Feministische Dystopie?

„Was muss ich mir denn darunter vorstellen?“, dachte ich mir und meine Neugierde war geweckt. Gemeint ist damit „Die Gabe“ von Naomi Alderman.

Die Gabe

Ein Gedankenspiel:

Frauen: Stellen sie sich vor, Sie müssten keine Angst mehr haben nachts allein auf die Straße zu gehen. Sie bekommen die besser bezahlte Stelle, weil Sie eine Frau sind.

Männer: Sie werden schlechter bezahlt als die Frau im Büro nebenan – für die gleiche Arbeit. Sie müssen Angst haben nachts allein auf die Straße zu gehen. Sie kleiden sich wie Frauen, um taffer/stärker zu wirken.

Sind Frauen die besseren Menschen? Ich denke Nein und in diesem Buch ist es tatsächlich nicht so, denn hier kippen die Machtverhältnisse 1:1. Jetzt sind es die Männer, die Angst haben allein auf die Straße zu gehen. Sie werden vergewaltigt, unterdrückt, zur Dekoration den Frauen an die Seite gestellt und ermordet. Erneut entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Diskriminierungen und Fehlverhalten führt. Nur halt genau andersherum.

Mit vier Protagonisten entwirft Naomi Alderman den Plot der „neuen Weltgeschichte“:

  1. Die missbrauchte Allie, ein Teenager, die unter dem Namen Mother Eve zur religiösen Führungsfigur wird.
  2. Roxy, die Tochter eines Gangsterbosses, bei der die Gabe scheinbar am stärksten ausgeprägt ist.
  3. Reporter Tunde, ein junger Mann, der dieses Phänomen für die Nachwelt aufzeichnen will und einige Frauen begleitet.
  4. Politikerin Margot, die Ausbildungscamps für die Mädchen durchsetzen will und bei der die Gabe durch ihre Tochter geweckt wird.

„Die Gabe“ ist eines dieser Bücher, die man nach dem Lesen seinen besten Freunden in die Hand drücken möchte, damit auch sie es lesen und man danach mit ihnen darüber diskutieren kann. Denn wenn das Buch eines liefert, dann ist das reichlich Gesprächsstoff.

Die Autorin gibt meines Erachtens interessante Denkanstöße. Für mich wird vordergründig deutlich, wie unsere von Männern geprägte Gesellschaft mit Frauen umgeht und zwar anhand dessen, wie die Frauen im Laufe des Buches mit den Männern umgehen. Da wird zum Beispiel den Männern unterstellt, sie wollen sich doch vergewaltigen lassen. Ich war schockiert! Wie kann eine Frau sowas nur sagen oder denken? Wo wir Frauen doch darum kämpfen, dass uns genau das nicht unterstellt wird, nur weil wir einen kurzen Rock tragen. Aber dadurch ist mir klargeworden, für wie „normal“ ich es inzwischen halte, wenn Männer aber auch andere Frauen so was sagen.

Dieses Buch hält unserer Gesellschaft schonungslos den Spiegel vor. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und finde die Idee sehr spannend! Ein Buch, das mir bestimmt noch lange im Kopf bleiben wird!

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist der deutsche Titel „Die Gabe“. Im Original heißt das Buch „The Power“ – also die Macht. Was ich wesentlich passender finde…

Der Literaturkreis trifft sich

Im Jahre 1983 wurde der Literaturkreis der Stadtbibliothek Salzgitter ins Leben gerufen und feiert in diesem Jahr Jubiläum.

Yasmina RezaMomentan trifft sich der Literaturkreis jedem ersten Dienstag im Monat um 17:00 Uhr abwechselnd in den Bibliotheken in Salzgitter-Lebenstedt und Salzgitter-Bad. Es wird jeweils ein Roman vorgestellt und anschließend darüber diskutiert.
Wer Interesse an der Teilnahme hat, kann sich unter der Telefonnummer 05341 839-2083 oder per E-Mail an Frau Süßkraut wenden.

Am 06.03.2018 trifft sich der Literaturkreis in der Bibliothek in Salzgitter-Lebenstedt. Besprochen wird das Buch von Yasmina Reza: Glücklich die Glücklichen

Weitere Termine finden Sie auf unserer Internetseite.

Ein höllisches Buch – unser Julius Club-Buchtipp

Heute ein Tipp für unsere Julius Club-Leser: „Demon Road – Hölle und Highway“. Das Buch ist der erste Band einer Trilogie und die zweite Jugendbuch-Reihe aus der Feder von Derek Landy.

Inhalt:

Demon RaodWenn ihr glaubt, eure Eltern wären schwierig, dann solltet ihr euch mal mit Amber unterhalten!

Amber Lamont ist gerade 16 Jahre alt, als sie feststellen muss, dass ihre eigenen Eltern sie gerne zum Abendessen verspeisen möchten. Nur so könnten sie ihre Kräfte wieder aufladen. Alles klar: Ambers Eltern sind waschechte Dämonen.
Seitdem ist Amber auf der Flucht. Quer durch die USA ist sie auf der Demon Road unterwegs, einem magischen Straßennetz, das unheimliche Orte und schauerlichste Wesen miteinander verbindet. Sie trifft auf Vampire, Hexen und untote Serienkiller und erfährt nach und nach, was für teuflische Fähigkeiten in ihr stecken … (Quelle: Loewe-Verlag)

Ich habe das Buch verschlungen und denke, dass es auch vielen Julius Club-Lesern so gehen wird. Wer schon Derek Landys Reihe um Skulduggery Pleasant gerne gelesen hat, sollte sich seine neue Reihe auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Der Titel ist aber auch für jeden was, der gerne „Supernatural“ sieht und auch sonst nicht von Dämonengeschichten abgeschreckt wird. Es ist an manchen Stellen etwas blutig, aber bei weitem noch keine Horrorgeschichte – ich würde sagen, eine gute Mischung aus unterhaltender Fantasy und einer Portion Grusel.

