Wir sind zertifiziert!

Wussten Sie schon, dass wir in unserer Zweigstelle in Bad eine Touristeninformation haben? Salzgitter-Bad ist Kurort und dafür brauch es eine Informationsstelle für Besucher der Stadt in zentraler Lage. Leider liegt die Hauptstelle der Touristeninformation etwas abseits in Bad, aber was ist zentraler, als der Marktplatz? Deswegen hatte man damals die Bibliothek als kleine Außenstelle auserkoren. Bis 2020 sind wir jetzt wieder zertifiziert und dürfen auch weiterhin Anlaufstelle für  Salzgitteraner Touristen sein 🙂

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Unsere Besucher bekommen bei uns nicht nur Auskunft, was man alles in Salzgitter erleben  und wo man schlafen kann – wir haben sogar noch ein paar Salzgitter-Mitbringsel. Sehr beliebt sind dabei die Tassen mit verschieden Motiven aus Salzgitter. Hier ein paar Beispiele im passenden Zeitungsartikel der Salzgitterzeitung vom 29. Juli 2017 – Salzgitter Lokales – Seite 16.

Zeitung Zertifizierung

Außerdem kann natürlich auch jeder Tourist bei uns ins WLAN, sich regional in unserem Zeitungsbestand informieren oder sich einfach ein Buch/eine Zeitschrift schnappen und es sich damit in der Bibliothek oder auf unserer Terrasse bequem machen und ein paar Zeilen (gerne auch mehr) lesen 🙂 Wer mag auch mit einem Kaffee.

Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit der Tourist-Information in Bad und hoffen, dass diese noch viele Jahre besteht 🙂

 

In Bibliotheken durch Skandinavien – Teil 2 – Malmö

Über die Stadtbibliothek von Malmö habe ich bereits einmal gebloggt, leider hatte ich einen der wenigen Tage erwischt, wo dieses laut städtischem Tourismusführer „Top 10 Highlight“ leider geschlossen hatte.

Doch da der Weg nach Skandinavien bei mir häufiger an Malmö vorbeiläuft, war das nicht so schlimm. Direkt an der Bibliothek liegt nicht nur der schöne Stadtpark, sondern man kann dort auch mit viel Glück einen zweistündigen kostenlosen Parkplatz in Innenstadtnähe bekommen.

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Die Bilder sind mit der Handykamera, die Eindrücke real entstanden. Typisch Nordisch muß man auch bei einer einfachen ersten Frage am Infotisch gleich am Eingang erst einmal eine Nummer ziehen – wir sollten das dringend für die Biliotheken in Salzgitter einführen 🙂

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Als Ort mit langer Aufenthaltsdauer hat die Stadtbibliothek auch ein eigenes Restaurant. Hier fand gerade ein Quiz zum Thema Kochen und Bücher statt. Glatt eine Anregung für unser nächstes Kulinarisches & Literarisches.

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Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausgebucht und alle waren fleißig am Raten und Essen.

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Sehr beeindruckt hat mich die Kinderabteilung. Nicht der Inhalt und die Aufmachung, sondern insbesondere der Eingang. Die Kinderabteilung ist mit Teppich ausgestattet. Wie sehr Teppiche in Bibliotheken leiden, wissen die Bibliotheksangestellten. Für die Kinderbibliothek gilt daher: „Schuhe aus!“ – natürlich gibt es extra Schuhregale, wo man seine Schuhe einstellen kann. Möchte man z.B. als Erwachsener seine Käsemauken lieber nicht öffentlich zeigen, gibt es einen Korb mit entsprechenden Überziehern.

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Ich habe das einige Minuten beobachten können. Das funktioniert! In einer Großstadtbibliothek! Ganz ohne große Hinweisschilder. Dass man ohne Schuhe besser lernt, konnte man in diesem Eintrag bereits lesen: http://inspiredbyfinland.com/de/2016/11/05/ohne-schuhe-die-schule/ – ob das auch in Bibliotheken eine Steigerung hervorrufen würde? Bei einer Erneuerung der Kinderbibliothek in SZ-Lebenstedt würde mich das „Schuhe-aus“-Prinzip jedenfalls lange begleiten.

Das Personal ist schnell erkennbar. Allein beim Thema „Dienstkleidung“ müsste in Deutschland erst einmal der Personalrat mit einbezogen werden. Aber, würde so ein Jäckchen ein Problem darstellen?

