg

Die Besitzverhältnisse hat man mir so erklärt:

  • 45 % Muornio (Finnland)
  • 35 % Enontekiö (Finnland)
  • 20 % Kautokeino (Norwegen)
  • und irgendwie gibt es noch einen Zuschuß aus dem schwedischen Pajala

businnen.jpg

Und wo im Europa gibt es einen Bücherbus, der:

  • Durch drei Länder fährt
  • drei Währungen bei den Gebühren kennt
  • vier Sprachen an Bord hat (inklusive entsprechendem Personal)
  • durch zwei Zeitzonen fährt (Norwegen und Schweden nach MEZ, Finnland nach OEZ +1)

Bushinten.jpg

Diesen Service gibt es seit gut 20 Jahren. Es ist nun der dritte Bücherbus, den man einsetzt. Und seit 20 Jahren gibt es einen Fahrer, der schon von deutschen Zeitungen interviewt (u.a. hier: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/die-rollende-bibliothek-jenseits-des-polarkreises/story/16635020) und im Film festgehalten wurde:

Quelle: (http://www.kirjastokaista.fi/fln-library-on-wheels-in-lapland/)

In meiner kurzen Verweildauer waren drei weitere Nutzer im Bus. Die Bibliothekarin und der Fahrer blieben über Nacht im Ort, damit morgen früh vor der Dorfschule noch ein Halt eingelegt werden kann.

Busvorne.jpg

(Der Benzinpreis rechts im Bild ist übrigens in € (01.03.2017))

Diese Bemühungen lassen sich am besten durch ein Zitat des finnischen Ministers für Kultur und Sport auf einer vorbereitenden Pressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse 2014 mit Gastland Finnland erklären:

„ Im Grunde beruht die ganze Erfolgsgeschichte Finnlands auf dem Lesen und seiner Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaft und des Individuums.“

Der in Finnland lebende Autor und Übersetzer Roman Schatz meinte auf der gleichen Konferenz:

„Finnland hat seine heutige Größe nicht durch militärische Macht oder ökonomische Potenz erreicht, sondern allein durch seine Kutur, in der Lesen und Bildung die Hauptrolle spielen.“

Deswegen hält auch in einem Dorf mit etwas über 100 Einwohnern ein Bücherbus einmal im Monat an vier Haltestellen mit Literatur in vier Sprachen.

Vielen Dank für das nette Gespräch – in der fünften Sprache (Englisch). Beinahe hätte ich den Zeitplan durcheinander gebracht.

Wer nun den aktuellen Fahrplan in Papier haben möchte oder mehr wissen will über die reizvolle Gegend, der muß sich noch etwas gedulden. Zwischen Salzgitter und Kälpisjärvi liegen schlappe 2.500 km.

busfahrplan

ScG – Gerald Schleiwies