Worüber spricht man im Herbst? Über Bücher!

Laut Spiegel-Online-Reporter Felix Bayer sind es genau 25 Bücher, über die man diesen Herbst spricht. Welche Bücher das alles genau sind, das lesen Sie auf Spiegel-Online. Viele der Titel befinden sich auch im Bestand der Stadtbibliothek (oder werden es bald sein).

Es sind wirklich 25 gute Bücher mit dabei. Robert Manesse mit „Die Hauptstadt“ hat es auch auf diese Liste geschafft wie „Qualityland“ von Marc-Uwe Kling. Letzteres ist momentan mein Favorit auf dieser Liste, einer Kollegin hat es dafür sehr „Und es schmilzt“ von Lize Spit angetan.

Wenn Sie sich durch die Auswahl klicken, fehlt Ihnen dann ein Titel? Für mich hätte es hier uns da vielleicht noch ein Fantasy-Roman sein können. Wie der neue Walter Moers „Prinzessin Insomnia & und der alptraumfarbene Nachtmahr“ – bleibt der Titel hinter Walter Moers sonstigen Zamoien-Werken zurück?

Wie man (k)eine Vorlesepaten gewinnt – Buchtipp

Neulich beim Stöbern durch eine große Buchhandlung bin ich auf diverse gedruckte „Leseproben“ gestoßen. Unter anderem nahm ich dieses Heft hier mit:

Es ist der dritte Band von Ingeborg Steltmann. Mit spitzer Feder beschreibt sie ein Eheleben im Unruhestand. Die Protagonistin, Gabi König, ist dabei nicht nur ehemalige Buchhändlerin, sondern in diesem Textauszug auch Bibliotheksnutzerin ihrer örtlichen Stadtbibliothek. Sie wird bei der Rückgabe ihrer Medien von der freundlichen Bibliothekarin angesprochen, ob sie sich nicht vorstellen kann Vorlesepatin für die Stadtbibliothek in einem der Kindergärten zu werden.

Auf diesen 19 Seiten der Leseprobe schildert Gabi König nun ihr Erlebnis im Kindergarten. Das ist, gelinde gesagt, umwerfend komisch! Ich vermute sehr stark, dass die Autorin, ihrerseits Museumspädagogin und mit jahrelanger Erfahrung in universitärer Lehre und Forschung ausgestattet, das Aufgeschriebene vielleicht sogar mal selbst ausprobiert haben könnte.

Das geschilderte Erlebnis der Vorleserin ist jedenfalls stark an der Wahrheit angelehnt. Und ab wann diese Geschichte ins Abstruse dreht, ist nicht feststellbar. Eher werden Lesepaten den einen oder anderen Teil des Erlebten bestätigen – aber nicht alles auf einmal.

Leider gibt es dieses Kapitel nicht als elektronische Leseprobe – ich hätte gerne verlinkt. Ich empfehle dieses Kapitel aber jedem BibliotheksWesen, der sich mit Lesepaten beschäftigt. Quasi als Vorwarnung 🙂 . Am besten den neuen Lesepaten vorlesen. Online ist „nur“ diese Leseprobe verfügbar: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/ingeborg-seltmann-mit-horst-im-glueck.html

Aber vielleicht liegt ja noch die oben abgebildete Leseprobe beim örtlichen Buchhandel aus. Das Buch ist am 22.4.2017 erschienen. Oder gleich das ganze Buch ausleihen. Aber aufpassen, wenn man dann bei der Ausleihe gefragt wird, ob man sich vorstellen kann als Lesepatin für die Stadtbibliothek tätig zu werden…

ScG

Das stand da doch vorher noch nicht – eine Herkulesaufgabe in der Belletristik

Wenn man sich die schiere Größe der Aufgabe ansieht, könnte man denken: „Haben DIE denn sonst nichts zu tun?“

Also, wir haben immer etwas zu tun, doch diese Aufgabe drückte halt immer mehr. Seit Jahrzehnten werden die Romane nach den Verfassern von A-Z aufgestellt. Ebenfalls vor sehr langer Zeit wollte man jedoch dem Nutzerwunsch nachkommen und einige Titel nach Interessenkreis aufstellen. Der „Nahbereich“ wurde ins Leben gerufen. Taschenbücher aus dem Bereich „Krimi“ oder „Liebe“ sollten schnell gefunden werden.