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Übrigens, seine Kinderwagen kann man an mehreren Plätzen abstellen. Und wenn man sein Luxusmodell nicht aufsichtslos abstellen möchte, kann man es auch anschließen – entsprechende Vorrichtungen sind vorhanden.

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Weit weg von den Kindern, sogar in einem anderem Stockwerk, ist die Jugendbibliothek untergebracht. Zwar in der Nähe, jedoch wiederum räumlich abgetrennt, gibt es eine eigene Manga- und Comicabteilung.

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Nicht fotografiert habe ich die Arbeitsräume und Studios mit Musikinstrumenten und PC-Arbeitsplätzen – diese waren allesamt belegt. Die Stadsbibliotek Malmö ist bereits der seit einiger Zeit in Deutschland geforderte Ort für Veranstaltungen und Medien. Allerdings nicht unbedingt ein sogenannter „dritter Ort“, denn hier sind viele Veranstaltungen seitens der Bibliothek geplant und die Arbeitsräume betreut. Ähnlich wie beim Bericht zu Tromsø war es nie ein Problem, einen Ansprechpartner zu finden. Auch nicht gegen 19 Uhr, wo diese Bilder entstanden sind. Die Personalausstattung ist nicht mit Deutschland vergleichbar, weswegen die Wünsche des Nachahmens hier ihre erste Hürde finden würden.

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Und so bleiben nicht zuletzt ein paar architektonische Impressionen; wie z.B. feste Stühle, die wir nur bei Fast-Food-Ketten kennen. Immerhin braucht man nachher nicht aufräumen und hier entstehen keine ungeplanten Lerngruppen.

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Trotz der beeindruckend großen Halle über 5 Stockwerke war es ruhig! Die Leseplätze waren gut belegt.

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Fotos dazu habe ich jedoch nicht gemacht, da dies ja nur ein bibliothekstouristischer Besuch war.

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Nicht alle Selbstverbucher funktionierten – auch das kann es in so einer Vorzeigebibliothek geben. Die zurückgegebenen Medien würden jedoch erst einmal sichtbar unter einem hindurchflitzen.

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Am Ende bleiben viele Ideen und Eindrücke. Und es bleiben eher politische Fragen. Die Bibliotheken im hohen Norden nehmen eine große gesellschaftliche Aufgabe wahr. Das läßt man sich einiges kosten. In Deutschland würden die Bibliotheken das ebenfalls gerne tun. Es wird ein sehr langer und mühsamer Weg, das den Entscheidungsträgern verständlich zu machen. Denn dahinter steht nichts anderes als ein anderes Denken für die Gesellschaft. Die Bücher und andere Medien sind auch dort noch ein Schwerpunkt. Aber eben nur einer!

Der letzte Teil der Reise endet nächste Woche in Helsinki in der Kirjasto 10, direkt am Hauptbahnhof der finnischen Hauptstadt.

ScG – Gerald Schleiwies

In Bibliotheken durch Skandinavien – Teil 1 – Tromsø

Während die Kollegin in unserem  Blog verweist, wo man durch die schönsten Buchhhandlungen der Welt reisen kann, geht es nun etwas kleiner zu. Unser Blog nimmt Euch in den nächsten Sonntagen mit auf die Reise durch skandinavische und finnische Bibliotheken.

Ein Anfang gab es bereits letzte Woche mit dem Bücherbus in Kilpisjärvi. Heute geht es nach Tromsø. Die Stadt bezeichnet sich selbst als letztem großen zivilen Außenposten vor dem Eismeer. Die etwa 73.000 Einwohner der achtgrößten norwegischen Stadt leben zwar rund 340 km nördlich des Polarkreises, jedoch begünstigt von den Ausläufern des Golfstromes, wird es hier längst nicht so kalt wie im Hinterland. Das bekannteste Bauwerk der Stadt ist sicher dieses hier.

