Lese-Event in der Stadtbibliothek

Am 23. April ist Welttag des Buches. An diesem Tag kommt Sybille Hein mit Band für ein Lese-Event mit Musik in die Stadtbibliothek Salzgitter-Lebenstedt. Der Beginn ist um 19 Uhr. Die Karten kosten 8 Euro und sind in allen drei Zweigstellen erhältlich.

Sybille Hein studierte an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung und Illustration. Ihre seit 2001 illustrierten Kindergeschichten sind natürlich auch in unserem Bestand zu finden und dürfen entliehen werden.

Ihre wundervolle Arbeit brachte ihr 2005 die Auszeichnung mit dem Österreichischen Kinderbuchpreis ein. Heute arbeitet sie als freie Illustratorin und Kabarettistin in Berlin.

Das erste Buch für Erwachsene aus der Feder von Sybille Hein „Vorwärts küssen, rückwärts lieben“, ist ein Liebesroman der ganz besonderen Art. Charmant, skurril, frech – so wie die Autorin selbst. Ein Roman über die Liebe, die Freundschaft und natürlich über Berlin.

Zum Welttag des Buches hat Sybille Hein ihre Band dabei und wird nicht nur eine Lesung aus ihrem Roman „Vorwärts küssen, rückwärts lieben“ halten, sondern es werden auch Teile der Songkollektion, die eigens für diese Geschichte von Sybille Hein und ihrer Band getextet und komponiert wurden, gespielt.

Eins der Lieder heißt „Montagmorgen“ und der Refrain lautet wie folgt:

Also spul‘ ich einfach weiter.
So ein Montag als Begleiter,
kann entsetzlich trostlos sein.
An keinem anderen Tag der Woche,
fühl ich mich so mit mir allein.

Am Montag den 23.04.2018 ab 19 Uhr muss keiner allein bleiben. Kommen Sie in die Stadtbibliothek Lebenstedt zu Stand-up-Comedy und Gesang gepaart mit einer Buchlesung. Zeit zum Hören, zum Singen, zum Fragen, zum Tanzen all das und viel mehr erwartet Sie.

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Feministische Dystopie?

„Was muss ich mir denn darunter vorstellen?“, dachte ich mir und meine Neugierde war geweckt. Gemeint ist damit „Die Gabe“ von Naomi Alderman.

Die Gabe

Ein Gedankenspiel:

Frauen: Stellen sie sich vor, Sie müssten keine Angst mehr haben nachts allein auf die Straße zu gehen. Sie bekommen die besser bezahlte Stelle, weil Sie eine Frau sind.

Männer: Sie werden schlechter bezahlt als die Frau im Büro nebenan – für die gleiche Arbeit. Sie müssen Angst haben nachts allein auf die Straße zu gehen. Sie kleiden sich wie Frauen, um taffer/stärker zu wirken.

Sind Frauen die besseren Menschen? Ich denke Nein und in diesem Buch ist es tatsächlich nicht so, denn hier kippen die Machtverhältnisse 1:1. Jetzt sind es die Männer, die Angst haben allein auf die Straße zu gehen. Sie werden vergewaltigt, unterdrückt, zur Dekoration den Frauen an die Seite gestellt und ermordet. Erneut entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Diskriminierungen und Fehlverhalten führt. Nur halt genau andersherum.

Mit vier Protagonisten entwirft Naomi Alderman den Plot der „neuen Weltgeschichte“:

  1. Die missbrauchte Allie, ein Teenager, die unter dem Namen Mother Eve zur religiösen Führungsfigur wird.
  2. Roxy, die Tochter eines Gangsterbosses, bei der die Gabe scheinbar am stärksten ausgeprägt ist.
  3. Reporter Tunde, ein junger Mann, der dieses Phänomen für die Nachwelt aufzeichnen will und einige Frauen begleitet.
  4. Politikerin Margot, die Ausbildungscamps für die Mädchen durchsetzen will und bei der die Gabe durch ihre Tochter geweckt wird.

„Die Gabe“ ist eines dieser Bücher, die man nach dem Lesen seinen besten Freunden in die Hand drücken möchte, damit auch sie es lesen und man danach mit ihnen darüber diskutieren kann. Denn wenn das Buch eines liefert, dann ist das reichlich Gesprächsstoff.

