Ich bin dann mal ultraleicht weg

Einmal im Jahr komme ich nicht umhin einen Wandereintrag zu machen. Bücher und Filme rund ums Wandern inspirien mich dazu regelmäßig. Auch meine KollegInnen wissen, daß ich immer mal wieder mit Zelt und Rucksack nicht erreichbar verschwinde.

Und anders, als in den letzten Wander- und Pilgerfilmen, wo die Rucksäcke der Schauspieler zu sichtbar nur ausgestopft sind, sind in meinem Rucksack die Kilos echt. Da heißt es sparen, wo es geht. Ultraleicht ist das Schlagwort. Im Bereich Erdkunde gibt es bei uns dazu nun ein neues Buch.

41382430z

Um es gleich vorab zu sagen, ich habe meinen Rucksack voll noch nie so halten können. 🙂

Aber bei dem Thema kann ich das Buch recht gut beurteilen. Unser Zwei-Personen-Zelt knackt nur knapp die 2 Kilo Marke, der neue Rucksack ist mit 1,48 kg um 50% leichter als der Alte und wer für 10 Tage sein Essen mitnehmen muss (einfach mangels Verorgungsmöglichkeiten), nimmt nur trockene oder gedörrte Lebensmittel mit. Wenn der Rucksack für die nächsten vier Wochen nicht schwerer ist als 15 Kilo, ist das Ziel erreicht.

Kann mir so ein Buch noch etwas beibringen?

Ja!

Jedes Kilo gesparte Gewicht ist ein gewanderter Kilometer mehr. Also 20 km mit 20 Kilo Gepäck oder 25 km mit 15 Kilo Gepäck. Auf der einen Seite erfährt der erfahrene Trekker entweder Bestätigung, was die Ausrüstung betrifft oder doch den einen oder anderen Hinweis. Während z.B. beim Besteck (Spork – 14 Gramm) die Bestätigung steht ist für mich der Ernährungshinweis mit Pemmikan (samt Herstellungsanleitung) neu gewesen.

Auch kennt sich der Autor in vielen Gegenden aus. Seinen Hinweis bezüglich der Wasserflaschen in den skandinavischen Fjälls/Fjells gibt man nur mit entsprechender Erfahrung (man braucht höchstens Eine, Trinkwasser ist überall).

Dapprichs Hinweis seinen Lesestoff mit einem E-Book Reader mitzuführen werde ich natürlich nachkommen, incl. der eingescannten Reisebeschreibungen und Karten. Nur in einer Sache gehe ich nicht d´accord – die große Kamera muß mit. Mit dem Telezoom hat man nämlich auch gleich ein Fernglas und kann den Rentieren stundenlang zusehen ohne ihnen zu dicht auf die Pelle zu rücken.

rentiere

Doch auch für die Wanderer, die nicht gleich wochenlang im Outback verschwinden finden sich in diesem kleinen Büchlein wertvolle Ratschläge und am Ende eine Packliste mit Gewichtsangaben für unterschiedliche Anlässe. Der Vorteile gegenüber den Ultraleichtforen (die gibt es wirklich) wo selbst die Länge der Zahnbürste in religiösen Diskussionen ausarten kann, Dapprich gibt vernünftige Ratschläge. Weniger ist oft mehr, aber zu wenig ist einfach – zu wenig.

ScG – Gerald Schleiwies

Wie man Magie schreibt

Schon im letzten Jahr konnten unsere Julianer mit Archie Greene in die Welt der Magie eintauchen. Damals war der erste Teil „Archie Greene und die Bibliothek der Magie“ im Julius Club mit vertreten. Umso schöner, dass es dieses Jahr auch Teil zwei in die Lese-Liste geschafft hat.

Archie greene 2In „Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte“ bekommt er mit vier weiteren Zauber-Lehrlingen ein neues Feuermal – dieses bewirkt, dass das man Magie schreiben kann. Dieses Feuermal erschien zum letzten Mal kurz vor dem großen Brand von London. Auch damals waren es fünf junge Lehrlinge, darunter John Dee. Die Gruppe war damals für den Brand verantwortlich und verschuldete dadurch, dass sich heute die Magie verstecken muss.

Doch neu geschriebene Magie wird dringend benötigt, denn die Schutzzauber um die Bibliothek verlieren ihre Wirkung und darauf warten die Feinde schon eine ganze Weile. Archie und seine Freunde müssen sich entscheiden: gehen sie den langsamen Weg der Professoren oder nehmen sie das Schicksal in ihre Hand versuchen die Bibliothek zu retten. Vor allem Archies Schicksal muss sich dabei entscheiden.