Mit der Zeit wuchs der Bestand des Nahbereiches. Die Romane standen immer noch von A-Z. Irgendwann fiel die Entscheidung, Taschenbücher in den Nahbereich zu stellen und gebundene Titel weiter schlicht nach den Verfassern von A-Z zu sortieren.

Dann erschienen Reihen, mit gebundenen Werken und Taschenbüchern. Von einem Autor. Oder Autoren schrieben eben für beide Genres bzw. die Taschenbuchausgabe erschien später.

Besser zeigt sich das Problem anhand eines Beispiels:

Der Romanbereich von A – Z u.a. mit einem eigenen Regal für Mankell

Und nun schauen wir doch mal im Nahbereich Krimi bei M

Auch da steht Herr Mankell mit vielen seiner Büchern. Leider auch doppelt, doch eben nicht beieinander. Unsere Nutzer verwirrte das zunehmends und es war so auch nicht mehr darstell- oder erklärbar.

Bei den Romanen finden sich ca. 10.000 Bände. Der mal als kleiner Nahbereich geplante Bestand mit Aufstellung nach Interessenskreis ist mittlerweile ebenfalls 10.000 Bände groß geworden. Sogar die Ausleihzahlen sind identisch.

Die Herkulesaufgabe besteht nun darin, diese Bestände zu vereinheitlichen. Das große Hauptziel ist die Aufstellung nach groben Interessenkreisen und dann sortiert nach den Verfassern von A bis Z. Dafür müssen nun 20.000 Bände in drei Bibliotheken in die Hand genommen werden.

Das ist nicht in kurzer Zeit zu schaffen. Das dauert Monate und Jahre. Ein Anfang ist gemacht. Die Belletristik wird in nächster Zeit immer mal wieder etwas geschoben, damit es nachher für alle leichter auffindbar wird.

ScG – Gerald Schleiwies

Die sieben biblischen Plagen

So werden die sieben Töchter der jüdischen Familie Kohanim bezeichnet:

mischpokeSelma, die mit ihrem religiösen Spleen alle meschugge macht, Martha, die am laufenden Band haarsträubende Lügengeschichten erfindet, Fanny, die nicht unter die Haube zu bringen ist, der Wildfang Elli … – und schließlich Franziska, »die Katastrophe auf Abruf«, bildschön, stolz und eigenwillig. Aber ein männlicher Stammhalter fehlt, denn der Kronprinz stirbt am 10. März 1902, kurz nach seiner Geburt.  Nach den Erschütterungen des Ersten Weltkrieges sucht die Familie Kohanim Zuflucht in Berlin. Während Martha in gehobene Berliner Kreise einheiratet und ihr Mann Leopold zum Christentum konvertiert, lässt sich Franziska mit dem ebenso charismatischen wie unzuverlässigen jüdischen Glücksritter Willy Rubin ein und wohnt fortan im »Roten Wedding«. Auch die protestantische Oda, eine Freundin der Familie, hat es in die Hauptstadt verschlagen. Im Laufe der in den 1930er Jahren anbrechenden schweren Zeiten verbindet sich Odas Schicksal endgültig mit jenem der Familie Kohanim, deren Stammbaum die unterschiedlichsten Triebe ausbildet, jüdische wie nicht-jüdische, nationalistische wie kommunistische. (Quelle: Frankfurter Verlagsanstalt)

Marcia Zuckermann hat mit diesem Buch einen der schönsten Familienromane des Jahres vorgelegt. Auf diesen knapp 450 Seiten passiert so unglaublich viel, dass man sich eigentlich fragt, warum das Buch nur so dünn ist. Doch Frau Zuckermann weiß zu fesseln, nicht nur mit der Tragik, die zu erwarten ist – immerhin spielt das Buch in der Zeit des Nationalsozialismus – nein auch durch Humor, Ironie und immer wieder dieser herrliche Berliner Dialekt (Berliner Schnauze halt). Lest das Buch – am Ende des Jahres sollte es auf keiner Leseliste fehlen 🙂

 