Die Autorin gibt meines Erachtens interessante Denkanstöße. Für mich wird vordergründig deutlich, wie unsere von Männern geprägte Gesellschaft mit Frauen umgeht und zwar anhand dessen, wie die Frauen im Laufe des Buches mit den Männern umgehen. Da wird zum Beispiel den Männern unterstellt, sie wollen sich doch vergewaltigen lassen. Ich war schockiert! Wie kann eine Frau sowas nur sagen oder denken? Wo wir Frauen doch darum kämpfen, dass uns genau das nicht unterstellt wird, nur weil wir einen kurzen Rock tragen. Aber dadurch ist mir klargeworden, für wie „normal“ ich es inzwischen halte, wenn Männer aber auch andere Frauen so was sagen.

Dieses Buch hält unserer Gesellschaft schonungslos den Spiegel vor. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und finde die Idee sehr spannend! Ein Buch, das mir bestimmt noch lange im Kopf bleiben wird!

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist der deutsche Titel „Die Gabe“. Im Original heißt das Buch „The Power“ – also die Macht. Was ich wesentlich passender finde…

Alte Bücher neu in Form

Immer wenn mir neue Titel angezeigt werden, wie man z.B. ausgelesene Bücher durch „Bastelei“ verarbeiten kann, werden diese gekauft. So auch dieses Buch von Clare Youngs.

alteBücher

Verlagstext:

Alte Bücher recyceln: mit neuen Inspirationen, mit Spaß am Falten, Schneiden und Kleben. 35 Schritt-für-Schritt-Projekte für Papier-Neulinge und Fortgeschrittene. Dinge zum Bestaunen und Bewundern für Zuhause und als Geschenke. Erfolgsautorin Clare Youngs präsentiert 35 kreative Papierprojekte und eröffnet neue Welten, die sich aus alten Buchseiten gestalten lassen. Zunächst zeigt die Autorin dreidimensionale Faltformen, die eindrucksvoll kompliziert wirken, in Wahrheit aber ganz einfach sind. Danach erläutert sie, wie auf einer Bühne «Szenen aus Papier» entstehen, darunter eine badende Meerjungfrau oder ein emsiger Bienenstock. Sie alle taugen als kostbare kleine Geschenke oder als echte Hingucker im Regal. Und im dritten Teil entsteht «Dekoratives aus Buchseiten», u.a. Geschenkanhänger, ein Lampenschirm oder ein Zottelhund. Wie das alles gemacht wird, wird Schritt für Schritt anhand von Zeichnungen erklärt. Nur wenige alte Bücher genügen und schon kann es losgehen!

Meine persönlichen Highlights sind die beiden oben auf dem Titelbild gezeigten Projekte. Die haben das gewisse Etwas. Im Buch ist auch eine Anleitung zum Basteln eines Miniatur-Papiertheaters, das auch sehr schick aussieht und überzeugt.

Natürlich ist alles eine Frage des Geschmacks. Das Buch eignet sich bereits für Bastel-Anfänger, inspiriert aber sicherlich auch den einen anderen Fortgeschrittenen!

Zu finden ist das Buch unter Spo 955 YOU.

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Fettlogik überwinden

Das Buch, das ich Ihnen heute vorstellen möchte, erschien in der 1. Auflage bereits im Jahr 2016. Auf die Spiegel-Bestsellerliste hat es das Buch erst 2017 geschafft und wurde seitdem – insbesondere seit dem Jahreswechsel und den damit verbundenen guten Vorsätzen fürs neue Jahr – viel besprochen. Die Rede ist von „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann. Wer jetzt aber ein klassisches Diätbuch erwartet, liegt falsch.

Fettlogik

Warum scheitern Diäten? Wegen genetischer Veranlagung? Wegen eines kaputten Stoffwechsels? Oder wegen Schilddrüsenunterfunktionen? Nach Jahren erfolgloser Diäten und mit 150 Kilo auf der Waage stellt Dr. Nadja Hermann fest, dass das meiste, was sie über Diäten geglaubt hatte, Mythen sind. Ihr wird klar, dass es eigene Logiken gibt, die sie vom Abnehmen abhalten. Erst das Überbordwerfen all dieser „Fettlogiken“ hilft der Autorin dabei, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Anderthalb Jahre später wiegt sie 65 kg. Mit Witz, Sachverstand und den neusten Erkenntnissen aus der Wissenschaft räumt sie auf.