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Anfang März 2017 waren es um die -1 Grad und man spürte es förmlich tauen. Hier eine Bibliothek zu besichtigen war, wie eigentlich immer, gar nicht geplant. Doch die skandinavischen Stadtbibliotheken sind sehr häufig:

  • am besten Platz im Ort
  • eine architektonische Sehenswürdigkeit
  • oder einfach nicht zu übersehen

Beim Bummel durch die überschaubare Innenstadt entdeckte ich die zentrale Bibliothek in etwa so:

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„Oh, was ist denn das für ein Bau?“

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„Ach nee – hat das BibliotheksWesen im Urlaub schon wieder die Stadtbibliothek gefunden.“ Aber früher war hier das Kino. Das für Touristen aufbereitete Magazin schreibt:

From Cinema to Library

When Focus cinema opened in 1973 it was a modern and funky building. Nevertheless, this large cinema rapidly became outdated. In 2003 the entire old cinema building was demolished apart from its chracteristic roof. A new library was built under the roof, and this new library is well worth a visit. You can warm while enjoying a nice view of the city.

Und dieser Blick ist wirklich einen Besuch wert.

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Was für ein Panorama über die Stadt. Hier finden auch Veranstaltungen statt; an diesem Abend war es diese: http://www.tromso.kommune.no/slik-ser-de-for-seg-framtidens-stakkevollveg.5968796-110070.html

Das BibliotheksWesen interessiert sich jedoch für mehr. Die Öffnungszeiten zum Beispiel:

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Sieben Tage die Woche ist die Bibliothek geöffnet – jedenfalls im Winter. Und selbst sonntags gibt es Zeiten mit Bibliothekspersonal, also mit „Bedienung“. Für Raumnutzer und Selbstverbucher steht das Haus von 7 – 22 Uhr zur Verfügung. Hier schafft eine norwegische Mittelstadtbibliothek, was selbst in deutschen Millionenstädten höchstens auf Leitungsebene geträumt wird. Es ist jedoch auch entsprechend viel Personal vorhanden!

Gleich im Eingang befindet sich die Tagespresse – in sehr großer Auswahl und mit entsprechenden Getränkemöglichkeiten im Hintergrund:

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Die Bibliothek ist sehr offen gestaltet. Extra Lernplätze gibt es direkt unter der Kuppel – es war trotz regen Betriebs entsprechend ruhig.

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Und deutschsprachige Literatur gibt es gleich Regalweise.

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Die nordische Sachlichkeit trifft auf entsprechend viel Raum.

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Alle wichtigen Bibliotheksmaterialien liegen auch in Englisch vor. Vom E-Book-Download bis zur Nutzung des Pressreader-Programms.

Doch es gab eine Ausnahme, jedenfalls habe ich das Programm nur auf Norwegisch gefunden. Das analoge Makerspace par excellence gab es nur in einer Sprache; das „Strikkekafé“. Das Programm für 2017 in Hauptbibliothek und Zweigstelle ist wirklich beeindruckend und war mir zuletzt im schwedischen Kiruna aufgefallen.

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Die Liebe zum Stricken ist sicher auch der Umgebung geschuldet. Ich habe jedenfalls selten große Handarbeitsläden gesehen und Wollgarne, soweit das Auge reicht. Da braucht es viele dunkle Tage, um das zu verarbeiten.

Wie wichtig der Tourismus für Tromsø ist merkt man, wenn man da ist. Neben Asiaten vernahm ich italienische und französische Wortfragmente in den an mir vorbeiziehenden Reisegruppen. Und auch die Deutschen waren da – sie wurden gerade mit der Aida ausgekippt, wenn sie nicht bereits mit den Hurtigruten anlandeten.

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Zeit, die Stadt schnell wieder zu verlassen. Wieder zurück im finnischen Hinterland gab es an diesem Abend auch für das BibliotheksWesen das Schauspiel, wofür die Touristen in dieser Jahrezeit hierher kommen: Aurora Borealis – oder einfach nur Polarlicht.

ScG – Gerald Schleiwies

Kochen in der Bibliothek? Das geht! – der Beweis

Viele kennen das. Mittags möchte man sich nur mal kurz sättigen. Entweder man geht raus und sucht sich Nahrung oder hat im besten Fall eine Kantine vor der Tür. In den meisten Büroetagen gibt es zwar eine Teeküche, die meist auch etwas Besteck enthält und wo die Kaffeemaschine vor sich hin blubbert, doch so richtig Kochen kann man da doch eher nicht. Oder?