Blumenkinder des Grauens

…das sind The Girls (die Mädchen) rund um den charismatischen Russel, den die Mädchen wie Groupies umschwirren. Ich wollte gar nicht glauben, dass Emma Cline erst Mitte zwanzig ist. Nicht nur, dass sie sehr sprachgewaltig schreibt, sie hat auch schon jetzt einen sehr genauen Blick auf die Abgründe und die dunkle Seite der Menschen geworfen. Beim Lesen hat sich bestimmt der Eine oder die Andere genau wie ich gemeinsam mit der Protagonistin gefragt, wie groß der dunkle Teil in uns ist.

dav

Als erwachsene Frau reflektiert Evie Boyd ihre Zeit als 14-jährige im Sommer 1969. Unglaublich gut schildert Cline die Gefühlswelt des jungen Mädchens, welches in besagtem Sommer in einer Hippiekommune lebt, welche stark an die Gruppe rund um Charles Manson erinnert. In anfänglich kleinen Brocken wirft Emma Cline Anspielungen auf den Höhepunkt der Geschichte hin, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Manchmal lässt es einen erschaudern aufgrund der Geschichte, aber sehr oft habe ich ganze Absätze gelesen und noch mal gelesen und nochmal gelesen, weil sie sprachlich so gut waren, dass ich sie am liebsten auswendig gelernt hätte. Aber die ein oder andere Passage habe ich einfach meiner Freundin vorgelesen, nur um es auch noch mal gesprochen zu hören und noch jemanden teilhaben zu lassen.

Eine unbedingte Leseempfehlung! Natürlich auch in unserer Bibliothek auszuleihen.

Hunter is back

Endlich! Lange mussten die Fans der David-Hunter-Reihe warten! Diesen Monat erschien der 5. Fall und er ist so phantatsisch und spannend wie die Fälle davor.

beckett-totenfangSein fünfter Fall führt Dr. David Hunter in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenzen zwischen Land und Wasser verschwimmen. Aber die wahren Gefahren lauern nicht in der Tiefe, sondern dort, wo er sie am wenigsten erwartet.

Seit über einem Monat ist der 31-jährige Leo Villiers spurlos verschwunden. Als an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden wird, geht die Polizei davon aus, Leo gefunden zu haben. Der Spross der einflussreichsten Familie der Gegend soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben, die ebenfalls als vermisst gilt: Leo steht im Verdacht, Emma Darby und schließlich sich selbst umgebracht zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, und der gehört definitiv zu einer anderen Leiche.

Für die Zeit seines Aufenthalts kommt David Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus unter. Es gehört Andrew Trask, dessen Familie ihm mit unverhohlener Feindseligkeit begegnet. Aber sie scheinen nicht die einzigen im Ort zu sein, die etwas zu verbergen haben. Und noch ehe der forensische Anthropologe das Rätsel um den unbekannten Toten lösen kann, fordert die erbarmungslose Wasserlandschaft erneut ihren Tribut… (Quelle: www.simon-beckett.de)

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann es kaum erwarten das Buch endlich zu lesen. Schon mit seinem ersten Band hatte mich Simon Beckett (doch für mich unerwartet) gefesselt. Ich fand es sehr schade, so lange nichts von ihm in der Hand gehalten zu haben, umso größer jetzt meine Freude 🙂 Aber lieber lange gewartet und das Buch ist dann dementsprechend gut, als ein nur zweitrangiger Schnellschuss und man ärgert sich.

Natürlich haben wir das Buch auch in der Bibliothek! 😉

Ein unerwartetes Ende

Vor einer Woche wäre Agatha Christie 126 Jahre alt geworden – unvergessen ihre bekanntesten Ermittler Miss Marple und Hercule Poirot sowie ihr Mut zu überraschenden Enden.  Zur Feier des Tages hat Goodreads 12 Bücher andere Autoren zusammen gestellt, deren ende ebnso überraschte, wie das Agatha Christie selber gerne schaffte. Dafür wurde vorher via Facebook und Twitter eine Umfrage gestartet, so dass die Leser selber auswählen konnten. Das Ergebnis ist ein guter Mix aus allen Genre der Belletristik, z.B.:

  • Charlotte Bronte: Jane Eyre
  • George R.R. Martin: Ein Lied von Eis und Feuer
  • Jodi Picoult: Beim Leben meiner Schwester
  • Dennis Lehane: Shutter Island

Es gibt sicherlich noch viele weitere Bücher, deren Wendungen udn enden man nie erwartet hätte. Welche fallen euch spontan ein?