Ich habe das Buch aus purer Neugier gelesen, da mich das Inhaltsverzeichnis reizte. So lautet ein Kapitel „Ich habe an einem Tag nur einen Apfel gegessen und davon zugenommen“ oder auch „Mein Stoffwechsel ist kaputt“ oder „95 % aller Diäten scheitern sowieso“. Na, haben Sie sich auch wiedererkannt? Ich musste jedenfalls schmunzeln und wollte wissen, was die Autorin zu diesen (und vielen weiteren) gängigen Klischees sagt.

Sehr positiv an dem Buch ist, dass Frau Hermann keine bestimmte Diät propagiert. Sie wirbt für kein spezielles Mittelchen und verspricht auch keinen hohen Gewichtsverlust binnen weniger Tage. Damit grenzt sie sich deutlich ab von herkömmlichen Diätbüchern. Sie will vielmehr die Augen öffnen für die kleinen Alltagssünden, die leider stets auf den Hüften liegenbleiben. Das Buch behandelt systematisch alle Klischees und Ausreden, die einen vom Abnehmen abhalten. Zum Beispiel weil „der Stoffwechsel kaputt ist“. Es klingt ja auch logisch: Man hungert, der Körper gewöhnt sich an das dauernde Hungergefühl und fährt den Stoffwechsel runter, man nimmt nicht weiter ab, ohne noch mehr zu hungern. Dass das aber kompletter Unfug ist, erläutert Frau Hermann sehr eingehend anhand von wissenschaftlichen Studien, ihren persönlichen Erlebnissen sowie medizinischer Sicht darauf, was „der Stoffwechsel“ ist – nämlich weit mehr als nur die Verarbeitung von Nahrung. Daher kann er gar nicht runter- oder hochgefahren werden (nur medikamentös und das auf Risiko des eigenen Lebens). In diesem Zusammenhang geht die Autorin auch auf Krankheiten ein, die meist mit Gewichtszunahmen einhergehen wie Diabetes, Depressionen und Hashimoto. Und sie beleuchtet die verschiedensten Diätformen wie Low Carb, Protein, Fasten, Diätprodukte und viele mehr.

Bei allem Positiven sollte man das Buch dennoch kritisch lesen. Was bei mir mehrfach Stirnrunzeln erzeugte, war, dass die Autorin das Kalorienzählen sehr hervorhebt. Das Abnehmwillige weniger essen dürfen, als sie an Energie verbrauchen, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch stellt Frau Hermann es oftmals als ganz leicht dar, sich trotz reduzierter Kalorienzahl wohlzufühlen. Ihre Diät startete sie mit 500 kcal am Tag . Ohne ärztlichen Beistand empfinde ich persönlich dies als grenzwertig. Zumal sich der Hinweis, dass sie nun 1.500 kcal / Tag isst, ganz zart in einem kleinen Nebensatz versteckt. Es schürt den Eindruck, dass man die Kalorienmenge beliebig reduzieren oder steigern darf, ohne sich um seine Gesundheit scheren zu müssen. Auch geht Frau Hermann nicht darauf ein, dass die jüngste Wissenschaft erkannt hat, dass Kalorien nicht gleich verwertet werden. Eine Kalorie Fett wird anders verstoffwechselt als eine Kalorie Protein. Von daher ist es nicht alleinig entscheidend, wie viele Kalorien man isst, sondern eben auch wie viel von was.

Auch das Kapitel „Das Übergewichtsproblem wird überwertet“ ließ bei mir einen schalen Beigeschmack. Hier stellt die Autorin die These auf, dass die meisten Menschen ihr eigenes Übergewicht bzw. ihre Adipositas nicht wahrnehmen, weil es zu viele Menschen damit gibt. Ebenso würden Menschen mit Normalgewicht daher als zu dünn bzw. als mager bezeichnet werden. Diese These untermauert Frau Hermann allein mit der BMI-Skala, wobei der BMI in Wissenschaftskreisen seit Jahren nicht mehr als verlässlicher Index angesehen wird.