In der Bibliothek ist das doppelt schwer, denn da gibt es zudem so viele Kochbücher. Und die möchte man doch gleich vor Ort einmal ausprobieren. Also hatte ich die wilde Idee ob man nicht auch gleich in der Bibliothek kochen könnte. Mit einer üblichen Teeküche, in diesem Fall mit zwei Herdplatten; jedoch ohne Ofen. Im Rahmen eines VHS Kurses haben wir drei Themen angeboten, zwei Kurse sind ausgebucht. Vom ersten Abend kann ich nun berichten. Unsere Dozentin, Frau Stotz, ist schon Wochen vorher immer wieder zwischen Teeküche und Hauswirtschaftsregal gependelt. Der Minimalismus war eine klare Herausforderung. Was kann man in einer Teeküche bloß zaubern. Zum Beispiel das da:

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Neun Personen (incl. Bibliotheksleitung) machten sich ans Werk und es ergaben sich folgende Köstlichkeiten:

  • Rote Beete Carpaccio
  • Panierte Sesam-Käse-Sticks
  • Leberwurst auf Kräckerscheiben
  • Salatrouladen
  • Fünferlei Käse-Pralinen
  • Westfälische Quarkspeise
  • Kräuter-Gewürzbutter (mit Pumpernickel)
  • Thailändischer Rindfleischsalat
  • Green Smothie Classic
  • Kalte Gurkensuppe
  • Melonensalat mit Käse
  • Fisch-Kokos-Salat

Personen, die sich noch nie zum Kochen getroffen haben an einem Ort, an dem sie noch nie gekocht haben, in einer Küche, die den Namen nicht wirklich verdient. Zudem zwei Personen mit etwas Druck, das es wirklich gelingt. Ganz ehrlich, ein TV-Kochduell ist langweilig dagegen.

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Aber! Geschafft! Und wie! Der stete Mangel in der „Küche“ war die Herausforderung. Und geschmeckt hat es! Mangels Tupperdosen, wurden die Reste in Kaffeepappbechern nach Hause getragen – auch das ein Ergebnis des Improvisierens. Am Ende blieb nichts liegen. Kein Gericht durchgefallen! Alle satt! Danke an Frau Stotz und alle Teilnehmer.

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Guten Hunger. Wer das nun nachkochen möchte. Die Rezepte stehen in unseren Büchern. Und hier: Bibliotheksrezepte

Der nächste Abend am 7. April ist leider schon ausgebucht. Und ob es im Herbst 2016 eine Wiederholung gibt kann ich zur Zeit nicht sagen, denn der Aufwand ist nicht gering und zudem ist der Beweis ja nun erbracht. Die nächsten ungewöhnlichen Ideen sind bereits am entstehen.

ScG – Gerald Schleiwies

Die Bibliothek, die in der Kälte liegt

In der letzten Woche hatte ich versprochen, der „Stadbibliotek Kiruna“ einen Besuch abzustatten. Doch was will man touristisch überhaupt in einer Gegend 200 km nördlich des Polarkreises, die aktuell einen Temperaturdurchschnitt von minus 10 Grad anbietet:

  • Malmabanan (Schweden) bzw. die Ofotbanen (Norwegen) ist bereits der Tipp für die Anreise. Eine der schönsten und spektakulärsten Bahnen dieses Kontinents. Allerdings nur mit zwei Personenzügen je Tag und Richtung. Ansonsten fahren hier bis zu 700 m lange Erzzüge, gezogen von den mit 12500 PS stärksten Loks der Welt.
  • das Eishotel in Jukkasjärvi wird jedes Jahr aufs Neue aufgebaut und kann auch nur besichtigt werden.
  • Die Aurora Sky Station bietet eine der besten Möglichkeiten in Europa Polarlichter zu schauen. Möglich wird das durch das Wolkenloch von Abisko, das durch den 75 km langen und im Winter monatelang komplett zugefrorene See Torneträsk begünstigt wird.
  • Absiko ist damit der trockenste Ort in Schweden und eine Reise wert. Hier liegt gleich nebenan der gleichnamige älteste Nationalpark Schwedens. In den 85 Seelen Ort liegt zudem der einzige Supermarkt in einem Umkreis von 50 km. Von hier startet man mit z.B. mit Schneesootern oder Hundeschlitten in die atemberaubende Natur der Gegend. Auch Offpistski kann betrieben werden und Eisfischen auf dem See ist hier Volkssport.
  • oder man steigt in den Kungsleden, dem wohl schönsten Wanderweg Schwedens. Im März ist Hochsaison bei Wanderern und die Hütten sind geöffnet. Auch der Kebnekaise, der mit 2.111 m höchste Berg Schwedens liegt im Gebiet der Kiruna Kommun.