Darf es etwas mehr sein?

Ja bitte! Hätte mich zum Ende des Buches von Karolina Ramquists „Die weiße Stadt“ jemand gefragt, meine Antwort wäre ja gewesen.

weissestadt

Quelle: Google.books.de

 

„Das große Haus steht einsam und kalt an einem See, umgeben von Schnee und Frost. Die kugelsicheren Fenster sind voller Eisblumen. Drinnen sitzt Karin auf einem verdreckten Sofa. Das Telefon ist abgestellt. Die Heizung funktioniert nicht mehr. Karin hat sich verändert. Früher war sie die Gangsterkönigin und Johns höchste Errungenschaft. Alle haben sie bewundert, alle wollten sein wie sie. Jetzt ist John tot, und sie hat eine Tochter, der sie sich mal nah und mal fern fühlt, die sie buchstäblich aussaugt und völlig auf sie angewiesen ist. Karin ist einsam und taub vor Trauer. Alles, was sie weiß, ist, dass sie ihr Kind beschützen muss. Und so beschließt sie, sich zu nehmen, was ihr zusteht. Mit Johns alten Waffen, seinem Auto und ihrer Freundin Therese macht sie sich auf den Weg, die Kontrolle über ihr Leben zurückzuerobern.“ (Klappentext)

„Die weiße Stadt“ ist das erste von Ramquists acht Büchern, das ins Deutsche übersetzt wurde. Dabei wird sie als eine der wichtigsten feministischen Autorinnen Schwedens gehandelt. In ihren Büchern beschäftigt sie sich mit Themen wie Einsamkeit, Konsum und Rollenmodellen. Um die aufkommende Frage gleich zu beantworten – ja, alle Themen sind in „Die weiße Stadt“ zu finden.

Es ist ein Roman über das Scheitern und die Trauer einer Frau, die sich in fast allen Dingen komplett auf ihren Partner verlassen hat. Sie hinterfragte den Luxus und den Komfort, den er ihr bieten konnte nicht. Als ihre große Liebe stirbt, ist alles was ihr geblieben ist, ein Baby das er sich gewünscht hat und sie eigentlich nicht wollte.

Es ist mit 180 Seiten ein kurzweiliges sprachliches Vergnügen, das viel Stoff zwischen den Zeilen bietet. Für mich hätte es mehr Handlung geben und noch etwas tiefer gehen können. Ich hätte gern weiter gelesen…

Natürlich ist dieses kleine feministische Literaturhäppchen auch in unserer Bibliothek bei den Romanen zu finden. Wer schon mal reinlesen möchte, eine umfangreiche Leseprobe gibt es bei Google.books.

Hercule Poirot ermittelt wieder

Sophie Hannah hat schon in „Die Monogramm-Morde: ein neuer Fall für Hercule Poirot“ den kauzigen Detektiv von Agatha Christie wieder ins Leben geholt. jetzt ist ihr zweites Buch erschienen „Der offene Sarg: ein neuer Fall für Hercule Poirot“.

offene-sargDie 70-jährige Lady Athelinda Playford, Witwe und Herrin von Lillieoak, lädt zu einem großen Dinner in ihr irisches Gutshaus ein. Die Zusammensetzung der Gäste ist so illuster wie kurios. Neben ihren Kindern mit Anhang und ihrem Sekretär sind auch zwei Anwälte, ein Gerichtsmediziner sowie Hercule Poirot und sein Kollege von Scotland Yard, Edward Catchpool, geladen. Als die Runde komplett ist, legt die alte Dame
die Karten auf den Tisch: Sie wird ihr Testament ändern, ihre Kinder enterben und alles ihrem todkranken Sekretär vermachen. Unter den Familienmitgliedern bricht ein Sturm der Entrüstung los. Als man den Sekretär am nächsten Morgen ermordet auffindet, scheint der Fall für alle klar. Nicht aber für Poirot. (Quelle Atlantik Verl.)

Man merkt, dass Sophie Hannah schon seit ihrer Kindheit ein riesiger Agatha Christie Fan ist. Schon auf den ersten Seiten fühlt man sich wieder in Agatha Christies Welt hineinversetzt. Sie versetzt Hercule Poirot nicht in die moderen Zeit, sondern bleibt im ‚alten‘ England. Natürlich darf man nie vergessen, dass die Bücher trotzdem nicht von Agatha Christie sind und auch keine blossen Kopie. Sophie Hannah schreibt mit diesen Büchern über ‚ihren‘ Poirot, so wie sie ihn sich nach Chrsties Beschreibungen vorstellt. Bei mir kommt sie da nah an meine Vorstellungen ran – sicher ein Grund, warum mir die Bücher gut gefallen.

Auch rein optisch sticht das Buch durch sein gelb-schwarzes Cover gut heraus. Auf den Umschlagseiten findet sich ein Plan des Hauses, so dass man auch immer genau weiß, wo die einzelnen Personen sich befinden.

Ich sage: In jedem Fall lesen.

P.S. Vielen Dank an den Atlantik Verlag