Ich ziehe dennoch ein positives Fazit und empfehle Ihnen das Buch. Es regt einem zum Nachdenken und Reflektieren der eigenen Essgewohnheiten an. Selbst wenn Sie nicht abnehmen möchten, so ist es doch eine informative und angenehm zu lesende Lektüre. Sicherlich werden auch Sie einem Gedankenspiel aus vollem Herzen zustimmen, nur um dann auf der nächsten Seite zu erfahren, dass es totaler Humbug ist. Ich habe mich recht amüsiert beim Lesen und nehme einige Gedankengänge mit in den Alltag.

Das Buch steht unter der Signatur Med 215 HER.

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Kennen Sie Lizzie Borden?

Seit dem Buch „Miss Lizzie“ von Walter Satterthwait bin ich von dem Fall Lizzie Borden fasziniert. Darum konnte ich auch bei „Seht, was ich getan habe“ – dem Debüt von Sarah Schmidt – nicht widerstehen.

»Vater ist tot!« Zutiefst verstört starrt Lizzie Borden ihren Vater an, der blutüberströmt auf dem Sofa liegt. Auch ihre Stiefmutter wird tot aufgefunden – ebenfalls hingerichtet mit einer Axt. Eindeutige Spuren sind an jenem schicksalhaften Morgen des 4. August 1892 kaum auszumachen, dafür häufen sich die Fragen. Denn während die Nachbarn in Fall River, Massachusetts, nicht begreifen, wie einer so angesehenen Familie etwas derart Grausames zustoßen kann, erzählen diejenigen, die den Bordens wirklich nahestehen, eine ganz andere Geschichte: von einem jähzornigen Vater, einer boshaften Stiefmutter und zwei vereinsamten Schwestern. Schnell erklärt die Polizei Lizzie zur Hauptverdächtigen, deren Erinnerung jedoch lückenhaft ist. Wo war sie zum Zeitpunkt der Morde? Saß sie wie so oft unter den Birnbäumen und träumte vor sich hin? Oder ist sie doch verantwortlich für diesen Albtraum?“ (Klappentext)

Seht was ich getan habe

Ich empfand dieses Buch gleichermaßen spannend und beklemmend. Auch in diesem Buch wird dieser berühmte historische Mordfall nicht aufgeklärt. Ebenso, wie es ja schon bei vielen anderen Fällen passierte (wie z. B. Jack the Ripper), wenn diese erneut zu Papier gebracht wurden. Hier ist es ein historischer, ungeklärter Mord an angesehener Familie.

Im Vordergrund stehen die (Familien-) Beziehungen der Bordens und ihrem irischen Hausmädchen. Das Buch ist in drei Teile unterteilt und die Kapitel darin werden abwechselnd aus der Sicht von Lizzie, Emma (Lizzies ältere Schwester), Bridget (das Hausmädchen) und Benjamin (gehört nicht zur Familie) erzählt.

Mich hat nicht nur der sehr blumige Schreibstil der Autorin wirklich gut gefallen, auch die Charaktere werden mit viel Detailreichtum beschrieben, wodurch ich schnell Sympathien und Antipathien entwickelt konnte. Durch den besonderen Schreibstil konnte ich die herrschenden Umstände der damaligen Zeit fast miterleben. Ich konnte mir die Hitze, den Körpergeruch von Personen, aber auch die saftigen Birnen sehr gut vorstellen.

Auch wenn man praktisch schon vorher weiß, wie das Buch endet, gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses Buch!

Frühstück mit Giraffen

Giraffen Frühjahr

Reiseberichte lese ich ab und an ganz gerne. Erst recht von Ländern, die mich selber faszinieren oder wo ich schon immer mal hinwollte. Bei meiner diesjährigen Recherche zu meiner Auswahl für Literarisch & Kulinarisch im Frühjahr 2018 fiel mir das Buch von Bettina Pohlmann „Frühstück mit Giraffen“ in die Hände. Natürlich musste ich bei dem Titel wissen, worum es in dem Buch genau geht. Das war schnell klar: um eine Weltreise mit der ganzen Familie. Die Familie besteht aus: Bettina, ihrem Mann Frank und den beiden Kindern Antonia und Helen (9 und 4 Jahre).