Um nicht einen der täglich vier Flüge nach Stockholm zu verpassen habe ich ein Hotel in der Innenstadt von Kiruna gewählt, rein zufällig fußläufig zur Bibliothek gelegen. Alle Bilder sind vom 7.3.2016.

_1040233Schnee liegt ca. 5 Monate im Jahr und man lässt ihn einfach dort liegen wo er fällt. Senioren mit Rollatoren kommen da nicht weit, weswegen die älteren Herrschaften zu dieser Jahreszeit mit kleinen Schlitten unterwegs sind. Dafür gibt es sogar Verkehrszeichen.

_1040234Die Bibliothek sieht von außen nicht besonders aus. Man ist in ein einfaches Ladengeschäft eingemietet. Allerdings gehören das erste Stockwerk und der Keller voll ausgebaut noch dazu. Bis vor wenigen Jahren fand man die Stadtbibliothek noch in der Bibliotheksgatan – von denen ich in Schweden schon einige gesehen haben.

_1040238Die Öffnungszeiten unterscheiden sich stark zwischen Sommer und Winter. Immerhin bietet man in der Woche gerade 44 Öffnungsstunden an. Zum Vergleich, in Salzgitter hat die größte Zweigstelle aktuell 40 Stunden geöffnet. Auch interessant ist das Sprachcafé, wo man „neue Freunde“ trifft und Schwedisch lernt. Das Wort Migration oder Flüchtling habe ich in der Bibliothek nicht gesehen.

_1040239Innen erwartet einen schwedische Sachlichkeit. Aufgrund der Lage bietet man auch Literatur in Finnisch und Sapmi an – Kiruna liegt in Lappland. Das indigene Volk der Sami ist hier zu Hause und pflegt seine Brauchtümer.

_1040240Gemütliche Leseecken sind überall zu finden. Bereits morgens um 10 Uhr war einiges los, was ich auf den Bildern jedoch nicht zeigen kann.

_1040242Man hat Platz und Raum und im Erdgeschoß sind alle Regale auf Rollen um für größere Veranstaltungen Platz zu machen. Bisher sieht das alles noch einer ganz normalen Bibliothek aus. Diese wird in wenigen Jahren wiederum umziehen, den Kiruna wird wegen der Erzmine um drei Kilometer verlegt und völlig neu gebaut, wie man auch im Spiegel nachlesen kann.

_1040243Die Zeitschriftenwand hat mich als für diesen Bereich zuständiger Lektor schon beeindruckt. Eine große Auswahl – doch dazu später mehr. Kaffeeautomaten standen im jedem Stockwerk – ohne Kaffee und Fika (Kaffeepause) geht hier oben in Schweden nicht viel.

_1040235Doch ich musste noch mal schnell raus, denn der Bücherbus stand noch vor der Tür. Ein bunt designtes Teil. Die vielen Vorderlichter sind hier oben in Schweden beinah obligatorisch. Bis auf die beiden Europastraßen werden die Wege nicht geräumt und Salz ist komplett unbekannt. Zudem ist es im Dezember 20 Tage lang stockfinster – die Sonne sieht man dann nicht.

_1040236Von der anderen Seite gibt es ein großes Glasfenster, das ich leider nicht fotografieren konnte, weil der Bus so nah am Haus stand. Die Standzeiten des Busses im Gemeindegebiet findet man hier: https://www.bibblo.se/bibliotek/kiruna_bokbuss

Der Fahrer Anders (in Schweden duzt man sich) hat mich noch einmal hereingelassen. Danke noch einmal dafür.

_1040244Wenn der Bus in den Orten hält wird hier auch vorgelesen und gespielt. Allein 5 CD Abhörstationen sind in diesem Bild zu finden. Das Ziel an diesem Tag war Karesuando und am Ende des Tages wird der Bus 240 km unterwegs gewesen sein.