Ein wirklich spannender zweiter Teil und für alle Leser ab 11 Jahren hervorragend geeignet. Und keine Sorge, auch Band eines ist mit in der Lese-Liste für den Julius Club. Wer den Teil noch nicht kennt, kann also direkt beide für sein Julius-Diplom lesen 🙂

Lolita

Vladimir Nabokovs Lolita

Verehrte Leserschaft,

978-3-499-22543-7ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das es geschafft hat, mich seit über einem Jahr zu fesseln. Es handelt sich um Vladimir Nabokovs Lolita.

Der vielumstrittene, längst zu Weltruhm gelangte und zweifach verfilmte Roman einer tragischen Passion: Ein Vierzigjähriger verfällt dem grazilen Zauber einer kindlichen Nymphe und erfährt die Liebe als absolute Macht über Leben und Tod.

Quelle Bild und Inhaltsangabe: Rowohlt Verlag

Zu Lolita fallen mir viele Begriffe ein: Schön, ekelig, Verharmlosung von Pädophilie, blumige Sprache. Ein bunter Mix an widersprüchlichen Gefühlen, der mich beim Lesen überkam. Ich möchte das Pferd hier und heute von hinten aufzäumen. Zuerst war bei mir der Film. Der Schwarzweißstreifen von 1962. Dieser war interessant, mehr aber auch nicht. Die Verfilmung von 1997 mit Jeremy Irons, Dominique Swain und Melanie Griffith hat mich sofort angesprochen. Die Filmmusik von Ennio Morricone ist einfach grandios. Besonders in der Szene, in der Humbert Lolita das erste Mal im Garten sieht. Falls Sie sich den Film einmal anschauen sollten, achten Sie bitte auf die Musik. Nachdem mir die Neuverfilmung also sehr gut gefallen hat, habe ich mir bei unserer örtlichen Buchhandlung den Roman bestellt. Zuvor hatte ich bereits viele Rezensionen durchgelesen, um zu wissen, was andere Leute dazu zu sagen haben. Die Meinungen gingen sehr weit auseinander. Einige sagten, der Roman sei aufgrund des Schreibstils einfach fantastisch, andere waren der Meinung, dass das Thema Pädophilie stark verharmlost würde. Ein Leser schrieb sogar, dass er nun durch die Stadt geht und bei jungen Mädchen schaut ob er evtl. ebenso empfinden würde.

Ich fing also an, das Buch zu lesen. Die wunderschöne Sprache ist mir sofort aufgefallen. Da musste ich einem Leser zustimmen. Hier geht es zur Leseprobe. Selbstverständlich habe ich auch versucht, die kritischen Dinge zu sehen, die einigen Lesern sauer aufgestoßen sind. Ich bin auch hier fündig geworden. Das Buch ist ausschließlich aus der Sicht von Humbert geschrieben. Er rechtfertigt sich für seine Taten und schiebt Lolita die Schuld zu. Auch wird das 12-jährige Mädchen so dargestellt, als wäre die Initiative von ihr ausgegangen. Nun zu meiner eigenen Meinung. Lolita ist durchaus lesenswert und der Schreibstil so blumig und lebendig, dass man sich darin einhüllen und umgeben möchte, wie mit einem wunderbar duftenden Parfüm. Die Worte sind Kunst, soviel ist sicher. Nichtsdestotrotz schüttelt man sich beim Lesen manchmal, wenn die Gedankengänge des Hauptprotagonisten wieder sehr in kranke Gefilde abschweifen. Zum Beispiel wenn er Lolita als seine „wollüstige Geliebte“ bezeichnet. Faszinierend ist anzumerken, dass der russische Autor Vladimir Nabokov seinen Roman in englischer Sprache verfasste. Nabokov verließ Russland bereits 1917 aufgrund der Oktoberrevolution und lebte einige Jahre in Deutschland, eher er erst nach Frankreich und später aufgrund der Machtergreifung der Nazis mit seiner Frau in die USA auswanderte.

GL

Mittsommer Geschichten

Na?

Schon wieder aus dem Koma erwacht?

Wie? Es wurde gar nicht gefeiert? Es war doch Mittsommer!