Nach anfänglichen bürokratischen Hürden, ob Antonia für 6 Monate aus der Schule genommen werden darf oder nicht, ging die Planung los. Neuseeland und Indien – beides Reiseziele, wo Bettina schon immer hin wollte. Aber in welche Länder noch und viel wichtiger, in welche Regionen der Länder? Denn in 6 Monaten ist nicht die ganze Welt zu schaffen. Nach und nach entsteht eine Reiseroute, die die Familie über Johannesburg und die afrikanischen Reservate nach Indien, Nepal, Vietnam, Australien, Neuseeland und die USA bringt.

In Afrika haben sie dann tatsächlich besuch von Giraffen zum Frühstück, kommen in Kontakt mit wilden Tieren und vor allem mit der einheimischen Bevölkerung. Das ist Bettina und Frank auf der ganzen Reise wichtig, nicht nur die schönen Seiten der Länder zu sehen – natürlich besuchen die auch das Taj Mahal – aber sie wollen gerade auch ihren Kindern vermitteln, dass eben nicht nur Schönheit auf der Welt gibt und so besuchen sie auch genauso die Slums in Afrika.

Die Familie lernt auch schnell, nur weil man eine Unterkunft lange im Vorfeld gebucht hat, muss diese bei weitem noch nicht existieren. Sie erleben viel auf ihrer Reise, aus jedem Land nehmen sie neue Erfahrungen mit und mit diesem Buch lässt Bettina Pohlmann jeden daran teilnehmen.

Ein Leseempfehlung für jeden, der schon immer von einer Weltreise geträumt hat 🙂

„Die Herzen der Männer“ von Nickolas Butler

In seinem zweiten Roman beschäftigt sich Nickolas Butler mit den Männern. Das Buch erstreckt sich über drei Generationen, die alle eines verbindet: Ein Pfadfingerlager.

Herzen Männer

Das Buch beginnt 1962 in genau so einem Pfadfinderlager. Nelson ist ein sehr strebsamer Junge – er erhält bei den Pfadfindern ein Abzeichen nach dem anderen und ist auch in der Schule ein schlaues Köpfchen. Das macht ihn bei den anderen Kindern nicht sehr beliebt. Denn weder in dem Pfadfinderlager noch zu Hause hat er Freunde. In einer Szene beschreibt Nickolas Butler, wie Nelson auf seine Geburtstagsfeiergäste wartete. Er ist traurig, er weint sogar, denn niemand ist gekommen. Außer Jonathan, der viel zu spät kommt und auch nur für 20 Minuten bleibt. Doch Nelson lässt dieser Besuch Hoffnung schöpfen, dass er nun doch einen Freund gefunden hat und dann auch noch einen der beliebteren Jungen.
Doch im Pfadfinderlager merkt man schnell, dass die Freundschaft, die die beiden verbindet, nicht das ist, was man normal unter dem Begriff versteht. Nelson wird gemieden, er wird gehänselt und gequält. Jonathan greift hier und da mal mit ein paar Worten ein, doch er ist auch selbst dabei und er scheut sich nicht Nelson zu opfern, wenn es in seinen Plan passt.

Der Leser trifft Jonathan und Nelson 1996 wieder. Nelson, inzwischen ein ehemaliger Soldat, lebt nun im Pfadfinderlager. Jonathan fährt mit seinem Sohn Trevor in das Lager. In diesem Sommer ist Trevor das erste Mal richtig verliebt und Jonathan schafft es mit der Offenbarung eines Geheimnisses, seinen Sohn komplett zu enttäuschen.

2019 begleitet man Thomas in das Pfadfinderlager. Man trifft Nelson wieder und der Leser wird Zeuge, wie Thomas lernt, was wirklich im Leben zählt.

Nickolas Butler hat ein großartiges Buch über Männer geschrieben. Es wirkt, als würde er eine wahre Geschichte erzählen und doch ist alles nur erfunden. Jede Figur durchlebt in diesem Buch Hochs und Tiefs. Ohne Kitsch schreibt er über Gefühle und Verlust. Ich hatte beim Lesen ein regelrechtes Kopfkino – so realistisch beschreibt Butler die Figuren und Geschehnisse. Das Buch bekommt von mir eine unbedingte Leseempfehlung!