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Das macht noch einmal die Größenverhältnisse dieser Gemeinde deutlich. Links grenzt Kiruna an Norwegen, oben an Finnland. Kiruna Stadt hat 18.150 Einwohner, die ganze Gemeinde 23.400 Einwohner. Kiruna Kommun ist 19.731 km² groß. Zum Vergleich, das Bundesland Sachsen ist 18.420 km² groß und Rheinland-Pfalz kommt auf 19.854 km². Eine Gemeinde so groß wie ein Bundesland mit einer Einwohnerzahl im Kleinstadtformat. Die in Deutschland flächenmäßig große Stadt Salzgitter braucht mit ihren 224 km² gar nicht erwähnt werden.

Vor diesem Hintergrund ist eine dreistöckige Bibliothek mit 44 Öffnungsstunden und Bücherbus einfach eine andere Dimension. Von der Zeitschriftenwand einmal ganz zu schweigen.

_1040245ScG – Gerald Schleiwies

Aus 42 wird 40.2 und die Stadtbibliothek bleibt die Stadtbibliothek

Verwaltungsintern ist die Stadtbibliothek bisher die 42. Ob Douglas Adams damals seine Finger im Spiel hatte, als bundesweit diese Ordnungsnummer vergeben wurden weiß ich nicht. Die nerdigen Literaten wissen, 42 ist die Antwort auf  die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Und für Fragen dieser Art ist die Stadtbibliothek in der Tat der richtige Ort.

In Salzgitter war die Stadtbibliothek lange eigenständiger Fachdienst. Das ändert sich ab 2015, die Stadtbibliothek wird nun integriert im Fachdienst Bildung und gesellt sich damit zur VHS und zur Schulverwaltung. Das ist in vielen anderen Kommunen Deutschlands ähnlich. Als vor knapp 100 Jahren die Volksbildungsbewegung in Deutschland richtig in Schwung kam, bestand diese im Kern aus zwei Einrichtungen:

1. die Volkshochschule – die sich heute immer noch so nennt und Deutschlandweit eine Marke bildet.

2. die Volksbücherei – bis auf eine Einrichtung in Fürth ist dieser Name nicht mehr in Gebrauch. Die öffentlichen Bibliotheken zerrieben sich in den Anfängen stark an der Frage der Ausrichtung, noch heute lernen Bibliothekare den Begriff „Richtungsstreit“ – daraus entstand u.a. die Bücherhallenbewegung, woraus die Hamburger KollegInnen noch heute ihren Namen haben. Wen das wirklich interessiert, sei dieser Link empfohlen.

Aus den Volksbüchereien wurden die heutigen öffentlichen kommunalen Bibliotheken, die unter vielerlei Namen in der Republik firmieren. Ich selbst habe schon in einer Stadtbücherei, einer „Lebendigen Bibliothek“ und einem „Haus des Buches“ gearbeitet. In Salzgitter ist es halt der sehr häufige Begriff der Stadtbibliothek.

So, und was ändert sich nun für unseren Nutzer/Leser/Kunden wenn wegen einem verwaltungsorganisatorischen Akt der Fachdienst Stadtbibliothek zu einem Fachgebiet Stadtbibliothek beim Fachdienst Bildung wird?

1. Der Name? – nöö, wir heißen weiterhin „Stadtbibliothek Salzgitter“.

2. Die Öffnungszeiten? – nöö, die Öffnungszeiten bleiben in 2015 die von 2014.

3. Machen wir jetzt etwas anderes? – nöö, weiterhin arbeiten BibliotheksWesen in den drei Häusern. BibliotheksWesen, das sind Diplom und Bachelor BibliothekarInnen, Master of Library and Information Science, Dipl.-Archivarin, Dipl.-Informationswirtin, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (früher Assisstentinnen, die wir auch noch haben), Buchhändlerinnen, Verwaltungsfachangestellte und noch ein paar andere mehr. Da sind soviele Fachausbildungen dabei, das eine Handvoll sogar mehrere davon haben. Weiterhin kümmern wir uns um die Bereitsstellung von Medien und Informationen, die Ausleihe und die Leseförderung – also um unsere Nutzer/Leser/Kunden der Stadtbibliothek.

Die Stadtbibliothek Salzgitter lebt nun dichter an der VHS und der Schulverwaltung – die Synergien daraus werden auf jeden Fall etwas Positives für die Stadt Salzgitter.

ScG – Gerald Schleiwies