Der 24.6.2017 ist in diesem Jahr das kollektive Feierdatum für den gesamten nordeuropäischen Raum: Mittsommer bzw. Sommersonnenwende. Ab jetzt werden die Tage langsam wieder kürzer. Ganz oben im hohen Norden muss jedoch überhaupt erst einmal eine Nacht wiederkommen. Natürlich weiß man, dass es nördlich des Polarkreises entweder nicht dunkel (Sommer) oder nicht hell (Winter) wird. Doch begreift man dieses Phänomen erst, wenn man einmal da war.

Es wird einfach nicht dunkel!

Man hat z.B. sehr viel Zeit, um draußen auf dem Balkon an seinem Fritidshus oder vor seinem Zelt zu lesen. Besonders im Juli, dem kollektiven Urlaubsmonat der Schweden. Dieses Land hat sogar gesetzlich geregelt, dass man im Sommer einen Anspruch auf vier Wochen Urlaub am Stück hat. Wer in dieser Zeit z.B. in Stockholm ist, wird eine den Touristen überlassene Stadt vorfinden.

Im Reclam Verlag ist für die Zeit um Mittsommer ein 96 S. schmales Bändchen mit Kurzgeschichten erschienen, um die schönste Zeit des Jahres literarisch zu begleiten:

Hier kann man schon mal einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen: https://www.book2look.de/book/9OBxogysSE&euid=57969632&ruid=57951231

Und es handelt sich zumeist nicht um Geschichten, die man schon mal vorher gelesen haben könnte. Von den zwölf Geschichten dieses Sommerbuches sind zehn erstmals ins Deutsche übertragen. Die Autorinnen und Autoren: Nils-Aslak Valkeapää, Marion Hagen, Joakim Kjørsvik, Vigdis Hjorth, Amalie Skram, Hanne Marie Svendsen, Selma Lønning Aarø, Selma Lagerlöf, Gunnar Staalesen, Zacharias Topelius, Ditte Birkemose, Mikael Niemi.

Wer da nun zu schnell mit durch ist, dem empfehle ich nun einen ganz persönlichen Liebling, der zudem im Bestand der Onleihe in der Stadtbibliothek zu finden ist. „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ von Selma Lagerlöf ist vor kurzem völlig neu übersetzt worden und als Sonderausgabe der Anderen Bibliothek erschienen.

Dieses als Schulbuch konzipierte Werk wurde bisher auf Deutsch meist nur stark verkürzt oder mit entfernten „nicht kindgerechten“ Passagen herausgegeben. Selbst die Kinder in Schweden kennen zumeist nicht das ganze Werk, weil es für ein Schuljahr zu lang war. Die Neuübersetzung der vollständigen Ausgabe ist rundum gelungen und für nordisch interessierte Leser ein Fest.

Es werden alle Provinzen bereist. Damit sollten die schwedischen Kinder ihr Land kennen lernen. Über 100 Jahre später ist das wohl bekannteste schwedische Schulbuch tief in der Gesellschaft verankert. Im Stadtpark von Malmö ist die Geschichte sehr präsent; u.a. durch mehrere Statuen und durch Gänse, die überall im Stadtpark ihre Junge großziehen. Menschen und Gänse leben dort eine vorbildliche Gemeinschaft. Bei entsprechender Größe möchte man glatt aufsatteln und mit ihnen übers Land fliegen.

ScG – Gerald Schleiwies

Eine Widmung für mich

Na gut, nicht direkt an mich. Mehr an uns. Also an uns BibliotheksWesen… und wenn ein Buch schon mit einer solchen Widmung beginnt, dann hat der Autor mich für sich gewonnen.

Galgen

Diese Widmung ist in Der Galgen von Tyburn von Ben Aaronovitch zu finden. Es handelt sich dabei um den (von mir) lang und heiß ersehnten 6. Teil der Serie um Peter Grand, einen jungen Polizisten, der in eine Abteilung versetzt wird, die sich um die skurrilen und magischen Fälle kümmern, die in London passieren. Ein bisschen wie Harry Potter in Erwachsen 😉

Auf dem Bild ist noch mein persönliches Exemplar zu sehen, da ich es nicht abwarten konnte, bis das Buch in unserer Bibliothek entleihbar ist oder mir dann wohlmöglich noch jemand zuvor kommt. Wer die Serie noch nicht kennt, der sollte mit Die Flüsse von London beginnen. Die vorherigen Teile sind alle in unserer Bibliothek entleihbar. Sehr lustig, spannend und gut geschrieben ist diese Serie eine absolute Empfehlung von mir.

Das Verschwinden der Agatha Christie

Agatha Christie ist wohl eine der Autorinnen, die mich ein Leben lang begleiten wird. Ihre Krimis waren die ersten „Erwachsenen-Bücher“, die ich als Jugendliche gelesen habe – ach was sage ich – verschlungen 🙂 Natürlich begann ich mich dann auch für Christies Leben zu interessieren und wohl jeder kennt die Tage im Dezember 1926, in denen Agatha Christie spurlos verschwunden war. Dem Thema haben sich schon viele gewidmet, Christie hat bis zum Ende geschwiegen. Jetzt hat sich der Autor Andrew Wilson mit dem Thema beschäftigt:

Agathas alibiIm Dezember 1926 verschwindet Agatha Christie spurlos. Eine groß angelegte Suchaktion beginnt, an der sich sogar Arthur Conan Doyle beteiligt. Doch Christie, deren jüngstes Buch »Alibi« gerade zum Welterfolg lanciert, bleibt verschwunden. Erst elf Tage später wird sie in einem Hotel gefunden, in das sie sich unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes einquartiert hat. Bis heute weiß niemand, was damals geschah. Was, wenn Christie an einen bösartigen Widersacher geraten ist? Was, wenn sie erpresst worden ist? Was, wenn die Königin der rätselhaften Morde selbst gezwungen worden ist, ein Verbrechen zu begehen? Auf intelligente und unterhaltsame Weise erzählt Andrew Wilson in einer Mischung aus Fakten und Fiktion von einem rätselhaften Fall, in dem die größte Krimiautorin der Welt selbst zur Protagonistin wird. (Quelle: Pendo-Verlag)

Andrew Wilson lässt in diesem Buch Agatha Christie selber zu Wort kommen und erzählt die Geschichte größtenteils aus ihrer Perspektive. Das Buch ist sehr gut geschrieben und kann ich jedem Christie-Fan nur empfehlen! OB es sich dabei allerdings um des Rätsels Lösung handelt… Das muss jeder für sich entscheiden 🙂

 

Wie man (k)eine Vorlesepaten gewinnt – Buchtipp

Neulich beim Stöbern durch eine große Buchhandlung bin ich auf diverse gedruckte „Leseproben“ gestoßen. Unter anderem nahm ich dieses Heft hier mit:

Es ist der dritte Band von Ingeborg Steltmann. Mit spitzer Feder beschreibt sie ein Eheleben im Unruhestand. Die Protagonistin, Gabi König, ist dabei nicht nur ehemalige Buchhändlerin, sondern in diesem Textauszug auch Bibliotheksnutzerin ihrer örtlichen Stadtbibliothek. Sie wird bei der Rückgabe ihrer Medien von der freundlichen Bibliothekarin angesprochen, ob sie sich nicht vorstellen kann Vorlesepatin für die Stadtbibliothek in einem der Kindergärten zu werden.

Auf diesen 19 Seiten der Leseprobe schildert Gabi König nun ihr Erlebnis im Kindergarten. Das ist, gelinde gesagt, umwerfend komisch! Ich vermute sehr stark, dass die Autorin, ihrerseits Museumspädagogin und mit jahrelanger Erfahrung in universitärer Lehre und Forschung ausgestattet, das Aufgeschriebene vielleicht sogar mal selbst ausprobiert haben könnte.

Das geschilderte Erlebnis der Vorleserin ist jedenfalls stark an der Wahrheit angelehnt. Und ab wann diese Geschichte ins Abstruse dreht, ist nicht feststellbar. Eher werden Lesepaten den einen oder anderen Teil des Erlebten bestätigen – aber nicht alles auf einmal.

Leider gibt es dieses Kapitel nicht als elektronische Leseprobe – ich hätte gerne verlinkt. Ich empfehle dieses Kapitel aber jedem BibliotheksWesen, der sich mit Lesepaten beschäftigt. Quasi als Vorwarnung 🙂 . Am besten den neuen Lesepaten vorlesen. Online ist „nur“ diese Leseprobe verfügbar: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/ingeborg-seltmann-mit-horst-im-glueck.html

Aber vielleicht liegt ja noch die oben abgebildete Leseprobe beim örtlichen Buchhandel aus. Das Buch ist am 22.4.2017 erschienen. Oder gleich das ganze Buch ausleihen. Aber aufpassen, wenn man dann bei der Ausleihe gefragt wird, ob man sich vorstellen kann als Lesepatin für die Stadtbibliothek tätig zu werden…

ScG